Israelisches Bombardement Mutter und sechs Kinder sterben bei Luftangriff

Israel geht weiter hart gegen die Hisbollah vor und nimmt dabei auch zivile Opfer im Libanon in Kauf: Bei erneuten Luftangriffen starb mehr als ein Dutzend Zivilisten. Unterdessen zog sich die Armee aus dem Hisbollah-Stützpunkt Bint Dschbeil zurück.


Beirut - Bei neuen israelischen Luftangriffen im Südlibanon sind am Samstag mehrere Zivilisten getötet worden. Wie die libanesische Polizei mitteilte, nahmen Kampfhubschrauber das Dorf Ain Arab an der Grenze zu Israel unter Beschuss und töteten dort sechs Zivilisten. Bei einem Angriff auf ein Haus in dem Dorf Nmeirija wurden libanesischen Sanitätern zufolge außerdem eine Frau und sechs Kinder getötet. Es handelte sich offenbar um eine Mutter mit fünf Kindern und ein Nachbarskind.

Insgesamt seien mehr als 70 Angriffe auf Ziele im Libanon geflogen worden, teilte die Armee am Mittag mit. Ein Armeesprecher sagte, dabei seien 37 Gebäude und Einrichtungen der radikal-islamischen Hisbollah attackiert und mehr als 20 Hisbollah-Kämpfer getötet worden.

Nach sieben Tagen harter Kämpfe hat sich die israelische Armee von dem Hisbollah-Stützpunkt Bint Dschbeil zurückgezogen. Der Abzug entspreche "dem ursprünglichen Plan, der keine Besatzung vorsah", sagte ein Militärsprecher am Samstag. Dort hatte die israelische Armee die bisher höchsten Verluste erlitten. Israelische Regierungspolitiker hatten danach gefordert, die Luftwaffe solle Hisbollah-Dörfer zunächst sturmreif schießen, bevor Bodentruppen zum Einsatz kommen.

Die Truppen behielten aber die Kontrolle über die Außenränder des Ortes und könnten später wieder an den Ort an der Grenze zu Israel zurückkehren, sagte der Militärvertreter. Nach Angaben aus Armeekreisen wurden zuvor bei den Gefechten rund 50 Mitglieder einer Elitekampfeinheit der Hisbollah getötet. Auch acht israelische Soldaten kamen ums Leben. Laut der libanesischen Polizei zogen sich die israelischen Truppen am Samstag in das Dorf Marun el Ras zurück, von wo aus der Kampf um Bint Dschbeil begonnen hatte.

Vorerst keine Waffenruhe

Die Forderung des UNO-Nothilfekoordinators Jan Egeland nach einer dreitägigen "humanitären Waffenpause" im Libanon-Konflikt wies Israel unterdessen zurück. Für die Versorgung der Zivilisten seien bereits Korridore eingerichtet worden, sagte der israelische Regierungssprecher Gideon Meir am Samstag. "Humanitäre Hilfe erreicht die Menschen bereits über die Vereinten Nationen", erklärte er. Die Hisbollah-Miliz werde aber eine Kampfpause nutzen, um ihre Vorräte an Waffen und Munition zu erneuern.

Die humanitäre Kampfpause sei dringend notwendig, um Verwundete, Kinder und alte Menschen aus den umkämpften Gebieten zu holen, hatte Egeland am Freitag vor dem Weltsicherheitsrat in New York erklärt. Darüber hinaus müssten Krankenhäuser mit neuen Medikamenten und anderen Vorräten ausgestattet werden. Bislang seien schätzungsweise mehr als 600 Menschen im Libanon ums Leben gekommen, rund ein Drittel von ihnen Kinder.

Israel setzt nach Angaben der Hisbollah-Miliz bei seinen Angriffen im Libanon zunehmend mit Raketen bestückte Drohnen ein. "Sie machen nicht nur Luftaufnahmen, sondern schießen Präzisionsmunition auf die Ziele ab, die sie verfolgen", erklärte ein Hisbollah-Sprecher in Beirut. Ein Funktionär der Organisation sei am selben Morgen einem derartigen Angriff in der südlichen Beiruter Vorstadt Sfeir knapp entgangen, als eine Drohne seinen Geländewagen beschoss, fügte er hinzu. Am Freitag war eine israelische Drohne über einem Gebirge östlich von Beirut abgestürzt.

cpa/dpa/AFP/reuters

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