Attentat in Israel: Viele Verletzte bei Anschlag auf Bus in Tel Aviv
Die israelische Polizei spricht von einem Terrorakt: Bei einer Bombenexplosion in einem Bus in Tel Aviv sind mindestens 20 Menschen verletzt worden. Die Nachricht sorgte im Gaza-Streifen für Jubel - die Hamas feiert das Attentat.
Tel Aviv - Bei einem Bombenanschlag auf einen Autobus in Tel Aviv sind zahlreiche Menschen verletzt worden. Die Polizei berichtet von mindestens 20 Verwundeten.
Drei Menschen erlitten den Berichten zufolge schwere Verletzungen. Sanitäter kümmerten sich am Ort um die Opfer, Krankenwagen brachten mehrere Menschen ins Krankenhaus. Die Polizei sprach von einem "Terrorakt".
Das Attentat ereignete sich demnach auf dem Schaul-Hamelech-Boulevard im Zentrum der Mittelmeermetropole und damit in der Nähe des Hauptquartiers der Streitkräfte. Ein Augenzeuge sagte im israelischen Militärrundfunk, der Bus sei innen völlig ausgebrannt. Die Fenster des Fahrzeugs zersplitterten unter der Wucht der Explosion. Im Fernsehen war zu sehen, wie dichter Qualm aus dem Bus drang.
Der israelische Rundfunk meldete, es handele sich nicht um einen palästinensischen Selbstmordanschlag. Möglicherweise habe ein Attentäter eine Bombe gelegt und sei entkommen. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften wurde zum Tatort beordert.
Jubel im Gaza-Streifen
Ob es sich um eine Reaktion auf die Militäröffensive Israels im Gaza-Streifen handelt, ist unklar. In Gaza wurden Freudenschüsse in die Luft gefeuert, als lokale Rundfunkstationen die Nachricht von dem Anschlag verbreiteten.
Die radikalislamische Hamas pries das Attentat: "Wir gratulieren unserem Volk zu dieser heldenhaften Tat", hieß es in einer Mitteilung, die über die Lautsprecher von Moscheen im Gaza-Streifen verlesen wurde. Es handele sich um eine "natürliche Reaktion" auf die Tötung von Zivilisten durch die israelische Luftwaffe, hieß es im Hamas-Fernsehsender. Bisher starben im Gaza-Streifen etwa 140 Menschen durch israelische Angriffe, darunter viele Zivilisten.
Hillary Clinton bei Netanjahu
Vor einer Woche hatte Israel mit seinen Angriffen begonnen, um damit den Raketenbeschuss durch militante Palästinenser zu stoppen. Bisher sind sämtliche Bemühungen um eine Waffenruhe in dem Konflikt gescheitert.
Am Mittwochmorgen setzte Israel trotz der Verhandlungen seine Luftangriffe auf den Gaza-Streifen fort. Gleichzeitig feuerten die Palästinenser erneut Raketen nach Israel. In der Nacht zuvor hatte die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben mehrere Dutzend Ziele bombardiert, darunter das Hamas-Ministerium für innere Sicherheit und eine Polizeizentrale. Es sei auch ein Versteck für ranghohe Hamas-Mitglieder angegriffen worden, teilte die Armee mit. Zuvor hatten auch Panzer und Schiffe das Gebiet beschossen. Militante Palästinenser ihrerseits feuerten wieder Raketen auf Südisrael ab.
US-Außenministerin Hillary Clinton versuchte derweil, bei einem Treffen mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem einen Waffenstillstand zu erreichen und damit eine Bodenoffensive zu verhindern. Nachdem am Dienstagabend die Einigung auf eine Waffenruhe in greifbarer Nähe schien, sprach Clinton nun von einer Lösung "in den kommenden Tagen".
Anführer der Hamas machten in Kairo Israel für die Verzögerungen verantwortlich. Es habe nicht auf Vorschläge reagiert. Ein israelischer Rundfunksender zitierte dagegen einen Regierungsvertreter mit den Worten, in letzter Minute hätten Probleme bei den Verhandlungen zwischen der Hamas und Israel eine Waffenruhe hinausgeschoben.
Zeitung: Einsatz kostete Israel bisher 600 Millionen Euro
Der Militäreinsatz im Gaza-Streifen hat Israel nach einem Zeitungsbericht bisher drei Milliarden Schekel (umgerechnet 600 Millionen Euro) gekostet. Bei den Erwägungen, ob Israel eine Bodenoffensive beginnen sollte, spielten auch finanzielle Erwägungen eine wichtige Rolle, berichtete die israelische Wirtschaftszeitung "The Marker". Die Entscheidungsträger in Jerusalem hätten "das Haushaltsschlamassel, in dem Israel steckt", deutlich vor Augen, schrieb das Blatt.
Der Preis für die Operation "Säule der Verteidigung" werde mit zwei Milliarden Schekel aus dem Verteidigungshaushalt und einer weiteren Milliarde für Ausgaben im zivilen Bereich geschätzt. Dazu komme noch der Schaden für Produktion und Handel sowie im Tourismus. Die Kosten werde letztlich der israelische Bürger tragen, schrieb "The Marker". Eine der Möglichkeiten sei eine weitere Anhebung der Mehrwertsteuer von 17 auf 18 Prozent.
Die israelische Regierung hat sich bisher nicht auf einen Haushalt für das kommende Jahr einigen können. Dies ist einer der Hauptgründe für die vorgezogene Wahl am 22. Januar. Im nächsten Budget waren Kürzungen von etwa 15 Milliarden Schekel (etwa drei Milliarden Euro) vorgesehen. Die Finanzierung der Gaza-Operation werde ein Problem der nächsten israelischen Regierung sein, schrieb das Blatt.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde von vielen Toten berichtet, tatsächlich handelt es sich um viele Verletzte. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.
als/heb/dpa/AFP/Reuters
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