Jerusalem - Im Streit um das Einreiseverbot für Günter Grass nach Israel hat Innenminister Eli Jischai nachgelegt: Er hätte den Schriftsteller bereits unmittelbar nach seinem Amtsantritt vor drei Jahren zur Persona non grata erklären sollen, sagte der Politiker am Mittwochabend: "Aber besser spät als nie."
Zugleich bot der 49-Jährige dem Literaturnobelpreisträger ein Treffen an einem neutralen Ort an. Wörtlich erklärte er: "Wenn Grass seinen Stift niederlegt und aufhört, antisemitische Gedichte zu schreiben, erkläre ich ihm in einem neutralen Staat gerne, warum ein Deutscher, der freiwillig in der SS unter Heinrich Himmler diente, nicht das Recht hat, das Land derer zu besuchen, die er einst vernichten wollte."
Zugleich kritisierte Jischai Grass für seinen Vergleich Israels mit der Stasi: "Zweifellos weiß Grass als ehemaliger Vertreter eines tyrannischen Regimes, wie man ein solches erkennt. Aber diesmal liegt er falsch", sagte der Innenminister.
Der Schriftsteller hatte zuvor erklärt, die israelische Zwangsmaßnahme erinnere ihn an das Vorgehen der DDR-Staatssicherheit. Jischais Tonfall erinnere ihn an "das Verdikt des Minister Mielke", schrieb Grass in einem Text für die "Süddeutsche Zeitung". Erich Mielke war der Chef des Ministeriums für Staatssicherheit, kurz Stasi.
Schützenhilfe erhielt Grass an diesem Donnerstag von Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE kritisierte der Politiker, dass Grass "wie ein Aussätziger" behandelt werde.
Israels Innenminister hatte am Wochenende ein Einreiseverbot gegen Grass verhängt. Außerdem forderte er die Aberkennung des Literaturnobelpreises für den Schriftsteller. Das Nobelpreiskomitee schloss dies kategorisch aus.
syd
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