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Krieg in Nahost: Israel zieht einzelne Truppen aus Gaza ab

Gaza-Streifen: Suche nach vermisstem israelischen Soldat Fotos
DPA

Den gesamten Samstag suchten israelische Soldaten im Gaza-Streifen nach ihrem vermissten Kameraden, nun werden offenbar mehrere Truppenverbände abgezogen. Die Regierung erklärt, 47 Prozent der getöteten Palästinenser seien "Terroristen".

Tel Aviv/Jerusalem - Die israelische Armee hat Medienberichten zufolge damit begonnen, Einheiten aus bewohnten Gebieten im Gaza-Streifen abzuziehen. Es werde erwartet, dass weitere Truppen abrücken, berichteten israelische Fernsehsender am Samstagabend. Unklar sei, wie viele Soldaten in dem palästinensischen Gebiet am Mittelmeer verbleiben.

Zuvor hatte ein Armeesprecher erklärt, die Zerstörung der Angriffstunnel der Hamas sei weitgehend abgeschlossen. Dies war eines der erklärten Kriegsziele der Regierung in Jerusalem. Weitere Ziele sind die Schwächung der Hamas und die Zerstörung der Waffenvorräte der Extremisten.

Ein Armeesprecher wollte die Berichte über den teilweisen Truppenabzug auf Anfrage nicht kommentieren. Der Umfang des Truppenrückzugs war zunächst unklar. Den gesamten Samstag über hatten israelische Truppen nach dem vermissten Leutnant gesucht, der am Freitag mutmaßlich entführt worden war. Bisher fehlt von dem Mann jedoch jede Spur.

Premierminister Benjamin Netanjahu stellte am Samstagabend klar, dass der Einsatz im Gaza-Streifen weitergehen werden. "Wir sind dabei, die Zerstörung der Hamas-Tunnel zu vollenden. Die Armee wird so lange im Einsatz sein, bis sie ihre Arbeit getan hat."

"47 Prozent sind Terroristen"

Die von den Palästinensern verbreitete Zahl ziviler Opfer im Gaza-Konflikt hat Israel als stark übertrieben zurückgewiesen. Vize-Außenminister Tsachi Hanegbi sagte, die Zahlen der Armee zeigten, dass rund die Hälfte der auf palästinensischer Seite Getöteten "Terroristen" seien. "Die Nachforschungen der Armee sind sehr professionell und zuverlässig - mit Namen und Fotos - und kommen zu dem Schluss, dass mindestens 47 Prozent der Getöteten Terroristen sind", sagte Hanegbi. Diese Daten würden auch internationalen Ermittlern übergeben, kündigte der Vize-Minister an.

Nach palästinensischer Darstellung sind mindestens 80 Prozent der bislang über 1600 Opfer auf palästinensischer Seite Zivilisten, darunter Hunderte Kinder. Auf israelischer Seite kamen bisher 63 Soldaten und drei Zivilisten um.

Die israelische Regierung beteuert immer wieder, alles zu unternehmen, um zivile Opfer bei den Angriffen auf Gaza zu vermeiden. Zuletzt hatte aber auch die US-Regierung ungewöhnlich deutliche Kritik am engen Verbündeten geübt und erklärt, es müsse mehr unternommen werden, um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

Anti-Kriegs-Demonstration in Frankreich

Kritik äußerte sich am Samstag erneut auch in Frankreich. Dort haben Tausende Demonstranten gegen die israelische Militäroffensive im Gaza-Streifen und die "schändliche" Haltung der französischen Regierung in dem Konflikt protestiert. In Paris, Lyon, Marseille, Lille und anderen Städten skandierten sie "Israel Mörder", hielten Banner mit der Aufschrift "Wir sind alle Palästinenser" hoch und schimpften Frankreichs Präsidenten François Hollande einen "Komplizen" Israels. Gewalttätige Ausschreitungen wurden zunächst nicht gemeldet.

"Wir sind hier, um dem palästinensischen Widerstand unsere volle Unterstützung zu erklären und diese Regierung der Schande anzuprangern, die der Position Israels folgt", sagte Omar Alsoumi von der Palästinensischen Jugendbewegung, die in Paris mitmarschierte. Auch Anhänger linker, kommunistischer und antikapitalistischer Bewegungen beteiligten sich an der dortigen Demonstration.

Bereits am 23. Juli waren nach Polizeiangaben 15.000 Demonstranten friedlich durch die französische Hauptstadt gezogen, um für einen Waffenstillstand zwischen Israel und den Palästinensern einzutreten. An der Kundgebung beteiligten sich rund 50 Verbände, Parteien und Gewerkschaften. Drei Tage später kamen Tausende Menschen zu einer im Vorfeld verbotenen propalästinensischen Demonstration auf der Place de la République, die in Zusammenstöße mit der Polizei mündete.

wal/Reuters/dpa/AFP

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