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Hype um israelischen Facebook-Post: Auf ins Pudding-Paradies!

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Kippa vor dem Brandenburger Tor: Geschätzte 25.000 Israelis leben bereits in Berlin Zur Großansicht
REUTERS

Kippa vor dem Brandenburger Tor: Geschätzte 25.000 Israelis leben bereits in Berlin

"Schokopudding, 19 Cent": Der skurrile Facebook-Post eines jungen Israelis aus Berlin sorgt in seiner Heimat für Furore. Zehntausende würden am liebsten sofort nach Deutschland auswandern - ins Land der billigen Lebensmittel.

Berlin - Seit er seinen Kassenbon auf Facebook gepostet hat, prasseln die Anfragen nur so auf den jungen Israeli ein. Drei Becher Schokoladenpudding stehen darauf - mit Sahnehaube. "Milky", wie sie in Israel liebevoll genannt werden, je 19 Cent. Unschlagbar günstig.

"Kauft irgendwo in Israel genau dieselben Sachen", fordert der 25-Jährige seine Leser auf. Selbst beim israelischen Discounter würde der Pudding das Vielfache kosten. "Wir sehen uns in Berlin!", schreibt er. Soll heißen: Israelis, kommt nach Deutschland! Da ist das Leben billiger.

Die Pudding-Herausforderung sorgt für Aufregung in Israel. Selbst Regierungsmitglieder haben darauf bereits reagiert. Stolz zeigt der junge Israeli SPIEGEL ONLINE auf seinem Laptop die Statistik: Nach gerade einmal vier Tagen haben bereits über eine Million Menschen seinen Facebook-Post gesehen. Israel hat acht Millionen Einwohner.

Bisher hat der israelische Berlin-Auswanderer alle Interviews abgelehnt. Doch er ist bereit, SPIEGEL ONLINE zu treffen, wenn sein Name nicht veröffentlicht wird und nichts, was ihn identifizieren könnte. Er will, dass das Thema im Vordergrund bleibt, nicht seine Person.

Der 25-Jährige hat mit Anfeindungen gerechnet - und vorgesorgt. Nur seine Eltern und zwei gute Freunde wissen, dass er hinter der Seite steckt. Er weiß, dass er mit dem Pudding-Post provoziert. Seine Facebook-Seite heißt "Olim le Berlin". Das ist auf Hebräisch mehr als "Auswandern nach Berlin". Es setzt den Exodus nach Deutschland mit der Aliya gleich, der Einwanderung ins gelobte Land.

"Es geht um mehr als Pudding"

Schon jetzt sind die Reaktionen extrem. Finanzminister Yair Lapid hat ihn einen "Antizionisten" genannt, gewissermaßen einen Landesverräter. Manche in Israel behaupten, er sei gar kein Israeli, sondern jemand, der dem Land schaden wolle. Zum Beweis zeigt er SPIEGEL ONLINE seinen israelischen Reisepass und Ausweis.

"Es geht doch um viel mehr als den Pudding", sagt er. "Ich bin Teil einer Generation, die für sich in Israel derzeit keine Perspektive sieht. Meine Eltern haben ihr ganzes Leben lang gearbeitet und können sich keine Wohnung leisten. Es gibt Großeltern, die sich ihre Medikamente nicht kaufen können und im Winter stellen sie die Heizung nicht an, weil der Strom so teuer ist." Da steht der teure Pudding symbolisch für eine Gesellschaft in Schieflage.

Israel gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Doch kein Mitgliedstaat der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dem Klub der reichen Demokratien, hat so viel Armut: Fast 21 Prozent der Bevölkerung gelten als arm. Zwischen immer steigenden Preisen und niedrigem Einkommen leidet die Mittelschicht.

Vor drei Jahren hatte ein Facebook-Post über teuren Hüttenkäse Demonstrationen für mehr soziale Gerechtigkeit ausgelöst. Seitdem sind die Preise weiter gestiegen.

"Gebt uns Visa, um in Deutschland zu arbeiten"

"Unser Premierminister redet nur von der Bedrohung durch Iran oder durch Raketen, aber von der Bedrohung durch die hohen Preise redet er nicht", sagt der 25-Jährige.

