Vermögensverlust nach Holocaust: Zwei Israelis wollen die Schweiz verklagen

Zwei Israelis bereiten laut "Haaretz" eine Klage  gegen Schweizer Banken und die Regierung in Bern vor: Ihre Eltern sollen dort vor dem Zweiten Weltkrieg Geld und Wertgegenstände deponiert und nie zurückerhalten haben. Die Männern fordern nun mehr als 300 Millionen Dollar.

Berlin - In der kommenden Woche soll die Klage eingereicht werden: Zwei israelische Männer wollen juristisch gegen die Schweizer Regierung und zwei Schweizer Banken vorgehen. Der Vorwurf ist heikel: Die Schweizer weigern sich angeblich, Geld und Wertgegenstände zurückzugeben, die ihre Eltern vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs dort in Sicherheit gebracht haben.

Das berichtet die israelische Zeitung "Haaretz". Laut Anklageschrift wollen der 59-jährige M. Katz und ein weiterer 79-jähriger Israeli die Klage vor einem US-Gericht einreichen. Ein amerikanisches Gesetz ermöglicht es, fremde Staaten in Bezug auf Holocaust-Vergehen zu verklagen. Katz verlangt 185 Millionen Dollar, der andere Mann 130 Millionen.

"Wir haben versucht mit den Banken und der Schweizer Regierung zu verhandeln, aber sie haben uns angelogen und uns betrogen", sagt Katz laut Zeitungsbericht. "Wir verstehen jetzt, dass sie niemals vorhatten, das Eigentum der Holocaust-Opfer zurückzugeben." Katz wirft der Schweizer Großbank UBS und der Credit Suisse Bank vor, systematisch Dokumente über die Konten seiner Mutter versteckt zu haben, um ihm das Geld nicht zurückzahlen zu müssen.

Katz zufolge legte seine rumänische Mutter Paulina Grunfeld 1938 eine Million Dollar bei einer Niederlassung der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) in Zürich an. Aus der Fusion der SBG und des Schweizerischen Bankenvereins (SBV) ging im Jahr 1998 die UBS AG Zürich & Basel Chart zeigen hervor, nach eigenen Angaben die größte Privatbank und der viertgrößte institutionelle Vermögensverwalter der Welt.

Weitere 450.000 Dollar sollen bei der Credit Suisse Chart zeigen deponiert worden sein sowie laut Katz Gold, Diamantschmuck und Bilder von Picasso und Monet.

1948, nach Kriegsende, soll Grunfeld nach Zürich zurückgekommen sein und nach bei den Banken ihrem Geld und den Wertgegenständen gefragt haben. "Zu ihrer Überraschung warfen diese Gauner sie raus. Sie sagten, sie wissen nicht, wer sie sei und sie solle beweisen, dass das Geld ihr gehöre", sagt Katz. Grundfeld habe nach ihrer Immigration nach Israel im Jahr 1950 weiter versucht, ihren Besitz zurückzuerhalten, jedoch ohne Erfolg.

Laut Banken liegen keine Informationen zu diesen beiden Fällen vor

Kurz vor ihrem Tod 1984 soll Grunfeld ihrem Sohn ein 34-seitiges per Hand beschriebenes Büchlein übergeben haben. Darin: Die Kontonummern, die Geldbeträge sowie Daten und Orte der Einzahlungen. Daraufhin versuchte Katz 1990 zum ersten Mal, an das Geld zu kommen. Damals erhielten Opfer des Holocaust, die bei Schweizer Banken Konten hatten, von den Finanzinstituten insgesamt eine Milliarde Dollar in Folge eines großen Abkommens. Doch die Akte von Katz wurde abgelehnt. Er versuchte es noch einmal, scheiterte aber erneut. Die Begründung des Richters: Die Daten konnten nicht aufgespürt werden, da Schweizer Banken nach dem Zweiten Weltkrieg viele Konten vernichtet hatten.

Katz' Mitstreiter berichtet, seine Mutter hätte ihm kurz vor ihrem Tod durch ungarische Faschisten eine Nachricht um seinen Hals gehängt, worauf handgeschriebene Informationen über die Familienkonten bei der Schweizer Bank vermerkt gewesen seien. Doch auch er sei von den Bankangestellten in Zürich abgewiesen worden.

