Getötete israelische Jugendliche Netanjahu droht Hamas mit Vergeltung

Israels Premier Netanjahu macht die Hamas für den Tod von drei entführten Jugendlichen verantwortlich. Andere Politiker forderten einen "tödlichen Schlag" gegen die Palästinenserorganisation - oder deren "Ausrottung".

AP/dpa

Jerusalem/Tel Aviv/Gaza - Nach dem Fund der Leichen von drei vermissten Jugendlichen haben führende Politiker Israels eine harte Reaktion gefordert. Die radikale Palästinenserorganisation Hamas soll demnach für den gewaltsamen Tod der Talmudschüler verantwortlich sein. "Sie wurden entführt und kaltblütig ermordet von Tieren in Menschengestalt", sagte Premier Benjamin Netanjahu laut seinem Büro. Zuvor hatte er bereits gesagt: "Die Hamas ist verantwortlich, und die Hamas wird bezahlen."

Nach Zeugenberichten zerstörte die israelische Armee bereits am späten Montagabend die Häuser von zwei Hauptverdächtigen im Westjordanland. Die Häuser der beiden Mitglieder der radikalislamischen Hamas in Hebron seien gesprengt worden, sagten Zeugen der Nachrichtenagentur AFP am späten Montagabend.

Israel wirft der radikalislamischen Palästinenserorganisation vor, hinter der Entführung von drei israelischen Jugendlichen am 12. Juni zu stehen - die Leichen von Gilad, Eyal und Naftali wurden am Montag auf einem Feld in der Nähe von Hebron im Westjordanland unter einem Stein gefunden.

Auch andere israelische Politiker machten die Hamas für den gewaltsamen Tod der Teenager verantwortlich, die erschossen worden sein sollen. "Dieses tragische Ende muss auch das Ende der Hamas sein", sagte Danny Danon von der Regierungspartei Likud. Er forderte einen "tödlichen Schlag" gegen die radikalislamische Palästinenserorganisation und kündigte eine "lange Operation zur Ausrottung der Hamas" an.

Ähnlich äußerte sich auch Parlamentspräsident Juli Edelstein: "Israel muss einen kompromisslosen Krieg gegen den Terror im Allgemeinen und speziell gegen die Hamas führen." Wirtschaftsminister Naftali Bennett sagte: "Es gibt keine Gnade für Kindermörder." Er fügte außerdem hinzu: "Dies ist eine Zeit für Taten, nicht für Worte."

"Wenn er den Krieg erklärt, öffnet sich das Tor zur Hölle"

Eine Reaktion gab es auch von der Hamas selbst. Ein Sprecher der Organisation sagte am Montagabend in Gaza: "Die Besatzungsmacht wird für jegliche Eskalation die Verantwortung tragen." Netanjahu müsse verstehen, "dass, wenn er Gaza den Krieg erklärt, sich für ihn das Tor zur Hölle öffnet". Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat inzwischen eine Dringlichkeitssitzung seiner Führung für Dienstag einberufen. Dabei solle es laut seinem Sprecher um die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen gehen.

Der französische Präsident François Hollande und der britische Premier David Cameron verurteilten die Ermordung der drei Jugendlichen auf das Schärfste. Während Hollande von einem "feigen Mord" sprach, verurteilte Cameron den "entsetzlichen und unentschuldbaren Terrorakt". Er sei "zutiefst betrübt", fügte der britische Premier in einer am Montagabend in London verbreiteten Erklärung hinzu. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sprach von einem "abscheulichen, feigen und barbarischen Verbrechen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie habe "geschockt" auf die Nachricht vom gewaltsamen Tod der Jugendlichen reagiert. "Es handelt sich um eine verabscheuenswürdige Tat, für die es keinerlei Entschuldigung geben kann", sagte sie. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Freunden der Jugendlichen.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Tötung der drei Vermissten als "sinnlosen Terrorakt gegen unschuldige Jugendliche" und sprach den Familien der Teenager sein tiefstes Mitgefühl aus, wie das Weiße Haus mitteilte. Er rief in einer Erklärung alle Parteien auf, "von Schritten abzusehen, die die Lage weiter destabilisieren könnten". Unterstützung erhielt er dabei von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, der von einem "abscheulichen Akt der Feinde des Friedens" sprach. Er hoffe, israelische und palästinensische Behörden würden zusammenarbeiten, um die Täter so rasch wie möglich zu fassen.

Der Papst verurteilt das "indiskutable Verbrechen"

Auch das Oberhaupt der katholischen Kirche äußerte sich: "Papst Franziskus schließt sich dem unsagbaren Schmerz der Familien an, die von dieser mörderischen Gewalt getroffen wurden", erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Die Ermordung unschuldiger Menschen sei ein "verabscheuenswertes und indiskutables Verbrechen" und ein "schlimmes Hindernis auf dem Weg zum Frieden, den wir unermüdlich weitergehen müssen und für den wir uns einsetzen und beten müssen".

Die seit 18 Tagen im Westjordanland vermissten Jugendlichen seien offenbar schon kurz nach der Entführung erschossen worden, hieß es. Die Suche nach den mutmaßlichen Entführern dauere noch an. Der israelische Geheimdienst hatte als Tatverdächtige zwei Hamas-Mitglieder beschuldigt, die auf der Flucht sein sollen.

Seit dem Verschwinden der Jugendlichen auf dem Heimweg am 12. Juni hat die israelische Armee bei Razzien nach eigenen Angaben etwa 420 Palästinenser festgenommen, die meisten davon Hamas-Mitglieder. Auch im Gazastreifen eskaliert die Gewalt. Israel und militante Palästinenser liefern sich einen heftigen Schlagabtausch: Militante Palästinenser feuerten am Montag knapp 20 Kleinraketen auf Israel ab.

mxw/dpa/AP/AFP/Reuters

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