Tote Teenager Israels Hardliner schwören Rache

Israel reagiert hart auf den Tod der entführten Teenager, Premier Netanjahu lässt Ziele im Gaza-Streifen bombardieren. Manchen geht das nicht weit genug - ein Minister verlangt die Hinrichtung von palästinensischen Gefangenen.

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Naftali Bennett: Der Wirtschaftsminister fordert unerbittliche Rache für die Ermordung der drei israelischen Jugendlichen
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Naftali Bennett: Der Wirtschaftsminister fordert unerbittliche Rache für die Ermordung der drei israelischen Jugendlichen


Tel Aviv/Berlin - Viele Israelis hatten noch auf ein Wunder gehofft, unter dem Slogan "Bringt unsere Jungs zurück" versammelten sie sich zu Solidaritätsdemos. Nun folgte die brutale Ernüchterung: Die drei israelischen Jugendlichen wurden sofort nach ihrer Entführung am 12. Juni getötet. Sie waren beim Trampen im Westjordanland verschwunden. Ihre Leichen fand man am Montag verscharrt unter Steinen auf einem Acker bei Hebron.

Tausende haben sich am Dienstag zur Beerdigung versammelt. Seite an Seite werden die drei Ermordeten auf dem Friedhof Modiin am Rande des Westjordanlands beigesetzt. Auch Premierminister Benjamin Netanjahu und andere Regierungsmitglieder waren gekommen.

Am Abend will der Premier sein Kabinett in Jerusalem erneut zur Sondersitzung zusammenrufen. Bisher konnte die Regierung sich nicht darüber einigen, wie sie reagieren will. Die Radikalsten in der Koalition machen Druck auf den Premier. Sie fordern Rache - härter und unerbittlicher noch, als Netanjahu sie schon übte.

"Jetzt ist Zeit fürs Handeln, nicht fürs Reden"

Prompt nach dem Fund der Leichen ließ er 34 Ziele im Gaza-Streifen bombardieren. Zuvor hatte er wochenlange Razzien im Westjordanland angeordnet. Vierhundert Palästinenser, meist Sympathisanten der radikalislamistischen Hamas, waren verhaftet und sechs Palästinenser erschossen worden - zuletzt ein Teenager in Dschenin.

Vor allem Wirtschaftsminister Naftali Bennett, Chef der nationalreligiösen Siedlerpartei Jüdisches Heim, der drittstärksten Kraft im Land, gehe dies alles noch nicht weit genug, berichtet die israelische Zeitung "Haaretz". Er wolle, dass nun Palästinenser hingerichtet werden, die wegen Mordes in Haft sitzen. Zudem befürworte er eine massive Offensive gegen die radikalislamistische Hamas bis hin zu einem erneuten Gaza-Krieg, schreibt die Haaretz. "Jetzt ist Zeit fürs Handeln, nicht fürs Reden", schrieb Bennett am Montag auf Facebook.

Bennet, der es als Unternehmer zum Multimillionär gebracht hat, ist der Star der Siedler. Das Westjordanland, von dem die Palästinenser hoffen, dass es einmal ihr Staat werden könnte, sei das biblische "jüdische Herzland, Judäa und Samaria", glaubt er. Niemals dürfe es "den Feinden, den Arabern überlassen" werden.

Die Hamas droht ihrerseits mit Rache

Der 42-Jährige liebäugelt schon länger damit, die Koalition der Regierung Netanjahu zum Platzen zu bringen. Aus Neuwahlen könnte er - gerade nach dem Mord an den Teenagern - als Sieger hervorgehen.

Die Scharfmacher auf der anderen Seite rasseln nun ebenfalls mit den Säbeln. "Wenn Netanjahu Krieg gegen den Gaza-Streifen führt, werden sich die Tore der Hölle öffnen", sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri am Montagabend. Vier Raketen aus dem Gaza-Streifen schlugen am Dienstagmorgen in Südisrael ein, verletzt wurde niemand.

Netanjahu macht die radikalislamistische Bewegung für den Beschuss verantwortlich, doch diese bestreitet die Vorwürfe. Als Tatverdächtigte hat die israelische Regierung zwei Palästinenser aus Hebron genannt, Marwan Kawasme und Amar Abu Aischa. Sie sind seit der Entführung der Teenager verschwunden. Dass sie Hamas-Mitglieder sind, ist nicht erwiesen, sie könnten auch auf eigene Faust gehandelt haben. Am Montag wurden ihre Häuser im Westjordanland von der israelischen Armee zerstört.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 182 Beiträge
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Seite 1
Georg_Alexander 01.07.2014
1. Ein totsicheres Mittel
jeglichem Frieden aus dem Weg zu gehen ist die Blutfehde zwischen den Israelis und den Palästinensern. Ich würde auswandern/flüchten aus dieser Weltgegend...
StörMeinung 01.07.2014
2.
Zitat von sysopAPIsrael reagiert hart auf den Tod der entführten Teenager, Premier Netanjahu lässt Ziele im Gaza-Streifen bombardieren. Manchen geht das nicht weit genug - ein Minister verlangt die Hinrichtung von palästinensischen Gefangenen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/israelische-hardliner-fordern-rache-fuer-die-entfuehrten-teenager-a-978575.html
Es macht ja wohl kaum viel Unterschied, ob Israels Hardliner einen Palästinenser aus Rache umbringen, oder weil er sich weigert sein Haus abreißen oder seinen Olivenhain umpflügen zu lassen, getötet wird immer ... und am Ende wird sich der Westen desinteressiert abwenden und eine neue Sanktion gegen Putin verabschieden.
thomas.b 01.07.2014
3.
Diese israelischen Hardliner sind Idioten. Sie sind kein Deut besser als die Mörder der Jungs. Zudem tun sie genau das, was Terroristen wollen: Sie reagieren mit Unbesonnenheit und ebnen so den Weg für noch mehr Terror.
pauschaltourist 01.07.2014
4.
Was haben die Häuser der beiden Verdächtigen denn angestellt, dass sie zerstört worden sind? Und wo leben nun die jetzt obdachlosen Angehörigen?
minsch 01.07.2014
5.
Wie lange noch sieht die Welt da zu, statt beiden Seiten endlich vor die Wahl zu stellen, Frieden zu machen oder von anderen Ländern nichts mehr zu erwarten zu haben, auch keine freundschaftlichen Wirtschaftsbeziehungen mehr. Dieser Konflikt ist aufgrund der Rechtsextremisten auf beiden Seiten langsam aber sicher auf dem Weg, als 2. Hundertjähriger Krieg in die Geschichte einzugehen. Und der Vergleich ist durchaus statthaft, denn auch der Hundertjährige Krieg war mehr ein Krieg, in dem es mal Waffenruhe und mal Waffengang gab, also nicht vergleichbar mit heutigen Kriegen, wo man 365 Tage im Jahr sich gegenseitig umbringt.
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