Jerusalem Drei Verdächtige gestehen Mord an palästinensischem Teenager

Im Fall des ermordeten palästinensischen Jugendlichen haben drei Verdächtige ein Geständnis abgelegt. Die Lage in Nahost spitzt sich weiter zu: Im Gazastreifen hat es neun Tote gegeben, Israel mobilisiert 1500 Reservisten.

Trauerfeier für 16-jährigen Palästinenser (am Freitag): Eskalation in Nahost
AP

Trauerfeier für 16-jährigen Palästinenser (am Freitag): Eskalation in Nahost


Jerusalem - Drei der sechs festgenommenen jüdischen Tatverdächtigen haben nach israelischen Medienberichten den Mord an einem palästinensischen Teenager gestanden. Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtet, sie hätten die Tat für die Polizei nachgestellt. "Wir versuchen herauszufinden, welche Rolle jeder von ihnen genau gespielt hat", sagte Polizeisprecher Mickey Rosenfeld.

Der 16-jährige Palästinenser aus Ost-Jerusalem war am Mittwoch in einem Wald bei Jerusalem tot aufgefunden worden. Bei der Tat soll es sich um einen Rachemord nach der Entführung und Ermordung von drei israelischen Jugendlichen handeln.

Am Sonntag hatte die Polizei sechs junge jüdische Extremisten festgenommen. Sie werden beschuldigt, einer "Terrororganisation" anzugehören und einen Minderjährigen "aus nationalistischen Motiven" entführt und ermordet zu haben. Drei von ihnen sind nun geständig.

Netanjahu kondoliert Vater von ermordetem Teenager

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief laut seinem Büro am Montag den Vater des ermordeten palästinensischen Teenagers an, um ihm zu kondolieren und seine Erschütterung über den "abscheulichen Mord" auszudrücken.

Der Tod des Palästinensers kurz nach der Beisetzung von drei im Westjordanland entführten und getöteten jungen Israelis hatte die Spannungen im Nahostkonflikt deutlich verschärft.

Die israelische Armee bereitet sich auf eine größere Auseinandersetzung mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor. 1500 Reservesoldaten würden mobilisiert, sagte Armeesprecher Peter Lerner am Montag. "Wir müssen uns auf eine weitere Verschlimmerung der Lage einrichten", sagte er. "Unsere Botschaft ist, dass wir für jede Entwicklung bereit sind." Die Hamas sei aktiv an den jüngsten Angriffen auf Israel beteiligt.

Neun Tote im Gazastreifen

Zuvor hatte die radikalislamische Miliz nach heftigen israelischen Luftangriffen Rache für den Tod von neun Menschen angekündigt. Über deren Tod in einem Tunnel im Süden des Gazastreifens sagte Lerner, die Luftwaffe habe den Eingang vor einiger Zeit beschossen. Die Hamas-Mitglieder seien aber getötet worden, als sie die Schäden inspizieren wollten. Dabei sei Sprengstoff in dem Tunnel explodiert.

Auch innenpolitisch wirkt sich die Krise aus: Im Streit über einen möglichen Militäreinsatz im Gazastreifen hat die ultranationalistische Partei des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman ihr taktisches Bündnis mit dem Likud-Block von Ministerpräsident Netanjahu aufgekündigt. Lieberman verkündete den Entschluss am Montag auf einer Pressekonferenz. Er will seine Partei aber in der Regierungskoalition belassen.

fab/AFP/dpa/Reuters

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