Reaktionen auf ESC-Sieg Israels Verteidigungsminister stichelt gegen Iran und Syrien

Der ESC-Sieg von Netta Barzilais wird in Israel natürlich groß gefeiert. Einige Politiker instrumentalisieren ihn auch für politische Botschaften.

ESC-Fans feiern Netta Barzilai auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv
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ESC-Fans feiern Netta Barzilai auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv


Beim Eurovision Song Contest geht es immer auch um Nationalismus. Während in der Vergangenheit beispielsweise Musiker aus den Balkanstaaten in ihren Auftritten teils politische Botschaften versteckten, hat der israelische Verteidigungsminister den Sieg seines Landes beim ESC in Lissabon 2018 nun im Nahostkonflikt instrumentalisiert.

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad solle "lernen, was heute passiert" und dem iranischen Ajatollah Ali Chamenei sagen, dass er "nicht sein Spielzeug" sei, schrieb Avigdor Lieberman nach dem Sieg der israelischen Sängerin Netta Barzilais. Iran habe "nichts in Syrien zu suchen".

Liebermans Wortwahl "Spielzeug" erinnert an den Liedtext des Gewinnerbeitrags der 25-jährigen Sängerin. In ihrem Song "Toy" heißt es unter anderem: "I'm not your toy, you stupid boy" ("Ich bin nicht Dein Spielzeug, Du dummer Junge"). Dabei wird das Lied eigentlich für seine feministische Botschaft und als Fortführung der #MeToo-Debatte interpretiert.

"Nächstes Jahr in Jerusalem!"

Die Spannungen zwischen Israel und Iran hatten sich zuletzt gefährlich zugespitzt. Nach einem Teheran zugeschriebenen Raketenangriff auf israelische Militärposten auf den Golanhöhen beschoss Israels Luftwaffe iranische Ziele in Syrien. Dabei wurden nach Angaben syrischer Menschenrechtler 27 regierungstreue Kämpfer getötet, darunter elf Iraner.

Benjamin Netanyahu lobte die Sängerin am Telefon mit den Worten: "Netta, du bist wunderbar!" Netta antwortete ihm - und nannte ihn beim Spitznamen: "Danke, Bibi, danke!" Auf Twitter schrieb Netanyahu zudem: "Du hast dem Staat Israel viel Ehre eingebracht! Nächstes Jahr in Jerusalem!" Der ESC wird 2019 wie bereits 1999 also voraussichtlich in Jerusalem stattfinden.

Der letzte Teil von Netanyahus Statement entspricht aber auch dem traditionellen jüdischen Wunsch zum Ende des Sederabends am Pessach-Fest. Mit ihm feiern die Juden den Auszug aus Ägypten und die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei.

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Netta Barzilai: "Ich bin nicht dein Spielzeug"

Der Satz hat derzeit zudem potenziell eine politische Brisanz. So ist der völkerrechtliche Status Jerusalems als Hauptstadt Israels umstritten. Die Anerkennung durch US-Präsident Donald Trump im Dezember und die für Montag geplante Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem hatte die Fronten im Nahostkonflikt verhärtet, denn die Palästinenser reklamieren Teile Jerusalems als Hauptstadt eines eigenen Staates für sich. Dennoch wollen andere Länder wie Guatemala und Paraguay dem Beispiel der USA folgen.

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat sagte, Nettas Sieg bedeute, dass die internationale Boykottbewegung gegen Israel "total gescheitert" sei. Auch Israels Kulturministerin gratulierte Netta: "Du hast es geschafft und uns alle gerührt", schrieb Miri Regev auf Facebook. "Du hast unserem Land, das seinen 70. Geburtstag feiert und Jerusalem, das 51 Jahre seit ihrer Befreiung und Vereinigung feiert, ein großes Geschenk gemacht." Im kommenden Jahr wolle man "das schöne Gesicht des Staates Israel zeigen".

Kobi Oschrat, der den Song "Halleluja", komponiert hat, mit dem Israel 1979 bei der Eurovision siegte, bescheinigte Netta ein außergewöhnliches musikalisches Talent. "Sie besitzt eine musikalische Intelligenz in einem Ausmaß, wie man sie lange nicht gesehen hat, weltweit", sagte Oschrat im israelischen Fernsehen.

In der Küstenmetropole Tel Aviv feierten die Menschen Nettas Sieg ausgelassen. Auf dem zentralen Rabin-Platz tanzten viele, schwenkten israelische Flaggen und sprangen in ein Wasserbecken. Auf den Straßen fuhren die ganze Nacht lang laut hupende Autos, aus denen der Song "Toy" dröhnte.

Es ist bereits Israels vierter Sieg beim Eurovision Song Contest. Vor genau 20 Jahren gewann Dana International als erste Transsexuelle den Wettbewerb. Sie wurde zur Galionsfigur der israelischen Schwulen- und Lesbenszene und ebnete den Weg für weitere unkonventionelle Kandidaten.

apr/dpa



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