Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Von Kidnappern erschossen: Leichen der vermissten israelischen Teenager gefunden

Die seit mehr als zwei Wochen im Westjordanland vermissten israelischen Jugendlichen sind tot. Ihre Leichen wurden nahe Hebron unter einem Steinhaufen gefunden. Israels Regierung macht die Hamas für die Entführung verantwortlich.

Tel Aviv - Sie wurden seit 18 Tagen im Westjordanland vermisst, nun gibt es Gewissheit über das Schicksal dreier israelischer Jugendlicher. Ihre Leichen seien auf einem Feld nahe Hebron unter einem Steinhaufen gefunden worden, berichtete das israelische Fernsehen am Montag. Israel beschuldigt die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas, hinter ihrer Entführung zu stehen.

Die Jugendlichen seien offenbar schon kurz nach der Entführung erschossen worden, hieß es. Die Leichen von Gilad, Eyal und Naftali seien nahe der Ortschaft Halhul unweit der Stelle gefunden worden, wo die Jungen am 12. Juni zuletzt gesehen wurden, berichtete der israelische Rundfunk. Schüler einer nahe gelegenen Schule hätten sich an der breit angelegten Suchaktion beteiligt und seien auf den Steinhaufen unter einem Gebüsch aufmerksam geworden.

Die Suche nach den mutmaßlichen Entführern dauere noch an. Der israelische Geheimdienst hatte als Tatverdächtige zwei Hamas-Mitglieder beschuldigt, die auf der Flucht seien. Das Militär bestätigte den Fund der drei Leichen inzwischen und kündigte eine forensische Untersuchung zur Bestätigung der Identität der drei Vermissten an.

Fotostrecke

17  Bilder
Leichenfunde in Israel: Trauer um Gilad, Eyal und Naftali
Truppenbewegungen und Schusswechsel

Bereits in den vergangenen Stunden hatte sich eine Entwicklung in dem Fall angedeutet. Israelische Medien berichteten, bei der Suche nach den drei Talmudschülern im Alter zwischen 16 und 19 Jahren habe es nördlich der Stadt Hebron starke Truppenbewegungen gegeben. Laut israelischem Rundfunk gab es Schusswechsel, zudem soll es in der Gegend um die Kleinstadt Chalchul zu gewaltsamen Konfrontationen zwischen der Armee und Palästinensern gekommen sein. Die Stadt Hebron wurde abgeriegelt - dort vermuteten die israelischen Sicherheitskräfte die Jugendlichen und ihre Kidnapper.

Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett hat eine harte Reaktion angekündigt. "Es gibt keine Gnade für Kindermörder", sagte der Vorsitzende der Siedlerpartei laut der Nachrichtenseite "ynet". "Unsere Herzen sind jetzt mit den Familien", sagte er. "Dies ist eine Zeit für Taten, nicht für Worte."

Das israelische Sicherheitskabinett wollte sich noch am Abend zu einer Sondersitzung versammeln. Die erwartete Abstimmung im Parlament über ein umstrittenes Gesetz zur Zwangsernährung hungerstreikender Palästinenser wurde angesichts der Entwicklungen verschoben.

Netanjahu droht der Hamas

Seit dem Verschwinden der Jugendlichen auf dem Heimweg am 12. Juni hat die israelische Armee bei Razzien nach eigenen Angaben etwa 420 Palästinenser festgenommen, die meisten davon Hamas-Mitglieder. Auch im Gazastreifen eskaliert die Gewalt. Israel und militante Palästinenser liefern sich einen heftigen Schlagabtausch: Militante Palästinenser feuerten am Montag knapp 20 Kleinraketen auf Israel ab. Ein Polizeisprecher sprach von einer "Rekordzahl" binnen zwölf Stunden seit dem letzten großen Schlagabtausch zwischen Israel und der Hamas im November 2012.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte: "Wenn die Ruhe, die nach der Operation 'Säule der Verteidigung' herrschte, durch Raketenangriffe gestört wird, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Hamas stoppt sie oder wir werden sie stoppen." Netanjahu hatte schon am Sonntag mit einer Ausweitung der Einsätze im Gazastreifen gedroht.

ler/mxw/dpa/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Oh Mann
Topf Gun 30.06.2014
Zitat von sysopREUTERSDie seit mehr als zwei Wochen im Westjordanland vermissten israelischen Jugendlichen sind Medienberichten zufolge tot. Ihre Leichen seien nahe Hebron gefunden worden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/israelisches-tv-leichen-von-vermissten-teenagern-gefunden-a-978416.html
jetzt dreht sich die Gewaltspirale wieder weiter. In jener Gegend gibt es in hundert Jahren noch keine Ruhe.
2. Den Eltern und Familien
Minette 30.06.2014
der 3 Jungen mein tiefes Beileid. Wie schrecklich und unfassbar und sinnlos ist das. Ich hoffe nur, daß die "echten" !!!! Mörder gefunden werden und Netanjahu im Unrecht war.
3. Mein Beileid
Apologet 30.06.2014
Zitat von sysopREUTERSDie seit mehr als zwei Wochen im Westjordanland vermissten israelischen Jugendlichen sind Medienberichten zufolge tot. Ihre Leichen seien nahe Hebron gefunden worden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/israelisches-tv-leichen-von-vermissten-teenagern-gefunden-a-978416.html
Unsere Gebete sind mit den trauernden Hinterbliebenen.
4. Warum nur?
berlin1234 30.06.2014
Die armen Eltern. Mein Beileid!
5. Das wird nie was.
thunderstorm305 30.06.2014
Mein Beileid gilt den Eltern, Angehörigen und Freunden der drei jungen Menschen, die Opfer einer perfiden Tat geworden sind. Ich habe den Eindruck dass sich hier sowohl fundamentalistische palästinensische Gruppen, als auch die israelische Regierung den Ball zuwerfen, um die Region zu destabilisieren und jegliche Verhandlungen im Keim zu ersticken. Auf der einen Seite die radikalen Palästinenser, die den Staat Israel vernichten möchten, auf der anderen Seite die israelische Regierung, die am liebsten die ganze Westbank annektieren und die restlichen Palästinenser vertreiben möchte. Wenn man ehrlich ist, muss man feststellen, dass es nie einen gemeinsamen Frieden geben wird. Hier zählt nur das Recht des Stärkeren.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Geschichte Israels

DER SPIEGEL
Interaktiv: Das Heilige Land im Wandel


Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
DPA
Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
DPA
Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
DPA
Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
DPA
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.

Fotostrecke
Israels Regierungschefs: Wechselspiel der Macht

SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: