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Israelischer Grenzschutz: Video zeigt Übergriff auf palästinensischen Jungen

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Ein heimlich aufgenommenes Video aus Hebron empört Israel. Die Sequenz zeigt israelische Grenzschützer, die einen neunjährigen palästinensischen Jungen attackieren. Der Fall befeuert die Debatte über den Umgang der Sicherheitskräfte mit Minderjährigen.

BTselem

Berlin - Videoaufnahmen der Menschenrechtsorganisation B'Tselem sorgen in Israel für Aufsehen. In dem Film ist zu sehen, wie zwei israelische Polizisten auf einen palästinensischen Jungen losgehen. Der neunjährige Abdul Rahman B. wird wird in der Altstadt von Hebron von einem der Männer gepackt und zu Boden gerissen. Ein Kollege kommt herbei und tritt zu. Ob er den Jungen tatsächlich trifft, ist auf den Bildern nicht zu erkennen. Auch was der Attacke vorangegangen ist, wird nicht gezeigt. Die beiden Männer lassen den Kleinen schließlich laufen. Sie gehören dem israelischen Grenzschutz an, der zur zivilen Polizei gehört.

Das am 29. Juni heimlich aufgenommene Video ruft nun heftige Reaktionen hervor. Nachdem der populäre israelische Fernsehsender Channel 2 die Aufnahmen ausgestrahlt hatte, wetterten auf der Internetseite des TV-Senders radikale Israelis, der Junge habe die Polizisten vorher mit Steinen beworfen und noch Schlimmeres verdient. Antiisraelische Radikale verbreiteten die Aufnahmen ebenfalls und konterten mit antisemitischen Parolen.

Die israelische Grenzpolizei hat den Vorfall inzwischen ausdrücklich verurteilt. Um ein weiteres Hochkochen der Emotionen zu verhindern, kündigte sie eine Untersuchung an. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. Allerdings gab es nach früheren Untersuchungen ähnlicher Vorwürfe bisher kaum Konsequenzen. B'Tselem kündigte an, bei der Polizei eine Klage einreichen zu wollen.

Die Organisation hat in der Vergangenheit mehrfach Videos veröffentlicht, die mögliche Menschenrechtsverletzungen zeigen sollen. B'Tselem verteilt Videokameras an Palästinenser, damit diese entsprechende Zwischenfälle dokumentieren können. Im Mai veröffentlichte Aufnahmen sollen bewaffnete israelische Siedler zeigen, die auf Palästinenser schießen, während israelische Soldaten zusehen. 2007 sorgten die B'Tselem-Aufnahmen einer Siedlerin aus Hebron für Aufruhr, die eine alte Palästinenserin anschrie und als "Schlampe" beschimpfte. Die Aufnahmen befeuerten die Kritik in Israel an der Siedlungspolitik.

Immer wieder Hebron im Brennpunkt

Hebron steht bei den Vorwürfen immer wieder im Mittelpunkt. Die Stadt liegt zwar im palästinensischen Westjordanland. Doch weil dort auch israelische Siedler leben, sind in manchen Stadtteilen israelische Grenzschützer stationiert. Palästinenser dürfen sich in Hebron nicht überall frei bewegen. Streit gibt es auch um die mutmaßliche Grabstätte der biblischen Figuren Abraham, Isaak und Jakob, die im Judentum und im Islam wichtig sind.

Das neue Video von B'Tselem kommt für Israels Sicherheitskräfte zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Erst in der vergangenen Woche hatten britische Juristen einen Untersuchungsbericht veröffentlicht, in dem sie dem israelischen Militär massive Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit palästinensischen Kindern vorwarfen.

Die Juristen prangerten insbesondere die unterschiedliche Behandlung von israelischen und palästinensischen Kindern durch die israelische Regierung an. So können israelische Kinder - auch solche, die im palästinensischen Westjordanland leben - bis zu 40 Tage lang ohne Anklage in Untersuchungshaft gehalten werden, palästinensische Kinder dagegen 188 Tage. Der Bericht warf dem israelischen Militär vor, palästinensische Kinder grundsätzlich als "mögliche Terroristen" zu behandeln.

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