Libanonkrieg 1982 Israel soll Flüchtlingsschiff torpediert haben

Ein israelisches U-Boot soll während des Libanonkriegs 1982 ein Boot mit Flüchtlingen versenkt haben. Das geht aus einem Geheimbericht hervor, der jetzt veröffentlicht wurde. 25 Zivilisten starben.

Israelisches U-Boot (Symbolbild)
AFP

Israelisches U-Boot (Symbolbild)


Bisher wurde der Bericht geheim gehalten, nun hat ein israelischer Fernsehsender den Vorfall aus dem Libanonkrieg 1982 enthüllt: Ein israelisches U-Boot soll damals ein libanesisches Flüchtlingsschiff versenkt haben. Das berichtete Israels Channel 10 am Donnerstagabend. 25 Zivilisten seien dabei getötet worden. Ein israelischer Armeesprecher in Tel Aviv wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Nach Angaben des Senders wurde die Veröffentlichung nach einer Petition beim Obersten Gericht erlaubt.

Wie Channel 10 berichtet, ereignete sich der Vorfall im Juni 1982 vor der libanesischen Küste. Israelische Truppen waren damals im Rahmen der Operation "Frieden für Galiläa" in den Libanon eingedrungen. Ziel war die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) aus dem Libanon zu vertreiben. PLO-Chef Jassir Arafat und Tausende seiner Kämpfer mussten das Land schließlich verlassen. Vor der Küste verhängte Israel eine Seeblockade.

Vor der libanesischen Hafenstadt Tripoli feuerte das israelische U-Boot dem Bericht zufolge Torpedos auf ein Schiff ab, das mit insgesamt 56 Flüchtlingen an Bord unterwegs nach Zypern war.

Das U-Boot sei im Rahmen der "Operation Dreyfus" vor der Küste eingesetzt worden. Ziel sei es gewesen, Schiffe der syrischen Marine zu versenken, sollten diese in Richtung Süden fahren, um Israel anzugreifen. Der U-Boot-Kommandeur habe die Bewegungen des Flüchtlingsschiffs verfolgt und versehentlich angenommen, es habe "Terroristen an Bord", berichtete der TV-Sender. Auf sein Kommando seien zwei Torpedos auf das Schiff abgefeuert worden.

Nicht als Kriegsverbrechen eingestuft

Der Vizekommandeur kritisierte laut dem Bericht, es habe an Bord eine schießwütige Atmosphäre geherrscht. Der Kommandeur habe den Angriff nicht anordnen dürfen, weil nicht völlig klar gewesen sei, dass es sich um ein feindliches Schiff handelte. Eine interne Untersuchung der Armee habe jedoch ergeben, dass der Kommandeur sich vorschriftsgemäß verhalten habe. Die Versenkung des Flüchtlingsschiffs habe auf einer Fehleinschätzung basiert und sei nicht als Kriegsverbrechen einzustufen.

Die interne Untersuchung sei zehn Jahre nach dem Vorfall durchgeführt worden, schreibt die "The Times of Israel" unter Berufung auf Channel 10. Demnach scheint es, als hätte weder die libanesische noch die palästinensische Seite in den Wirren des Krieges realisiert, dass das Schiff von Israel versenkt worden sei.

asc/dpa

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