Die Banken teilten zu den Anschuldigungen gegenüber "Haaretz" mit, sie hätten in den neunziger Jahren im Rahmen des "Independent Committee of Eminent Persons" (ICEP) Untersuchungen durchgeführt, um Konten von Holocaust-Opfern zu identifizieren. Doch zu diesen beiden Fällen lägen keine Informationen vor.

lgr

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1.
boeseHelene 27.04.2012
Zitat von sysopZwei Israelis bereiten laut "Haaretz" eine Klage gegen Schweizer Banken und die Regierung in Bern vor: Ihre Eltern sollen dort vor dem Zweiten Weltkrieg Geld und Wertgegenstände deponiert und nie zurückerhalten haben. Die Männern fordern nun mehr als 300 Millionen Dollar. Vermögensverlust nach Holocaust: Zwei Israelis wollen die Schweiz verklagen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,830297,00.html)
ich habe in meiner Zeit bei einem Staatsarchiv ähnliche Akten bearbeitet, von daher kann ich mir das schon vorstellen, dass die Banken A das Geld nicht heraus geben wollen, das wäre nämlich ein Schuldeingeständnis das die Schweiz eben doch keine so reine Weste hat wie sie gerne immer betont und B dass man aus dem Grund, Akten zu Konten vernichtet hat. Wer wollte schon nach dem Krieg zu geben, vom Holocaust profitiert zu haben. Ansonsten hat man wahrscheinlich auch vielfach gedacht, dass der Kontoinhaber tot sei und man das Geld so einstreichen könne.
2.
pleuran 27.04.2012
das kommt mir sehr bekannt vor !! den Schweitzer Banken sollte man grunsätzlich mißtrauen !! sie friesieren gerne Bilanzen immer zu gunsten der Bank egal welche !! Denn als Deutscher haben sie in der Schweitz Schlechte karten Aber auch bei ganz legale trans aktionen und mit dem Bankgeheimnis erst Recht nicht !!
3.
ron_ben_david 28.04.2012
Zitat von sysopZwei Israelis bereiten laut "Haaretz" eine Klage gegen Schweizer Banken und die Regierung in Bern vor: Ihre Eltern sollen dort vor dem Zweiten Weltkrieg Geld und Wertgegenstände deponiert und nie zurückerhalten haben. Die Männern fordern nun mehr als 300 Millionen Dollar. Vermögensverlust nach Holocaust: Zwei Israelis wollen die Schweiz verklagen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,830297,00.html)
Hoffentlich kommen sie damit durch. Wer Holocaustüberlebende wie Dreck behandelt und ihnen nicht mal ihr vorher deponiertes Vermögen zurückgeben will, sollte jetzt wenigstens ordentlich bluten.
4.
Altesocke 28.04.2012
Zitat von boeseHeleneich habe in meiner Zeit bei einem Staatsarchiv ähnliche Akten bearbeitet, von daher kann ich mir das schon vorstellen, dass die Banken A das Geld nicht heraus geben wollen, das wäre nämlich ein Schuldeingeständnis das die Schweiz eben doch keine so reine Weste hat wie sie gerne immer betont und B dass man aus dem Grund, Akten zu Konten vernichtet hat. *Wer wollte schon nach dem Krieg zu geben, vom Holocaust profitiert zu haben. Ansonsten hat man wahrscheinlich auch vielfach gedacht, dass der Kontoinhaber tot sei und man das Geld so einstreichen könne.*
Das ist das Geschaeftsmodel, kann ja nun nicht einfach jeder dieses unterbrechen wollen! ---Zitat--- Wir verstehen jetzt, dass sie niemals vorhatten, das Eigentum der Holocaust-Opfer zurückzugeben." Katz wirft der Schweizer Großbank UBS und der Credit Suisse Bank vor, systematisch Dokumente über die Konten seiner Mutter versteckt zu haben, um ihm das Geld nicht zurückzahlen zu müssen. ---Zitatende--- Was meinen sie, was mit den Konten passiert (ist), deren Besitzer keine Gelegenheiten hatten, nach dem Krieg ihr Geld zu verlangen? Das die Banken nach Erben suchen/gesucht haben?
5.
ichbinsimmernoch 28.04.2012
Ich denke auch in den 30er jahren hat es entsprechende Belege bei der Einzahlung auf der Bank gegeben und es wurden entsprechende Personendaten angelegt. Ein hanggeschriebener Vermerk in einem Büchlein würde mir als Bank auch nicht ausreichen um nun Millionen auszuzahlen. Da könnte ja nun wirklich jeder ankommen. Irgendetwas muß man ja schon vorweisen können.
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Die Claims Conference
Die Jewish Claims Conference wurde 1951 von 23 jüdischen Organisationen in New York gegründet. Sie ist heute die wichtigste Organisation zur Entschädigung von Holocaust-Opfern. In Verhandlungen mit der deutschen Bundesregierung sorgt sie dafür, dass Juden in aller Welt für das Unrecht durch die Nazi-Verfolgung finanziell entschädigt werden. Insgesamt zahlte Deutschland nach Angaben der Claims Conference als Ergebnis der Verhandlungen bislang mehr als 60 Milliarden US-Dollar (43,5 Milliarden Euro) Entschädigungen. Dazu zählen Renten ebenso wie einmalige Zahlungen oder Kapital für Stiftungen. (Quelle: AFP)