Syrien Israels Verteidigungsminister bestätigt Beschuss iranischer Stellungen

Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben zahlreiche iranische Ziele in Syrien bombardiert. "Ich hoffe, dass dieses Kapitel erledigt ist", sagte Verteidigungsminister Lieberman.

Syrian Central Military Media/ AP

In der Nacht hat das israelische Militär nach eigenen Angaben mehrere Ziele in Syrien angegriffen. Man habe fast die gesamte iranische Infrastruktur dort getroffen, sagte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman auf einer Sicherheitskonferenz in der Nähe von Tel Aviv. Er hoffe, dass die iranisch-israelischen Kämpfe im syrischen Grenzgebiet damit beendet seien: "Ich hoffe, dass dieses Kapitel erledigt ist und alle die Botschaft verstanden haben." Israel werde nicht zulassen, dass Iran Syrien in eine Frontbasis gegen Israel verwandele. Man wolle keine Eskalation der Situation, so Lieberman.

Zuvor hatten - nach israelischen Angaben - iranische Truppen von Syrien aus israelische Armeestellungen auf den Golanhöhen mit Raketen beschossen. Keines der etwa 20 Geschosse habe sein Ziel erreicht. Ein Militärsprecher hatte die Kuds-Brigaden für den Angriff verantwortlich gemacht, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden.

Militärsprecher Jonathan Conricus sagte, die israelische Armee habe in Syrien Einrichtungen des iranischen Geheimdienstes, der Logistik, Militärposten, Lagerräume und Spähposten getroffen. Man habe auch das Gefährt zerstört, von dem aus die Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert worden seien. Dies habe sich in 30 bis 40 Kilometer Entfernung von Damaskus befunden, sagte Conricus. Man habe Russland vor dem Angriff in Syrien informiert.

Laut der Nachrichtenagentur Tass rief das russische Außenministerium zu einer Deeskalation der Lage auf. Das tat in einer Stellungnahme am Donnerstagmorgen auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Am Nachmittag wolle er bei einem Treffen mit Angela Merkel die Situation im Nahen Osten besprechen.

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Israel, Iran, Syrien: Attacken in der Nacht

Auch syrische Staatsmedien berichteten in der Nacht zum Donnerstag von israelischen Angriffen auf Ziele in Syrien. Dabei sollen zahlreiche Raketen in der südwestsyrischen Provinz Quneitra eingeschlagen sein. Die syrische Staatsagentur Sana berichtete, die Raketen seien von den Golanhöhen abgefeuert worden und hätten unter anderem die Stadt Al-Baath getroffen.

Die syrische Luftabwehr fing laut Sana Dutzende Raketen ab, darunter Geschosse im Süden von Homs. Die Agentur berief sich auf Quellen aus dem Militär. Israel ziele darauf ab, Luftabwehr- und Radarsysteme zu zerstören, berichtete Sana. Ein Radar wurde demnach von israelischen Raketen getroffen. Die Angriffe zielten zudem auf syrische Militärstützpunkte und Waffenlager ab, hieß es in den Berichten weiter. Einige Raketen hätten ihr Ziel erreicht.

Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sollen bei den israelischen Schlägen mindestens 23 Menschen gestorben sein.

Bereits in der Nacht zuvor war ein mutmaßlicher israelischer Raketenangriff auf Ziele in Syrien gemeldet worden. Dabei kamen nach Angaben der Aktivisten mindestens 15 Menschen ums Leben. Der Angriff habe einem Waffenlager der iranischen Revolutionsgarden gegolten.

Syrische Luftabwehrraketen über Damaskus
YOUSSEF BADAWI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Syrische Luftabwehrraketen über Damaskus

Mit Hinweis auf Warnungen vor einem möglichen iranischen Angriff von Syrien aus hatte Israels Armee am Dienstag Reservisten mobilisiert. Israel habe verdächtige Bewegungen iranischer Streitkräfte in Syrien identifiziert, hieß es zur Begründung.

Israelische Geheimdienste warnen seit einigen Tagen vor einem iranischen Vergeltungsangriff auf Israel für einen Luftangriff, bei dem am 9. April in Syrien sieben iranische Militärangehörige getötet worden waren. Syrien und Iran machen Israel dafür verantwortlich.

Netanyahu bei Putin

Die israelische Armee hatte in den vergangenen Monaten mehrfach Ziele in Syrien angegriffen. Beobachter gehen davon aus, dass sich die Angriffe vor allem gegen iranische Truppen und die Hisbollah richten. Diese wird vom ebenfalls schiitischen Iran unterstützt und kämpft im syrischen Bürgerkrieg an der Seite der Regierungstruppen von Baschar al-Assad.

Die jüngsten Angriffe erfolgten einen Tag nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit Iran und dem Besuch von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser hatte angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Israel und Iran zu einer Lösung des Konflikts aufgerufen.

hut/aar/AP/Reuters/AFP

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