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General und Politiker: Israels Ex-Premier Scharon ist tot

REUTERS

Mehr als acht Jahre lag er im Koma, nun ist Ariel Scharon in einem Krankenhaus in Tel Aviv gestorben. Der israelische General und Ex-Regierungschef wurde 85 Jahre alt. Er war eine der umstrittensten Figuren in der Geschichte des jüdischen Staates.

Jerusalem - Israels Ex-Premierminister Ariel Scharon ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 85 Jahren in Tel Aviv. Er sei friedlich im Kreise seiner Familie verstorben, teilte das Krankenhaus Tel Haschomer mit.

Der frühere Armeegeneral und Politiker war am 4. Januar 2006 nach einem schweren Schlaganfall ins Koma gefallen und hatte seitdem nie wieder volles Bewusstsein erlangt. In den Jahren seines Siechtums hatten seine Söhne Omri und Gilad ihn ständig besucht. Zuletzt hatten Ärzte bei ihm multiples Organversagen diagnostiziert.

"Mein lieber Freund, Ariel Scharon, hat heute seinen letzten Kampf verloren", erklärte Präsident Schimon Peres. "Ariel war ein tapferer Soldat und kühner Führer, der seine Nation liebte und seine Nation liebte ihn."

Hamas jubelt über Scharons Tod

Die palästinensische Hamas äußerte große Freude über Scharons Tod: "Mit dem Ableben dieses Tyrannen sind wir noch siegessicherer geworden", sagte Sprecher Sami Abu Surhi. "Unser Volk ist voller Freude über den Tod dieses Kriminellen, dessen Hände mit dem Blut unseres Volkes und unserer Anführer besudelt waren", so der Hamas-Vertreter im Gaza-Streifen weiter.

"Ariel Scharon war buchstäblich von Beginn an ein unermüdlicher Verteidiger seines geliebten Heimatlandes Israel, erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. "Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme ist mit seiner Familie und seinen Angehörigen."

Scharon wurde 1928 in der Nähe von Tel Aviv als Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa geboren. Bereits als Jugendlicher schloss er sich der Untergrundorganisation Haganah an, die gegen die britische Mandatsmacht und arabische Milizen kämpfte.

In den israelisch-arabischen Kriegen 1948, 1956, 1967 und 1973 erwarb er sich Meriten als entschlossener und draufgängerischer Kommandeur, der große Risiken einging und damit Erfolge einfuhr. Vereinzelte Kritiken, die ihm vorwarfen, das Leben seiner Männer leichtfertig aufs Spiel zu setzen und Kriegsverbrechen gegen arabische Zivilisten und Soldaten zu begehen, konnten seinem Ruf nichts anhaben.

Das änderte sich erst 1982: Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbündete christliche Milizen 1982 ein Massaker an Hunderten Palästinensern in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila begangen. Eine israelische Kommission attestierte dem damaligen Verteidigungsminister Scharon indirekt eine Mitschuld. Der Ex-General musste 1983 sein Amt räumen.

Entschiedener Unterstützer der israelischen Siedler

Den Bau israelischer Siedlungen in den 1967 besetzten arabischen Gebieten unterstützte Scharon anfangs massiv. "Jetzt muss sich jeder in Bewegung setzen, rennen und sich so viele Hügel wie möglich schnappen, um die Siedlungen auszubauen", hatte Scharon noch im November 1998 bei einem Treffen mit Siedlern geraten.

Scharon hat damit entscheidend zum Ausbau der Siedlungen beigetragen, die bis heute als eines der Haupthindernisse auf dem Weg zu einer Friedensregelung in Nahost gelten. Andererseits ließ er 1982 nach dem Friedensvertrag mit Ägypten jüdische Siedlungen auf der Sinai-Halbinsel evakuieren.

Scharon war von 2001 an fünf Jahre lang Regierungschef. Zuvor hatte er als Oppositionsführer im September 2000 mit einem von Muslimen als Provokation empfundenen Besuch auf dem Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem Unruhen ausgelöst, die in einen bewaffneten Aufstand, der so genannten Zweiten Intifada, mündeten.

Während seiner knapp fünfjährigen Amtszeit vollzog er einen drastischen Kurswechsel. Er setzte im Sommer 2005 den Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen gegen massiven Widerstand im eigenen Land durch. Dieser Schritt führte zum Bruch mit langjährigen politischen Weggefährte und zur Gründung der Kadima-Partei im November 2005.

Wenige Wochen später wurde Scharons politische Karriere jäh beendet. Im Dezember 2005 erlitt er einen Schlaganfall, Anfang Januar 2006 erlitt er plötzliche Hirnblutungen. Er fiel ins Koma, aus dem er nie wieder erwachen sollte.

syd/dpa

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