Gaza-Konflikt: Israel und Hamas vereinbaren Waffenruhe

Nach acht Tagen sollen die Waffen vorerst ruhen: Israel und die radikalislamische Hamas haben sich auf eine Kampfpause geeinigt. Das erklärte der ägyptische Außenminister, Kairo vermittelt in dem Konflikt. Die Vereinbarung soll ab Mittwochabend gelten.

Gaza/Kairo - Israel und die radikalislamische Hamas im Gaza-Streifen haben sich am Mittwoch auf eine Waffenruhe geeinigt. Das bestätigte der ägyptische Außenminister Mohammed Kamel Amr, der mit US-Außenministerin Hillary Clinton in Kairo vor die Presse trat. Ägypten vermittelt im Gaza-Konflikt. Die Kampfpause soll ab 20 Uhr MEZ gelten. Damit solle die Ruhe wiederhergestellt und das Blutvergießen beendet werden, sagte Amr.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bestätigte die Übereinkunft. Er habe der Vereinbarung nach einem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama zugestimmt.

Nach zähem diplomatischem Ringen sollen der Einigung zufolge beide Seiten alle Attacken einstellen. Nach einer 24-stündigen Feuerpause sollen dann die Grenzübergänge von Israel in den Gaza-Streifen wieder geöffnet werden, hieß es in einem Dokument, das der Nachrichtenagentur AP vorlag. Vermittler in Ägypten sollten die Einhaltung des Abkommens garantieren, sagte ein Vertreter der Palästinenser.

Mehr als 150 Tote und 1300 Verletzte

Kurz vor Verkündung der Waffenruhe wurden bei neuerlichen israelischen Luftangriffen auf Ziele im Süden und im Zentrum des Gaza-Streifens sechs Palästinenser getötet, wie palästinensische Sanitäter berichteten. Israel hatte vor einer Woche damit begonnen, Ziele im von der Hamas kontrollierten Gaza-Streifen zu beschießen. Jerusalem reagierte so auf den Raketenbeschuss von palästinensischer Seite. Bei den heftigen Kämpfen sollen mehr als 150 Palästinenser und fünf Israelis ums Leben gekommen sein, insgesamt 1300 Menschen wurden verletzt.

Zuvor hatte am Mittwoch ein Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv die Hoffnung gemindert, dass es noch zu der Einigung kommen würde. Bei der Explosion des Sprengsatzes waren nach Polizeiangaben 27 Menschen verletzt worden. Viele Israelis hatten nach dem Anschlag verlangt, dass die Bombardierung der Palästinenser weitergeht, weil sie ein Selbstmordattentat vermuten. Solche hatte die Hamas noch vor kurzem angekündigt.

Dank von der US-Außenministerin

US-Außenministerin Hillary Clinton dankte der ägyptischen Regierung für die Vermittlung, sie selbst hatte sich ebenfalls massiv in den Konflikt eingeschaltet, um eine Lösung zu finden. Clinton lobte Ägypten, das Land habe "Verantwortung und Führung" bewiesen. Die Bemühungen um ein dauerhaftes Ende der Feindseligkeit würden nun gemeinsam fortgesetzt. "Es gibt keinen Ersatz für dauerhaften und gerechten Frieden", warnte sie.

US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem israelischen Premier Netanjahu. Dessen Büro verschickte danach eine Erklärung, in der es hieß, Israel werde der Kampfpause eine Chance geben. Bei dem Gespräch habe Obama Israels Regierungschef geraten, dem ägyptischen Vorschlag über eine Waffenruhe zuzustimmen. Netanjahu wolle so die Möglichkeit schaffen, die Lage zu stabilisieren und beruhigen, bevor eine "massivere Aktion" nötig sei. Der Premier betonte aber zugleich, Israel werde weiter alle notwendigen Schritte unternehmen, um seine Bürger zu schützen.

Obama lobte Netanjahus Anstrengungen, mit der ägyptischen Regierung auf eine Lösung des Konflikts hinzuarbeiten. Die USA würden Israels Sicherheitsbedürfnis verstärkt nachkommen. Vor allem müsse der Schmuggel von Waffen und Sprengstoff in den Gaza-Streifen unterbunden werden, so der US-Präsident. Er sagte Netanjahu zusätzliche Militärhilfe zum Ausbau des Raketenabwehrsystems zu.

