Israel Tausende protestieren in Tel Aviv gegen "Nationalitätsgesetz"

Die Veranstalter sprachen von der "größten Arabischstunde der Welt": In Tel Aviv haben Tausende Menschen gegen ein umstrittenes neues Gesetz demonstriert. Es geht um die Landessprache und Vorwürfe des Rassismus.

Demonstranten in Tel Aviv
DPA

Demonstranten in Tel Aviv


Hebräisch als alleinige offizielle Nationalsprache, Arabisch dagegen nur mit einem "Sonderstatus": Mit knapper Mehrheit hatte Israels Parlament ein "Nationalitätsgesetz" verabschiedet. Tausende Menschen sind jetzt in Tel Aviv dagegen auf die Straße gegangen.

Veranstalter waren Nichtregierungsorganisationen wie der New Israel Fund und Neve Shalom. Der Protest wurde von ihnen als "größte Arabischstunde der Welt" angekündigt. Die Teilnehmer kritisierten die Herabstufung des Status der arabischen Sprache durch das Gesetz. Bei der Demo lernten die Protestierenden arabische Wörter, hörten Texte und Lieder in Arabisch.

Bisher waren sowohl Hebräisch als auch Arabisch gleichgestellt als inoffizielle Landessprache. Israels Präsident Reuven Rivlin hatte das Gesetz bereits kritisiert, arabische Abgeordnete sowie der palästinensische Ministerpräsident Rami Hamdallah bezeichneten es als rassistisch.

Beim "Nationalitätsgesetz" geht es aber nicht nur um die Landessprache. Es bekräftigt den Status Jerusalems als Israels Hauptstadt. Israels Flagge, Nationalhymne, der hebräische Kalender und die jüdischen Feiertage werden als staatliche Symbole festgelegt.

Der umstrittenste Artikel sollte ursprünglich die Errichtung ausschließlich jüdischer Wohnorte ermöglichen. Die neue Version enthält allerdings nur noch die Formulierung: "Der Staat sieht die Entwicklung jüdischer Gemeinden als nationalen Wert an und wird diese ermutigen und fördern."

20 Prozent der etwa neun Millionen Israelis sind Araber, rund 75 Prozent Juden. Der Staat Israel definiert sich als "jüdisch und demokratisch". Allerdings gibt es immer wieder Streit darüber, ob beide Begriffe gleichwertig nebeneinander bestehen können.

als/dpa



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