Seit seinem Pudding-Aufruf haben sich bei ihm Zehntausende Ausreisewillige gemeldet. Manche schicken ihm gleich ihren Lebenslauf mit. Der junge Mann arbeitet nun jeden Tag mehrere Stunden als Ausreiseberater: Er leitet Jobangebote weiter und schreibt Anleitungen, wie man sich auf Studentenvisa bewirbt und was eine Haftpflichtversicherung ist.

"Ich appelliere an die deutsche Regierung: Wenn ihr Israel helfen wollt, stellt uns 25.000 Visa zur Verfügung, um in Deutschland zu arbeiten", sagt er. "Wir versprechen, da kommen hochqualifizierte Leute. Niemand, der dem deutschen Staat auf der Tasche liegt." Deutsche Unternehmer, die helfen wollen, sollen sich bei ihm zu melden.

"Ich weiß, wo mein Zuhause ist"

Ausgerechnet Deutschland. In den israelischen Medien wurde er dafür heftig kritisiert. "Manche schreiben mir, dass ich mich dafür schämen sollte, dass Holocaust-Überlebende mitansehen müssen, wie junge Israelis nach Berlin ziehen." Doch er sieht es anders: "Deutschland ist kein antisemitisches Land. Zwischen jungen Israelis und Deutschen gibt es echte Freundschaften."

Sich selbst bezeichnet der 25-Jährige als Patrioten. "Ich mache das, um Israel zu helfen", sagt er. Er möchte ein paar Jahre in Berlin arbeiten, so lange, bis er etwas zusammengespart hat. Dann soll es zurück nach Tel Aviv gehen. "Ich weiß, wo mein Zuhause ist."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 144 Beiträge
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1.
jot-we 11.10.2014
Wäre doch schön, wenn sie kämen. Aber wieso gehört eigentlich Israel "zu den reichsten Ländern der Welt"? Die haben keine Bodenschätze, kaum Industrie, müssen Unsummen für Sicherheit und Militär verpulvern: wo kommt denn da der sagenhafte Reichtum her?
2.
Rido 11.10.2014
Dass er als "Landesverräter" bezeichnet wird ist doch klar. Vermutlich wird die israelische Regierung noch vom Puddingterrorismus sprechen, von dem "Penny bin Laden". Jetzt mal Spaß bei Seite. Klar wird er angefeindet. Er sorgt damit für eine gewisse Unruhe in dem Land und das wollen Reiche und Mächtige nicht haben. Wie heißt es noch bei Erich Kästner "... Reiche haben Armut gern." Oh, oh, ich habe was zu Israel gesagt. Vermutlich bin ich jetzt ein Nazi und Antisemit. Ich sollte schon mal einen Wall aus Sandsäcken aufbauen.
3. Na klar...
pepe-b 11.10.2014
Ich kann diesen Beitrag nicht ernst nehmen. Wahrscheinlich werde ich hier gleich als Antisemit bezeichnet, aber: Klar, kommt alle her! *Ironieaus* Wenn der Pudding das drängendste Problem ist, sage ich, es gibt genügend Länder auf diesem Planeten, wo es den Leuten dreckiger geht (leider). Liebe Israelis: beendet euren Krieg, dann hat euer Staat auch Geld für die Subventionierung von Pudding bzw kann die Steuern senken! Im Übrigen gab es auch schon vor dem Holocaust Freundschaften zwischen Juden und Deutschen.
4.
Sleeper_in_Metropolis 11.10.2014
Und nicht wenige Veteranen müssen sich in Israel mit betteln durchschlagen. Was die sozialen Ungerechtigkeiten angeht, hat Israel gut von seinem großen Freund, den USA gelernt. Ansonsten kann ich die Aktion des Mannes nur loben. Da sollte Deutschland wirklich Visa verteilen oder die Leute gleich ganz einbürgern, denn da würden tatsächlich Hochqualifizierte Menschen kommen.
5. Der Preis des Krieges.
winkler00 11.10.2014
Wer ständig in die Rustung investieren muss, muss woanders das Geld hereinholen. Wir invrstieren in dss Militär und weniger in die Ausrüstung und Israel in Militär und Ausruestung. Da muessen halt hoehete Steuern her, sonst koennen keine Kriege gegen Nachbarn geführt werden. Wer A sagt muss auch B sagen. Also nichts fuer ungut, aber was sollte der Artikel uns sagen?
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