heb/Reuters/AP/dpa

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1. Zeit wird´s...
rechtsanwalthh 21.11.2012
Abgesehen von den menschlichen Opfern und der Frage der Rechtfertigung ist dieser Krieg ein Spiel mit dem Feuer. Die bislang angefallenen Kosten wirken sich mit über 600 Mio bereits spürbar aus. Wie gedenkt Israel denn eine Ausweitung zu finanzieren? Allein sich auf den ebenfalls finanziell angeschlagenen Bündnispartner USA zu verlassen wäre naiv. Israel hat Muskeln gezeigt, nun steht eine echte Einigung und Anerkennung des Palästinenserstaates an.
2.
corneliusunbehaun 21.11.2012
Ich stehe in engem Kontakt zu einiges Freunden aus Israel und Palästina. Laut deren absolut vertrauenswürdigen Angabe wird weiterhin gekämpft.
3. Clintons Erfolg
BlogBlab 21.11.2012
Diese Waffenruhe ging dann mit Sicherheit auf die Bemühungen und den Einfluss der amerikanischen Außenministerin zurück. Es fragt sich nun, warum sich Westerwelle dort überhaupt als Vermittler aufgedrängt hatte. Das zeigt doch, dass der deutsche Außenminister, wie auch der französische, von den beteiligten Parteien ohnehin nicht ernst genommen wurde.
4. lustig...
cour-age 21.11.2012
Zitat von rechtsanwalthhAbgesehen von den menschlichen Opfern und der Frage der Rechtfertigung ist dieser Krieg ein Spiel mit dem Feuer. Die bislang angefallenen Kosten wirken sich mit über 600 Mio bereits spürbar aus. Wie gedenkt Israel denn eine Ausweitung zu finanzieren? Allein sich auf den ebenfalls finanziell angeschlagenen Bündnispartner USA zu verlassen wäre naiv. Israel hat Muskeln gezeigt, nun steht eine echte Einigung und Anerkennung des Palästinenserstaates an.
Sie sprechen von einer "echten Einigung und Anerkennung des Palästinenserstaates", verpflichten damit die eine Seite. Sie ahnen was fehlt: Ihr Aufruf an die andere Seite (HAMAS), auf Terrorismus zu verzichten, und Ihre Statuten abzuändern, in dem alle Mordaufrufe an jedem Israeli und die Vernichtung des Staates Israel aufgegeben werden. warum führen Sie diese Bedingung nicht auch an? Sie stimmen doch überein, dass ein von der UNO anerkannter Staat NIEMALS von einer international so bezeichneten und eingestuften Terrororganisation mit dem aktuellen Statut geführt werden kann? Würde Deutschland mit Frankreich auch nur einmal reden, wäre in der französischen Verfassung die Tötung jedes Deutschen und die Vernichtung Deutschlands festgeschrieben?
5. Viel Feind - viel Ehr'
incipe 21.11.2012
Viel Feind - viel Ehr', heisst eine altertümliche Floskel. Nun, was altertümlich anmutet muss nicht immer falsch sein. Angesichts der Raketenangriffe der Hamas auf israelisches Gebiet sehen sich viele veranlasst, die Luftangriffe der israelischen Armee auf die Bewohner im Gaza zu rechtfertigen: Israel habe schliesslich ein Recht auf Verteidigung. Im ersten Moment scheint diese Position plausibel zu sein. Nur: Wer wie die Machthaber in Israel auf die (zweifellos vorhandene) mitärische Überlegenheit ihrer ferngesteuerten Dronen, Helikopter und Raketenarsenale setzt, lässt ausser Acht, dass diese Art der Verteidigung der Mathematik des Krieges unterliegt: Je mehr Palästinenser getötet oder verwundet werden, umso grösser wird die Feindschaft der Bevölkerung gegen Israel. Das Motto der Vergeltung: Auge um Auge, Zahn um Zahn ist die Philosophie des ewigen Kriegs, wie er seit 1947 herrscht. Wer auf militärische Stärke setzt signalisiert dem Gegner, dass man nur im Falle einer militärischen Niederlage bereit ist, Kompromisse auszuhandeln. Das aber stärkt den militanten Flügel der Hamas, den man eigentlich schwächen wollte. Wollte man das wirklich? Ich glaube nicht! Viele Analytiker weisen darauf hin, dass hinter der militärischen Option durchaus ein wirtschaftliches Interesse steckt. (Nachzulesen unter dem Stichwort "Kanonen-Kaviar-Index" und "Das Davoser Dilemma" bei Noomi Klein, Die Schockstrategie, 3. Aufl. Frankfurt, 2010, S. 597 ff.) Viel Feind - viel money, müsste das eingangs zitierte Sprichwort demnach heute lauten. Israels Regierungen haben zwar Kriege "gewonnen" gegen Ägypten, Syrien, Jordanien und den Libanon. Sie haben aber zu keiner Zeit eine Strategie des Friedens gegenüber den Palästinensern entwickelt, auf deren Boden sie ohne zu fragen 1948 ihren Staat errichteten.
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Gaza-Streifen: Das Leid der Zivilisten


Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt: Schimon Peres

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

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