Israel Zivilisten sollen einfacher an Waffen kommen

Israels Regierung lockert das Waffengesetz. Hunderttausende Zivilisten könnten bald Waffenscheine beantragen. Das Ziel: Eine angeblich bessere Abwehr palästinensischer Attentäter.

Israelischer Siedler im Westjordanland
REUTERS

Israelischer Siedler im Westjordanland


140.000 Israelis dürfen privat Waffen tragen. In Zukunft könnten es bis zu 600.000 Bürger sein. Der Grund: Die israelische Regierung hat die Waffengesetze für Zivilisten gelockert.

"Je mehr ausgebildete Zivilisten Waffen tragen, desto höher sind die Chancen, Anschläge zu vereiteln und die Opferzahlen zu verringern", sagte der Minister für öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan.

Nun dürfen alle Israelis, die bei der Armee eine umfassende Infanterieausbildung erhalten haben, einen Waffenschein beantragen. Berechtigt sind zudem ehrenamtliche Polizisten, Sanitäter und Ex-Militäroffiziere.

In Israel gab es in den vergangenen Jahren tödliche Angriffe einzelner Palästinenser mit Schusswaffen, Messern und Autos auf Israelis. Bisher war die Erteilung von Waffenscheinen vor allem an den Wohnort gekoppelt. Meist erhielten israelische Zivilisten, die im besetzten Westjordanland leben oder dort arbeiten, einen Waffenschein.

Israel will keine "Situation wie in den USA" schaffen

Eine weitere Änderung betrifft Bürger, die bereits eine Lizenz für private Schusswaffen besitzen. Diese müssen sich künftig keiner Nachprüfung mehr unterziehen, sondern könnten ihre Waffen wohl auch nach dem Ablauf von zehn Jahren weiter tragen, schrieb das Online-Portal "ynet".

Nicht geändert werden nach Angaben von Erdan die strengen Überprüfungen von Antragstellern für einen Waffenschein. Die Regierung habe nicht die Absicht, "eine Situation wie in den USA" zu schaffen, sagte er. Laut Sicherheitsministerium werde zunächst mit rund 35.000 neuen Antragstellern gerechnet.

Kritik an der Neuregelung kam von linksgerichteten Politikern, die vor einer Zunahme der Waffengewalt warnten. Die Anschlagsgefahr werde durch die neuen Bestimmungen nicht verringert, sagte Michal Rozin von der Meretz-Partei. Stattdessen werde der Gebrauch von Schusswaffen bei häuslicher Gewalt zunehmen und so das "Leben von Frauen und Kindern gefährden".

kmy/AFP

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