Israels Militäroffensive: Schon mehr als tausend Tote im Gaza-Streifen

Die EU hofft auf eine Waffenruhe "in einigen Tagen", aber Israel erhöht mit massiven Luftangriffen den Druck auf die Hamas. Bei der Militäroffensive im Gaza-Streifen sind schon jetzt mehr als tausend Palästinenser getötet worden. Auf israelischer Seite starben zehn Soldaten und drei Zivilisten.

Gaza/Tel Aviv - Steigen die Chancen auf eine baldige Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas? EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sieht ein Abkommen zwischen den Konfliktparteien in Reichweite. Eine Waffenruhe könnte "in einigen Tagen" erreicht werden, sagte die Österreicherin am Mittwoch vor dem Europaparlament in Straßburg.

Der amtierende tschechische EU-Vorsitz lehnt direkte Verhandlungen mit der Hamas weiter ab. Solange die Hamas sich weiter wie eine terroristische Organisation benehme, könne die EU nicht mit ihr verhandeln, betonte der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg am Mittwoch. Er wies damit Forderungen einiger EU-Abgeordneter nach Gesprächen mit der Hamas zurück.

Schwarzenberg äußerte zugleich deutliche Kritik an der israelischen Offensive in Gaza. Als "Freund Israels" sei er "bestürzt" über den Weg, den die israelische Regierung in Gaza eingeschlagen habe. Die Offensive werde nur Schaden bringen, auch für Israel selbst. Die EU habe allerdings nur geringe Möglichkeiten, auf Israel einzuwirken. Das gleiche gelte für die Hamas, die unter "anderen Einflüssen" stehe.

Sowohl Israel als auch die Hamas haben inzwischen ihre Forderungen für eine Waffenruhe öffentlich gemacht. Die israelischen Minimalforderungen sind nach den Worten von Regierungssprecher Mark Regev "ein vollständiger Stopp jeglichen feindlichen Feuers" sowie ein "funktionierender Mechanismus, der eine Aufrüstung der Hamas verhindert".

Dagegen machte eine Hamas-Delegation während ihrer Gespräche mit dem ägyptischen Geheimdienstchef Omar Suleiman den Vorschlag, dass Israel nach einer Feuerpause zuerst den Gaza-Streifen verlässt, bevor dann eine zeitlich begrenzte Waffenruhe in Kraft tritt.

Wie der arabische Nachrichtensender al-Arabija berichtete, sollen künftig außer EU-Beobachtern auch türkische Beobachter den internationalen Grenzübergang Rafah zu Ägypten überwachen. Nach Darstellung von Hamas-Politbüromitglied Abu Marsuk hat die militärische Infrastruktur der Hamas trotz der israelischen Militärschläge noch nicht stark gelitten.

Nach Informationen der palästinensischen Nachrichtenagentur Ramattan will die Hamas die ägyptische Initiative für eine Waffenruhe in Nahost annehmen. Die Agentur berief sich dabei auf hochrangige Hamas-Führer im Gaza-Streifen. Eine offizielle Erklärung der Hamas lag zunächst nicht vor. Die ägyptische Initiative sieht ein Ende des Blutvergießens und eine kontrollierte Öffnung der Grenzübergänge vor, aber auch Garantien für Israel, um Waffenlieferungen für die Hamas zu unterbinden. Die israelische Regierung wollte noch am Mittwochabend ihre Position zur ägyptischen Initiative festlegen. Am Donnerstag sollte dann der israelische Gesandte Amos Gilad nach Kairo fliegen und die offizielle Antwort überbringen.

Die israelische Armee hat unterdessen mit mehr als 160 Luftangriffen innerhalb von 24 Stunden den Druck auf die Hamas weiter erhöht.

Bei der seit 19 Tagen anhaltenden Militäroffensive Israels im Gaza-Streifen sind inzwischen mehr als tausend Palästinenser getötet worden. Wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde in Gaza am Mittwoch mitteilte, wurden bislang mindestens 1010 Menschen getötet. Weitere 4650 Personen seien verletzt worden. Davon schwebten rund 400 in Lebensgefahr. Auf israelischer Seite sind bisher zehn Soldaten und drei Zivilisten ums Leben gekommen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte erneut ein Ende der Kämpfe. Es sei nicht hinzunehmen, dass die Zivilisten die Hauptlast des Konfliktes tragen. "Ich rufe erneut beide Seiten auf, die Kämpfe jetzt zu beenden. Es gibt keine Zeit mehr zu verlieren", sagt Ban nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Staatschef Husni Mubarak.

hen/dpa/AFP/AP

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