Gaza/Kairo - Israel und die radikalislamische Hamas im Gaza-Streifen haben sich am Mittwoch auf eine Waffenruhe geeinigt. Das bestätigte der ägyptische Außenminister Mohammed Kamel Amr, der mit US-Außenministerin Hillary Clinton in Kairo vor die Presse trat. Ägypten vermittelt im Gaza-Konflikt. Die Kampfpause soll ab 20 Uhr MEZ gelten. Damit solle die Ruhe wiederhergestellt und das Blutvergießen beendet werden, sagte Amr.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bestätigte die Übereinkunft. Er habe der Vereinbarung nach einem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama zugestimmt.
Nach zähem diplomatischem Ringen sollen der Einigung zufolge beide Seiten alle Attacken einstellen. Nach einer 24-stündigen Feuerpause sollen dann die Grenzübergänge von Israel in den Gaza-Streifen wieder geöffnet werden, hieß es in einem Dokument, das der Nachrichtenagentur AP vorlag. Vermittler in Ägypten sollten die Einhaltung des Abkommens garantieren, sagte ein Vertreter der Palästinenser.
Mehr als 150 Tote und 1300 Verletzte
Kurz vor Verkündung der Waffenruhe wurden bei neuerlichen israelischen Luftangriffen auf Ziele im Süden und im Zentrum des Gaza-Streifens sechs Palästinenser getötet, wie palästinensische Sanitäter berichteten. Israel hatte vor einer Woche damit begonnen, Ziele im von der Hamas kontrollierten Gaza-Streifen zu beschießen. Jerusalem reagierte so auf den Raketenbeschuss von palästinensischer Seite. Bei den heftigen Kämpfen sollen mehr als 150 Palästinenser und fünf Israelis ums Leben gekommen sein, insgesamt 1300 Menschen wurden verletzt.
Zuvor hatte am Mittwoch ein Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv die Hoffnung gemindert, dass es noch zu der Einigung kommen würde. Bei der Explosion des Sprengsatzes waren nach Polizeiangaben 27 Menschen verletzt worden. Viele Israelis hatten nach dem Anschlag verlangt, dass die Bombardierung der Palästinenser weitergeht, weil sie ein Selbstmordattentat vermuten. Solche hatte die Hamas noch vor kurzem angekündigt.
Dank von der US-Außenministerin
US-Außenministerin Hillary Clinton dankte der ägyptischen Regierung für die Vermittlung, sie selbst hatte sich ebenfalls massiv in den Konflikt eingeschaltet, um eine Lösung zu finden. Clinton lobte Ägypten, das Land habe "Verantwortung und Führung" bewiesen. Die Bemühungen um ein dauerhaftes Ende der Feindseligkeit würden nun gemeinsam fortgesetzt. "Es gibt keinen Ersatz für dauerhaften und gerechten Frieden", warnte sie.
US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem israelischen Premier Netanjahu. Dessen Büro verschickte danach eine Erklärung, in der es hieß, Israel werde der Kampfpause eine Chance geben. Bei dem Gespräch habe Obama Israels Regierungschef geraten, dem ägyptischen Vorschlag über eine Waffenruhe zuzustimmen. Netanjahu wolle so die Möglichkeit schaffen, die Lage zu stabilisieren und beruhigen, bevor eine "massivere Aktion" nötig sei. Der Premier betonte aber zugleich, Israel werde weiter alle notwendigen Schritte unternehmen, um seine Bürger zu schützen.
Obama lobte Netanjahus Anstrengungen, mit der ägyptischen Regierung auf eine Lösung des Konflikts hinzuarbeiten. Die USA würden Israels Sicherheitsbedürfnis verstärkt nachkommen. Vor allem müsse der Schmuggel von Waffen und Sprengstoff in den Gaza-Streifen unterbunden werden, so der US-Präsident. Er sagte Netanjahu zusätzliche Militärhilfe zum Ausbau des Raketenabwehrsystems zu.
heb/Reuters/AP/dpa
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