Israels Präsident Peres "Ein Angriff auf Iran wird immer wahrscheinlicher"

Seit Tagen verschärft Israel den Ton gegenüber Iran, nun sagt auch der moderate Staatspräsident Peres, ein Angriff werde wahrscheinlicher. Mit den Drohungen will Israel offenbar politischen Druck ausüben. 

Israels Staatspräsident Peres (im August): Militärschlag "immer wahrscheinlicher"
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Israels Staatspräsident Peres (im August): Militärschlag "immer wahrscheinlicher"


Tel Aviv - Im Streit um das iranische Atomprogramm macht nun auch Israels Präsident Druck: Staatsoberhaupt Schimon Peres sagte, ein Angriff auf Iran rücke immer näher. Ein militärischer Schlag sei derzeit wahrscheinlicher als eine diplomatische Lösung, sagte Peres der Zeitung "Israel Hajom" am Sonntag.

"Wir müssen Ruhe bewahren und Druck widerstehen, um alle Alternativen prüfen zu können", sagte Peres "Israel Hajom" mit Blick auf einen möglichen Militärangriff auf die iranischen Atomanlagen. Er denke nicht, dass eine Entscheidung bereits getroffen sei. Es bestehe jedoch der Eindruck, dass Iran innerhalb des nächsten Jahres eine Atombombe herstellen werde. Am Vorabend hatte Peres bereits dem israelischen Fernsehen gesagt, ein Angriff Israels und anderer Länder gegen Iran werde "immer wahrscheinlicher".

In israelischen Medien wird seit vergangener Woche über mögliche Angriffspläne der Regierung spekuliert. Verteidigungsminister Ehud Barak dementierte zwar, dass ein Einsatz bereits beschlossen sei, deutete aber an, dass ein Angriff auch ohne US-Beteiligung möglich sei. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu soll Druck gemacht haben, einen Angriff zu planen. Weitere Nahrung erhielten die Spekulationen durch einen Raketentest Israels und eine großangelegte Zivilschutzübung.

Hintergrund der Diskussion ist der für Dienstag erwartete Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zum iranischen Atomprogramm. Aus deutschen Diplomatenkreisen in Berlin hieß es am Sonntag, es werde erwartet, dass der Bericht eine ausführliche Darstellung zu weiteren Hinweisen auf eine militärische Komponente des Atomprogramms enthalte. "In diesem Fall ist aus Sicht der Bundesregierung eine Ausweitung des politischen und diplomatischen Drucks auf Iran nötig."

Tatsächlich könnte das Säbelrasseln aus Jerusalem vor allem ein Versuch sein, vor der Veröffentlichung des Iran-Berichts durch die jetzige Angriffsdebatte Druck auf die Weltgemeinschaft auszuüben. Israel drängt seit langem darauf, dass der Westen Teheran mit weiteren Sanktionen belegen müsse. Indem Jerusalem nun vorgibt, konkrete Pläne für einen Angriff auf Iran zu haben, könnte es seiner Forderung nach Sanktionen Nachdruck verleihen.

Deshalb könnte trotz allem zur Schau gestellten Aktionismus die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs nicht unbedingt steigen, sagen israelische Beobachter. "Mindestens einige dieser Schachzüge sind Teil einer sorgfältig orchestrierten Kampagne, deren Ziel nicht unbedingt ein israelischer Angriff ist", hieß es vor wenigen Tagen in der Zeitung "Haaretz".

Der Bericht könnte neue Beweise für das iranische Atomprogramm enthalten. Das berichtet zumindest die Nachrichtenagentur AP. Demnach soll das Material unter anderem Hinweise darauf enthalten, dass Iran ein Computermodell eines Atomsprengkopfes entwickelt hat.

fab/AFP/AP

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