Protest von Palästinensern Heftige Unruhen erschüttern Jerusalem

Neuer Gewaltausbruch in Jerusalem und dem Westjordanland: Nach mehreren Anschlägen binnen weniger Tage haben sich Palästinenser und Sicherheitskräfte Straßenschlachten geliefert.


Jerusalem - In Ostjerusalem und dem Westjordanland ist es erneut zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Im Jerusalemer Stadtteil Schuafat versammelten sich laut der Nachrichtenseite "ynet" Tausende Palästinenser zu einer symbolischen Trauerfeier für Ibrahim al-Akri, der am Mittwoch in Jerusalem Fußgänger angefahren und dabei zwei Menschen getötet hatte. Israelische Sicherheitskräfte hatten ihn daraufhin erschossen.

Bei dem Trauermarsch flogen Steine und Feuerwerkskörper, einige Palästinenser zündeten Reifen an, schreibt "ynet". Zu Protesten kam es außerdem im Westjordanland: Am Grenzübergang Kalandia warfen nach Angaben einer Armeesprecherin rund 400 Palästinenser Steine und Brandsätze auf israelische Soldaten. Die Soldaten feuerten laut der Sprecherin mit scharfer Munition auf die Menschenmenge, trafen aber niemanden.

Die Proteste entzünden sich unter anderem an dem Besuch von Juden auf dem Muslimen gleichermaßen heiligen Tempelberg. Der sephardische Oberrabbiner Yitzhak Yosef sprach sich entschieden gegen den Besuch von Juden auf dem Tempelberg aus. "Wir müssen das stoppen", zitierten israelische Medien den Geistlichen: "Nur dann wird das Blutvergießen enden." Nach einem Erlass der Oberrabbiner ist es Juden verboten, den Tempelberg zu betreten.

Wegen des Streits um den Tempelberg gingen auch im östlichen Nachbarland Jordanien mehrere Tausend Menschen in verschiedenen Städten auf die Straße - das Land ist seit 1967 für die religiöse Verwaltung des Tempelbergs mit Klagemauer, Felsendom und al-Aksa-Moschee zuständig. Die Demonstranten forderten eine Aufkündigung des Friedensvertrages mit Israel, viele skandierten "Tod Israel". Der Anführer der oppositionellen Muslimbruderschaft, Scheich Hamam, forderte auf einer Kundgebung in Amman, die israelische Botschaft mitsamt aller Mitarbeiter einzuebnen.

Kritik an der israelischen Siedlungspolitik

Jordanien gilt als enger Bündnispartner der USA, hatte aber zu verstehen gegeben, dass die Auseinandersetzungen um die al-Aksa-Moschee den Friedensvertrag mit Israel von 1994 gefährden könnten. So weit war Jordanien selbst bei Israels Militärinvasion im Gaza-Streifen im Sommer nicht gegangen. Am Mittwoch hatte das Königreich seinen Botschafter aus Israel wegen des Konflikts um die al-Aksa-Moschee zurückbeordert - das erste Mal seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1994.

Mahnende Worte kamen wegen der jüngsten Gewalt von der neuen EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. "Das Risiko wachsender Spannungen in Jerusalem ist: Wenn wir uns auf dem politischen Weg nicht vorwärts bewegen, dann bewegen wir uns zurück zur Gewalt", sagte sie laut der Zeitung "Haaretz". Es sei notwendig, zum Friedensprozess zurückzukehren und regionale Mächte darin einzubinden, sagte Mogherini. Israels Siedlungspolitik nannte Mogherini demnach "ein Hindernis" für den Frieden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verteidigte die Siedlungspolitik rund um Jerusalem, schließlich handele es sich dabei um die Hauptstadt. Er ordnete zudem die Zerstörung der Häuser von Urhebern "terroristischer" Anschläge in Ost-Jerusalem an, wie ein israelischer Beamter der Nachrichtenagentur AFP sagte. Das Justizministerium muss der Anordnung allerdings noch zustimmen.

mxw/dpa/AFP/AP

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