Gazakonflikt Israel verteidigt Vorgehen - Palästinenser klagen an

Ein Ende der Gewalt in Gaza ist nicht in Sicht: Palästinenserpräsident Abbas macht Israel für die Eskalation verantwortlich - die Armee spricht dagegen von einer Provokation der Hamas und "organisiertem Terror".

Palästinenser bringen im Gazastreifen einen angeschossenen Mann in Sicherheit
DPA

Palästinenser bringen im Gazastreifen einen angeschossenen Mann in Sicherheit


Nach den tödlichen Schüssen bei Massenprotesten im Gazastreifen hat die israelische Regierung das Vorgehen der Armee verteidigt. "Der Sperrzaun zwischen Israel und dem Gazastreifen trennt zwischen einem souveränen Staat und einer Terrororganisation", erklärte das Außenministerium am Samstag. "Er trennt zwischen einem Staat, der seine Bürger schützt, und Mördern, die Angehörige ihres eigenen Volkes in die Gefahr schicken."

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte: "Israel geht mit Entschlossenheit vor, um seine Solidarität und die Sicherheit seiner Bürger zu schützen."

Bei den Protesten an der Grenze des Küstengebietes waren am Freitag mindestens 15 Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen oder durch Panzergranaten getötet worden. Mehr als 1400 wurden verletzt, die meisten durch Tränengas. Bei erneuten Zusammenstößen am Samstag wurden wieder Palästinenser verletzt, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit.

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Proteste im Gazastreifen: Tränengas und Scharfschützen

Palästinenserpräsident Abbas machte allein Israel für die blutigen Zusammenstöße verantwortlich. Er habe die Vereinten Nationen zum Schutz der Palästinenser aufgefordert, sagte er im Fernsehen.

Die Unruhen schüren international Sorgen vor einer neuen Eskalation der Gewalt im Heiligen Land. Uno-Generalsekretär António Guterres forderte "unabhängige und transparente Ermittlungen" zu den Vorfällen vom Freitag. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini rief beide Seiten zur Deeskalation auf: "Jegliche Handlungen, die Zivilisten gefährden könnten," sollten vermieden werden.

Diskussion um Video

Im Internet wird unterdessen ein Video diskutiert, das zeigen soll, wie ein Palästinenser in den Rücken geschossen wird. Auf den Bildern ist ein junger Mann zu sehen, der mit einem Autoreifen in der Hand rennt und plötzlich vornüber zusammenbricht. Zahlreiche Nutzer machten israelische Soldaten für den Tod des 18-Jährigen verantwortlich.

Israel wies das Video als "Propaganda" zurück und warf im Gazastreifen herrschenden Hamas gezielte Provokation vor. "Was wir gestern gesehen haben, war ein organisierter Terrorakt", sagte der israelische Armeesprecher Ronen Manelis. Nach seinen Angaben waren alle Todesopfer Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren. "Die große Mehrheit von ihnen kennen wir als Terroraktivisten", sagte Manelis.

Insgesamt hätten an dem "Marsch der Rückkehr" rund 30.000 Palästinenser teilgenommen, die große Mehrheit davon Frauen und Kinder. Doch nur wenige Tausend seien bis zum Grenzzaun vorgedrungen.

"Der Zaun trennt zwischen einer Armee, die aus Selbstverteidigung und auf gezielte und proportionale Weise Gewalt anwendet, und der Hamas, die seit Jahren - einschließlich gestern - versucht, Millionen von Israelis Schaden zuzufügen und die Mord und Tod verherrlicht", hieß es in der Mitteilung des Ministeriums. "Wer den Fehler macht, in dieser mörderischen Demonstration auch nur ein bisschen Meinungsfreiheit zu sehen, ist blind gegenüber den Bedrohungen, mit denen der Staat Israel konfrontiert ist."

Die radikal-islamische Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein "Recht auf Rückkehr" für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Israel lehnt eine Rückkehr in das eigene Staatsgebiet ab.

Video: Israel setzt Drohnen mit Tränengas gegen Demonstranten ein

REUTERS

mkl/dpa



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