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Israelische Attacke in Gaza: Uno prangert Tötung von 30 schutzsuchenden Zivilisten an

Schwere Vorwürfe der Uno gegen Israel: Die Armee soll in Gaza ein Gebäude bombardiert haben, in dem sie zuvor Palästinenser untergebracht hatte. Bei dem Angriff seien rund 30 Zivilisten getötet worden.

Jerusalem - Die israelische Armee hat bei einem Angriff vor wenigen Tagen nach Angaben der Uno 30 Zivilisten in Gaza getötet, die mit etlichen weiteren Palästinensern in einem Haus Schutz gesucht hatten. Das Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) beruft sich bei seinen Vorwürfen auf mehrere Zeugen, die den Vorfall vom 5. Januar beschrieben hätten.

Laut dem Uno-Bericht brachten israelische Soldaten am 4. Januar im Stadtteil Seitun rund 110 Palästinenser in ein Haus. Ihnen sei befohlen worden, das Gebäude nicht zu verlassen. "24 Stunden später bombardierten die israelischen Kräfte dieses Haus mehrmals", heißt es in dem Bericht weiter.

Bei dem Angriff seien rund 30 Zivilisten ums Leben gekommen. Die Überlebenden, die dazu in der Lage gewesen seien, hätten einen zwei Kilometer langen Fußmarsch auf sich genommen, um dann in Zivilfahrzeugen in ein Krankenhaus gebracht zu werden. Drei verletzte Kinder - das jüngste erst fünf Monate alt - seien in der Klinik gestorben.

Eine Reaktion des israelischen Militärs auf die Vorwürfe liegt bisher nicht vor.

Der Vorfall im Stadtteil Seitun hatte bereits am Donnerstag für Schlagzeilen gesorgt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hatte berichtet, dass Kinder in Seitun tagelang neben ihren toten Müttern ausharren müssten, weil die Helfer nicht zu ihnen vorgelassen wurden. In dem neuen Bericht wird geschildert, dass die Zeit zum Evakuieren der beschossenen Häuser selbst dann nicht reichte, als während der Waffenruhe endlich die Blockade aufgehoben wurde.

Ungeachtet einer Uno-Resolution mit der Aufforderung zu einem sofortigen Ende der Gewalt im Gaza-Streifen haben Israel und die islamistischen Hamas ihre Angriffe am Freitag fortgesetzt. Die israelische Luftwaffe bombardierte am Vormittag weitere Ziele, nachdem bei ähnlichen Angriffen in der Nacht zwölf Menschen getötet worden waren. Im Süden Israels schlugen nach Angaben der Armee sechs Raketen aus dem Gaza-Streifen ein. Das israelische Sicherheitskabinett hat inzwischen beschlossen, einer Uno-Resolution mit der Aufforderung nach einer Waffenruhe nicht nachzukommen, weil die Hamas ihrerseits die Gewalt auch nicht beende.

Angesichts eines erneuten Aufrufs der Hamas zu einem "Tag des Zorns" hat die israelische Polizei Tausende Beamte mobilisiert. Nach Angaben eines Polizeisprechers sollen sie am Freitag im Ostteil Jerusalems für Ruhe sorgen. Demnach dürfen nur Palästinenser, die einen israelischen Ausweis besitzen und älter als 50 Jahre alt sind, am Freitagsgebet auf dem Tempelberg teilnehmen. Für Frauen sei der Zugang frei. Das Westjordanland wurde um Mitternacht komplett abgeriegelt. Bereits vor einer Woche waren Tausende Palästinenser einem Aufruf der Hamas gefolgt und hatten am sogenannten "Tag des Zorns" gegen die israelische Offensive im Gaza-Streifen protestiert.

Nahost-Konflikt
Die Gebiete
Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
Geschichte

als/AFP/AP/dpa

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Gaza: Die Angriffe gehen trotz der Uno-Mahnung weiter

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