Israelische Blockade Gazastreifen dicht - Strom und Nahrung wird knapp

Als Reaktion auf den anhaltenden Raketenbeschuss durch militante Palästinenser hat Israel den Gazastreifen abgeriegelt - dem Autonomiegebiet droht nun ein Versorgungsengpass. Wegen eines Stromausfalls soll es in Krankenhäusern bereits erste Todesopfer gegeben haben.


Gaza - Die Importblockade durch Israel hat die Versorgung in dem von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Gebiet nahezu zum Erliegen gebracht. Bäckereien stellten den Betrieb ein, weil ihnen Energie und Mehl zum Backen fehlten. Die Menschen deckten sich in Geschäften so gut es ging mit Kerzen, Batterien und Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mehl und Öl ein, berichtete der Besitzer eines Lebensmittelgeschäfts, Samir Mussa.

Gaza-Bewohner: Wegen der Importblockade sind Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten
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Gaza-Bewohner: Wegen der Importblockade sind Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten

Die Hamas teilte mit, sie habe das einzige Kraftwerk in dem Autonomiegebiet wegen Brennstoffmangels abgeschaltet. Nach Angaben der Organisation starben als Folge des Blackouts in den ersten vier Stunden fünf Patienten in Krankenhäusern. Der im Westjordanland residierende palästinensische Präsident Mahmud Abbas appellierte an Israel, die Blockade aufzuheben. Das teilte Abbas' Sprecher Nabil Abu Rdeneh mit.

Die der Hamas nahestehenden Volkswiderstandskomitees drohten damit, die israelische Blockade der Grenze zu Ägypten mit Gewalt zu durchbrechen. Die an Mangel gewöhnte Bevölkerung verhielt sich zunächst ruhig, es waren keine Anzeichen von Panik zu erkennen.

Der oberste Hamas-Führer im Exil, Chalid Maschaal, rief die Regierungen der arabischen Staaten zur Unterstützung der unter einer Abriegelung des Gazastreifens leidenden Palästinenser auf. "Alle arabischen Führer, übt wahren Druck aus, um dieses zionistische Verbrechen zu stoppen", erklärte Maschaal im Fernsehsender Al-Dschasira aus seinem Exil in Damaskus. Er bitte nicht darum, einen militärischen Krieg gegen Israel zu führen, "steht einfach mit Stolz und Ehre an unserer Seite".

Bei zwei israelischen Luftangriffen am gestrigen Abend wurde in Gaza-Stadt nach Angaben von Sicherheitskreisen ein Mensch getötet. Es handele sich um einen Mann, der der militanten Gruppe Islamischer Dschihad nahegestanden habe. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, Ziel der Angriffe seien mit Raketen beladene Karren gewesen.

Wegen anhaltenden Raketenbeschuss durch militante Palästinenser hat Israel den Gazastreifen abgeriegelt. Das Uno-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) erklärte, die Grenzschließungen zum Gazastreifen hätten dramatische Auswirkungen auf Krankenhäuser, die Trinkwasserversorgung und die Entsorgung von Abwässern. Die Logik der Entscheidung der Regierung in Jerusalem "widersetzt sich grundlegenden humanitären Standards", sagte UNRWA-Sprecher Christopher Gunness.

Von Ibrahim Barzak, AP



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