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Medienberichte: Israel will Iran angeblich vor US-Wahl angreifen

Säbelrasseln in Israel: "Fast endgültig" sei der Beschluss Benjamin Netanjahus und seines Verteidigungsministers Ehud Barak, Iran noch vor der US-Präsidentschaftswahl im November anzugreifen, um dessen Atomanlagen zu zerstören. So melden es israelische Medien.

Israelischer Premier Benjamin Netanjahu (rechts) mit Verteidigungsminister Ehud Barak Zur Großansicht
DPA

Israelischer Premier Benjamin Netanjahu (rechts) mit Verteidigungsminister Ehud Barak

Tel Aviv/Berlin - Israel erwägt nach Medienberichten einen militärischen Alleingang gegen das iranische Atomprogramm noch vor der US-Präsidentenwahl im November. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak hätten einen solchen Entschluss schon "fast endgültig" gefasst, berichtete die Zeitung "Times of Israel" am Samstag unter Berufung einen TV-Bericht. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch die Zeitung "Jediot Achronot".

Israel betrachtet das iranische Atomprogramm als derzeit größte Bedrohung seiner Existenz. Die Führung in Teheran bestreitet hingegen, dass sie unter dem Deckmantel einer zivilen Forschung Atomwaffen entwickeln lässt. Unklar bleibt, ob Israel tatsächlich einen Angriff plant oder Druck macht, damit sich der Iran in den Atomgesprächen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland bewegt.

Nach einer Umfrage der Zeitung "Maariv" würden 40 Prozent der befragten Israelis einen Alleingang gutheißen. 35 Prozent würden es hingegen lieber den USA überlassen, militärisch gegen den Iran vorzugehen. Dieses Ergebnis bedeute "grünes Licht" für Netanjahu, kommentierte die Zeitung am Freitag.

Netanjahu misstraue der Zusicherung von US-Präsident Barack Obama, Amerika werde eine mögliche iranische Atombombe notfalls mit militärischen Mitteln verhindern, heißt es in dem neuen Bericht. Die USA hätten Israel weder Pläne für ein militärisches Eingreifen vorgelegt noch habe Obama einen Angriff ausdrücklich zugesagt, falls Sanktionen und diplomatischer Druck keinen Erfolg haben. Außerdem sei Obama dafür bekannt, dass er Militäreinsätze nicht ohne Zustimmung der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga befehle. Dies alles habe Netanjahu zu der Überzeugung gebracht, dass Israel allein handeln müsse.

Angesichts seiner im Vergleich zu den USA geringeren militärischen Schlagkraft bleibe Israel nur noch wenig Zeit, das iranische Atomprogramm wirkungsvoll zu treffen, heißt es weiter. Je mehr Atomanlagen die Iraner in Bunker tief unter der Erde verlegten, desto geringer würden die Chancen auf einen Erfolg, laute Netanjahus Einschätzung. Für ihn gehe es darum, einen "iranischen Plan zur Vernichtung der Juden" zu verhindern. Im Vergleich dazu seien die von Teilen des Sicherheitsapparats für zu hoch empfundenen Risiken weniger bedeutend.

Die USA hatten erst Ende Juli ihre Sanktionen gegen Iran weiter verschärft, um dessen Ölhandel zu behindern. Zwei Banken aus Irak und China, die Geschäfte mit Iran abgewickelt hatten, dürfen seither nicht mehr in den USA operieren. US-Präsident Obama gerät im Israel-Iran-Konflikt auch deshalb unter Druck, weil sein Gegenkandidat Mitt Romney angekündigt hat, im Falle seines Wahlsiegs im November einen israelischen Angriff auf Iran zu tolerieren.

kuz/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
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1.
Shaft13 11.08.2012
Heikles Thema. Aus Israelischer Sicht aber wohl verständlich. Umringt von lauter Staaten,die sie Hassen und am liebsten auslöschen wollen,muss das Land natürlich um seine Existenz fürchten,wenn ein Land wie der Iran Atomwaffen bekommt und ja schon von "Israel auslöschen" geredet hat(wird natürlich geleugnet). Fakt ist,das Risiko kann Israel nicht eingehen,zumal wir es hier mit Religösen Spinnern zu tun haben,die durchaus denken könnten,das Allah sie ja schützt und mit eigenen Atomwaffen eh keinen Gegenschlag zu befürchten haben von den USA und Co. Und Israel existiert nach Iranischer Denkweise nach dem Erstschlag nicht mehr. Deswegen kann ich Israel verstehen. Ist halt nicht vergleichbar mit unserer Situation.
2. Zwar verständlich,
spon-facebook-10000024332 11.08.2012
aber heikel. Der Iran hegt öffentlich Feindseligkeiten gegen die Juden aber ich bezweifle ob der Iran so größenwahnsinng wäre, einfach mal Israel anzugreifen. Es ist klar, dass das einem Selbstmord gleichkäme, denn die Vergeltung der USA würde nicht lange auf sich warten lassen. Isreal sollte daher lieber abwarten als direkt angreifen.
3.
frontmann22 11.08.2012
Sehr geehrter Herr Moderator, mir ist schon länger klar, dass man zum Thema Israel keine kritischen Beiträge schreiben soll. Wenn es sich um Portugal, Russland oder sonstwo gehen würde, wäre meine Meinung diesselbe. Kriegstreiber bleiben Kriegstreiber. Und einer davon liegt ja in Israel schon im Koma. Grüsse Frontmann
4.
mason23 11.08.2012
und mit einem militärischen Erstchlag schützt Israel sich dann besser vor den Feinden von denen Sie umringt sind? Der Erfolg einer solchen Aktion, selbst mit den USA darf doch bezweifelt werden. Zumal es unabsehbare Folgen für die ganze Region hätte.
5. mit dem Feuer spielen
heinzko 11.08.2012
Warum diese Eile um die Welt in Brandt zu setzen - oder geht es vielmehr darum Hr.Obama den Wahlkampf zu versauen ? Warum der Iran ausgerechnet Israel angreifen soll ,trotz aller verbaler Muskelspiele ,ist nicht einzusehen. Vielmehr spekuliert Ahmadinedjad darauf die arabische Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen.Der wahre Konflikt besteht zwischen Iran und Saudi Arabien.Die Saudis sind letztesmal in Bahrain einmarschiert - das hat der persische Schah auch schon mal gemacht , beide mit Duldung Amerikas ! Übrigens ist auch Saudi Arabien kein Freund Israels - und die Propaganda von dort kein bißchen freundlicher ! Alle Gulfstaaten wollen -zu friedlichen Zwecken - AKWs bauen --das will der Iran doch auch (das "angeblich " gilt doch wohl für alle ,oder ? ) Wann lernen wir endlich das wir die größte Sicherheit nicht durch immer neue Kriege , sondern durch die Förderung Demokratie in den Schurkenstaaten ( 80 % der Welt )erreichen können .Neben dem arabischen Frühling gab es auch einen iranischen ( Katami ) , den hat die Welt - bewußt-verschlafen ! Und laßt uns beten -zu Gott,Allah (arabisch :Gott ) oder Choda (iranisch :Gott ) : laß nicht schon wieder einen Republikaner die US Wahl gewinnen , sei uns gnädig !
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Irans Atomprogramm
Streit
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.


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