Konflikt um 13-jährigen Palästinenser Israel wirft Abbas Lügen und Hetze vor

Palästinenserpräsident Abbas hat Israel heftig dafür kritisiert, einen 13-jährigen Attentäter "kaltblütig hingerichtet" zu haben. Doch der Teenager lebt, wie die Israelis mitteilten. Nun verschärft sich der Tonfall im Konflikt.

13-jähriger Manasra im Krankenhaus in Jerusalem: Der junge Attentäter lebt
REUTERS/Israeli Government Press Office

13-jähriger Manasra im Krankenhaus in Jerusalem: Der junge Attentäter lebt


Im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern sorgt der Fall eines 13-jährigen Teenagers für neuen Ärger. Beide Seiten werfen sich vor, zu lügen, zu hetzen und die Gewalt neu anzufachen. Was ist passiert?

Der 13-jährige Palästinenser Ahmed Manasra hat am Montag gemeinsam mit seinem 15 Jahre alten Cousin zwei Israelis mit einem Messer attackiert. Wenig später kursierte ein Amateurvideo im Internet: Darauf war allerdings nicht die Messerattacke der Teenager zu sehen, sondern lediglich Manasra, wie er am Boden liegt - mit Blut an seinem Kopf, umringt von Israelis, die ihn wüst beschimpfen. Er war nach der Attacke von einem Auto angefahren worden.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas kritisierte in einer TV-Ansprache die vermeintliche "kaltblütige Hinrichtung". Israel würde extrem gewalttätig vorgehen und "unsere Kinder kaltblütig hinrichten".

Tatsächlich ist Manasra jedoch am Leben: Israel veröffentlichte Fotos und ein Video von dem Jugendlichen, darauf ist er in einem Krankenhaus in Jerusalem zu sehen, sein rechter Arm ist mit Handschellen am Bett befestigt. "Der 'getötete palästinensische Märtyrer' vor ein paar Minuten im Hadassah-Krankenhaus", schrieb das Außenministerium zu einem der Bilder.

Falsche Informationen

Israel hat Abbas bereits in der Vergangenheit dafür kritisiert, mit hetzerischen Aussagen den Konflikt anzustacheln. "Jetzt haben wir eine neue große Lüge", sagte nun Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. "Die neue große Lüge ist, dass Israel Palästinenser hinrichtet." Dennoch sei er bereit, Abbas zu treffen, um über den Konflikt zu sprechen.

Abbas hat auf das Angebot noch nicht reagiert. Sein Berater sagte, man habe falsche Informationen über den Tod des Jungen bekommen. "Wir dachten zunächst, er sei getötet worden. Dann bekamen wir die Information, dass er klinisch tot sei", sagte Saeb Erekat.

Eine Richtigstellung gab es seither nicht, stattdessen neue Kritik an den israelischen Sicherheitskräften. "Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, diese Menschen zu verhaften, aber sie haben sich dafür entschieden, zu schießen - und das ist es, was sie in zahlreichen Fällen tun", sagte Erekat. Der Cousin des 13-Jährigen wurde bei dem Zwischenfall tatsächlich erschossen.

"Wir sind alle menschliche Wesen"

Seit Anfang Oktober ist der alte Konflikt in Nahost wieder entfacht. Dabei sind es vor allem junge Palästinenser, die Juden mit Messern angreifen; israelische Soldaten wiederum feuern auf Jugendliche. Beide Seiten setzen verstärkt auf soziale Medien (mehr zu den Hintergründen der neuen Gewaltwelle in Israel lesen Sie hier).

Eines der Opfer der jüngsten Attacken ist Uri Rezken: Der Israeli wurde in der Stadt Haifa von hinten mit einem Messer attackiert - offenbar weil er für einen Araber gehalten wurde. Rezken überlebte, im Krankenhaus sprach er nun über den Angriff. Der Täter habe ihm mehrfach gesagt, er habe den Tod verdient, zitiert der "Guardian" Rezken. "Mir fehlen die Worte, um diese Gewalttat zu beschreiben."

Dabei sei es gleich, ob ihn ein Araber, ein Jude, ein religiöser oder ein nichtgläubiger Mensch attackiert habe, sagte Rezken. "Wir sind alle menschliche Wesen, wir sind alle gleich."

Sein Angreifer floh nach der Tat, Sicherheitskräfte konnten ihn jedoch stoppen. Es handelt sich dem Bericht zufolge um einen 36-jährigen Mann. Weitere Einzelheiten wurden nach Anweisung eines Gerichts in Haifa nicht bekannt.

aar/AP



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.