Israelischer Beschuss des Gazastreifens Tod im Petersilienfeld

Am Freitag wollen im Gazastreifen Tausende Palästinenser gegen Israel protestieren. Wenige Stunden vor Beginn der Demonstrationen hat die israelische Armee einen Mann im Grenzgebiet getötet.

Grenzgebiet zwischen Israel und dem Gazastreifen
AFP

Grenzgebiet zwischen Israel und dem Gazastreifen


Die israelische Armee hat am Freitagmorgen den Gazastreifen beschossen. Dabei sind nach Angaben palästinensischer Behörden ein Bauer getötet und eine weitere Person beschossen worden.

Die israelischen Streitkräfte (IDF) haben den Beschuss bestätigt: "In der Nacht näherten sich zwei Verdächtige dem Sicherheitszaun im südlichen Gazastreifen und führten verdächtige Handlungen am Boden vor. Als Antwort feuerten Militärkräfte mit einem Panzer auf sie", teilte ein Armeesprecher mit.

Zeugen sagten aus, der 27-jährige Palästinenser Omar Samour habe auf einem Feld in der Nähe von Khan Younis in den Morgenstunden Petersilie geerntet, um sie später auf dem Markt zu verkaufen. "Ich habe auf dem Feld daneben gearbeitet. Wir hörten den Einschlag auf dem Feld, wo Omar arbeitete. Wir rannten dorthin und fanden ihn direkt neben einer Granate." Ein zweiter Bauer sei verwundet worden. Die IDF will die Berichte, laut denen das Todesopfer ein Landwirt war, prüfen.

Der Vorfall ereignete sich wenige Stunden vor den für Freitag geplanten Massenprotesten unter dem Slogan "Marsch der Rückkehr". Mehrere Gruppen haben die Menschen im Gazastreifen aufgerufen, sich an einem Marsch zur israelischen Grenze zu beteiligen. Anlass für den Protest ist der sogenannte "Tag des Bodens" am 30. März, der an die gewaltsame Niederschlagung von Protesten arabischer Bauern gegen die Enteignung ihres Landes im Norden Israels im Jahr 1976 erinnert. Bereits am Freitagvormittag versammelten sich Tausende Palästinenser in der Nähe des Sicherheitszaunes an der Grenze zu Israel.

Die Hamas, die den Gazastreifen regiert, hat sich hinter die Proteste gestellt. Israel bezeichnete die geplanten Proteste am Donnerstag als "Provokation" und kündigte an, von seinem "Recht auf Selbstverteidigung" Gebrauch zu machen. Das Militär hat zusätzlich zu den bereits vor Ort stationierten Truppen mehr als hundert Scharfschützen an die Grenze beordert. Sie sind angewiesen, auf Demonstranten zu feuern, die den Grenzzaun zu Israel durchbrechen.

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Gazakonflikt: Die Nervosität steigt

Der Marsch am Freitag ist der Auftakt für Proteste, die sich bis Mitte Mai hinziehen sollen. Die Palästinenser wollen entlang der Grenze Hunderte Zelte aufstellen, um für ein Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge zu demonstrieren. Die Zelte sollen bis zum 70. Jahrestag der "Nakba" am 15. Mai stehen bleiben. Mit Nakba, auf Deutsch: Katastrophe, bezeichnen die Palästinenser die Flucht und Vertreibung von Palästinensern im Zuge der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948.

Für zusätzliche Spannungen sorgt die ebenfalls für Mitte Mai geplante Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem. Die Palästinenser betrachten den Ostteil der Stadt als Hauptstadt ihres angestrebten eigenen Staates und sind deshalb über die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump aufgebracht, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen und die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin zu verlegen.

syd/AP/AFP/dpa



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