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Streit zwischen Schweden und Israel: "Beziehungen im Nahen Osten sind komplizierter als Ikea-Möbel"

Das Verhältnis zwischen Israel und Schweden ist schwer gestört. Die Regierung in Stockholm hat Palästina als Staat anerkannt. Israels Außenminister tobt.

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AFP

Israels Außenminister Lieberman: "Miserable Entscheidung"

Stockholm - Die Empörung ist groß in Israel. Weil Schweden Palästina als Staat anerkannt hat, ist der israelische Außenminister Avigdor Lieberman außer sich. Erst sprach er von einer "miserablen Entscheidung", dann legte er noch einen drauf: "Schweden muss verstehen, dass die Beziehungen im Nahen Osten komplizierter sind als Ikea-Möbel."

Am Donnerstag hatte die schwedische Regierung als erstes westliches EU-Land den Staat Palästina offiziell anerkannt. Bislang hatten das in der Europäischen Union erst Malta und Zypern getan. Bei den Vereinten Nationen (Uno) hat Palästina seit 2012 den Status eines Beobachters aber nicht den eines Mitgliedstaats. Mehr als 130 der 193 Uno-Mitglieder haben Palästina als Staat bereits anerkannt, vor allem Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Deutschland vertritt wie die USA die Auffassung, dass es erst nach Abschluss von Friedensverhandlungen mit Israel einen souveränen Palästinenserstaat geben kann. In London sprach sich das britische Unterhaus vor zwei Wochen für eine Anerkennung aus, das Votum ist jedoch nicht bindend.

Schwedens Außenministerin Margot Wallström begründete die Entscheidung damit, dass nach 20 Jahren ergebnisloser Verhandlungen der richtige Zeitpunkt gekommen sei. Man erhoffe sich eine neue Dynamik. Bereits in seiner Antrittsrede Anfang Oktober hatte Premierminister Stefan Löfven gesagt, der Konflikt zwischen Israel und Palästina könne nur durch eine Zwei-Staaten-Lösung gelöst werden, "ausgehandelt in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Völkerrechts".

Die Palästinenser hatten die Entscheidung Schwedens begrüßt. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bezeichnete die Anerkennung als "historische Entscheidung". Er rief andere Länder dazu auf, dem Beispiel Schwedens zu folgen.

Ganz anders hingegen Liebermans prompte Reaktion: "Es ist eine Schande, dass die schwedische Regierung eine solche Erklärung abgibt, die nur Schaden anrichtet", sagte er am Donnerstag. Israels Botschafter in Schweden beorderte er nach Jerusalem zurück.

bka/dpa

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