Tel Aviv Israels früherer Premier Jizchak Schamir ist tot

Untergrundkämpfer, Mossad-Spion, Außenminister, Premier: Jizchak Schamir war eine der schillerndsten Figuren der israelischen Geschichte. Nun ist er im Alter von 96 Jahren gestorben.

Schamir bei der Nahost-Konferenz 1991 in Madrid: Streitbarer Kämpfer
AFP

Schamir bei der Nahost-Konferenz 1991 in Madrid: Streitbarer Kämpfer


Jerusalem/Tel Aviv - Er war ein unbeugsamer Patriot, seine politische Karriere führte ihn bis ins höchste Regierungsamt: Der frühere israelische Ministerpräsident Jizchak Schamir ist tot. Er starb nach längerer Krankheit im Alter von 96 Jahren in Tel Aviv. Regierungschef Benjamin Netanjahu würdigte ihn am Samstag als einen der Gründerväter Israels: "Er war ein Vorbild an Loyalität gegenüber dem Land Israel und den ewigen Werten des jüdischen Volkes", heißt es in Netanjahus Erklärung. Am Montag soll Schamir auf dem Friedhof des Herzlbergs in Jerusalem an der Seite seiner im vergangenen Jahr gestorbenen Ehefrau Schulamit beigesetzt werden.

Schamir war zweimal israelischer Regierungschef von 1983 bis 1984 und erneut von 1986 bis 1992. Außerdem hatte er auch andere Regierungsposten wie das Außenministerium inne. Der 1915 im heutigen Weißrussland geborene Schamir kam 1935 ins damalige Palästina. Im Jahr 1992 zog er sich aus der Politik zurück und legte den Vorsitz der konservativen Likud-Partei nieder.

Schamir wurde am 15. Oktober 1915 (Datum umstritten) in der ostpolnischen Kleinstadt Ruzinoy geboren, als 20-Jähriger wanderte er nach Palästina aus.

Vom Partisanen zum ultra-rechten Staatschef

Seine politische Karriere begann er als nationalistisch-extremistischer Partisan und Verfechter von Terrorakten: Im Jahr 1937 schloss er sich der Untergrundgruppe "Irgun" an, die gegen Briten und Araber kämpfte. Drei Jahre später ging er zur noch radikaleren "Stern-Gruppe".

Nach der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 arbeitete Schamir, der im Holocaust fast seine ganze Familie verloren hatte, zunächst für den Geheimdienst Mossad, in dessen Auftrag er auch mehrere Jahre in Frankreich lebte. 1974 zog er zum ersten Mal in die Knesset ein und wurde 1980 Außenminister. 1984 führte er den Likud in die "Regierung der Nationalen Einheit" mit der Arbeitspartei, deren Führung er 1986 im Rotationsverfahren übernahm.

Eine große Koalition mit der Arbeitspartei, die er 1988 einging, zerbrach nach 15 Monaten. Mit Schamir an der Spitze bildete der Likud dann im Juni 1990 eine rechts-religiöse Regierungskoalition. 1991 nahm er widerwillig an der Madrider Nahost-Friedenskonferenz teil, gab jedoch später zu, dass er die Verhandlungen endlos verzögern und damit sabotieren wollte.

Zeit seines Lebens blieb Schamir Gegner des Friedensprozesses mit den Palästinensern, den er erbittert bekämpfte. Nach der Wahlniederlage gegen Izchak Rabin 1992 blieb er bis 1996 noch Knesset-Abgeordneter. Die Politik des 1996 gewählten Hardliners Benjamin Netanjahu sah Schamir als "zu nachgiebig" an und verweigerte ihm daher bei der Wahl im Mai 1999 seine Stimme.

Ungeachtet seiner ideologischen Strenge war Schamir den Freuden des Lebens nicht abgeneigt: Er liebe Steaks und Rotwein, sagte er einmal über sich selbst. Mit seiner Ehefrau Schulamit hatte er zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Seinen Lebensabend verbrachte der greise Mann, der nur noch mühsam am Stock gehen konnte, in einem Pflegeheim.

bos/dpa/AFP



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