Merkel zum Anschlag in Istanbul "Ziel der Terroristen ist unser freies Leben"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bestätigt, dass bei dem Selbstmordattentat in Istanbul mindestens acht Deutsche getötet wurden. Sie bezeichnete den Anschlag als Angriff auf die Freiheit.


Kanzlerin Angela Merkel hat den Angehörigen der Toten von Istanbul ihr Mitgefühl ausgedrückt. "Ich trauere um unsere Landsleute und denke voller Anteilnahme an die Angehörigen", sagte Merkel. "Sie sind nicht allein. Wir stehen an Ihrer Seite."

Die CDU-Chefin bestätigte, dass bei dem Anschlag mindestens acht Deutsche ums Leben kamen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Regierungschef Ahmet Davutoglu informierten Merkel in Telefonaten über den Stand der Ermittlungen.

Merkel übermittelte den Türken ihre Solidarität. "Vergessen wir nicht die Menschen in der Türkei, die immer wieder Opfer des Terrors werden. Wir fühlen uns den Menschen in der Türkei in Solidarität verbunden."

Die Kanzlerin rückte den Anschlag in Zusammenhang mit anderen Anschlägen der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). "Heute hat es Istanbul getroffen. Zuvor Paris, Kopenhagen, Tunis und in vielen anderen Orten", sagte Merkel. "Die Terroristen sind Feinde aller freien Menschen. Das Ziel der Terroristen ist unser freies Leben." Die Freiheit werde jedoch den Terror besiegen, sagte die Regierungschefin.

Steinmeier fordert rasche Aufklärung

Ähnlich hatte sich kurz zuvor Außenminister Frank-Walter Steinmeier geäußert. "Wir werden uns von Mord und Gewalt nicht einschüchtern lassen", sagte der SPD-Politiker. "Wir brauchen rasch Aufklärung über die Täter." Laut Steinmeier wurden bei dem Anschlag neun Deutsche verletzt.

Ein Teil der getöteten Deutschen war mit einem Berliner Reiseveranstalter unterwegs. Nach aktuellem Kenntnisstand seien unter den toten Deutschen "mehrere Personen einer Reisegruppe der Lebenslust Touristik GmbH Berlin", teilte das Unternehmen mit. Zudem müsse von einer "größeren Anzahl verletzter Reisender ausgegangen werden". Insgesamt war demnach eine 33-köpfige Gruppe zum Zeitpunkt des Anschlags in Istanbul.

Zwei Mitglieder der Geschäftsführung sowie ein dreiköpfiges Hilfeteam seien auf dem Weg nach Istanbul. Für Angehörige der betroffenen Reisenden richtete das Unternehmen eine Hotline unter der Telefonnummer 030-880013039 ein.

Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich erschüttert: "Wieder wurden bei einem hinterhältigen terroristischen Anschlag unschuldige Menschen ermordet, darunter viele Deutsche", sagte das Staatsoberhaupt. "Ich bin tief erschüttert und traurig über diese schlimme Nachricht."

Fußballnationalspieler Mesut Özil äußerte sich bei Twitter: "Denjenigen, die in Sultanahmet ihr Leben verloren haben, wünsche ich Gottes Barmherzigkeit und den Verletzten schnelle Genesung", schrieb Özil.

Lukas Podolski, der bei Galatasaray Istanbul spielt, twitterte: "Ich bin sehr traurig über die heutigen Geschehnisse und meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien."

Insgesamt wurden nach offiziellen Angaben bei dem Attentat im Touristenviertel Sultanahmet am Dienstagvormittag 10 Menschen getötet und 15 weitere verletzt, 2 von ihnen schwer.

Die Detonation ereignete sich um 10.18 Uhr Ortszeit in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee. Die beiden weltberühmten Gebäude gehören zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Türkei. Die Explosion war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören.

Der Selbstmordattentäter sprengte sich in der Nähe einer deutschen Urlaubergruppe in die Luft. "Der Attentäter ist direkt an mir vorbei", zitiert der Sender Habertürk die Aussage eines deutschen Touristen, "dann hat er sich in die Luft gesprengt."

Auswärtiges Amt mahnt zur Vorsicht in der Türkei

Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan soll der Täter aus Syrien stammen. Istanbuler Medien meldeten hingegen, der Attentäter sei in Saudi-Arabien geboren worden. Der stellvertretende Regierungschef Numan Kurtulmus sagte, der 1988 geborene Mann sei durch gefundene Leichenteile identifiziert worden. Er sei kürzlich von Syrien in die Türkei gereist.

Das Auswärtige Amt in Berlin rief alle Reisenden in Istanbul auf, Menschenansammlungen vorläufig zu meiden.

Von der Türkei aus fliegt eine von den USA angeführte Koalition Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien und im Irak. Auch die Bundeswehr unterstützt mit "Tornado"-Aufklärungsflugzeugen von Incirlik aus diesen Einsatz.

Im vergangenen Jahr hatte der IS mehrere Selbstmordanschläge in der Türkei verübt. Im Juli riss ein Attentäter im Grenzort Suruc 30 Menschen in den Tod, im Oktober wurden bei einem Anschlag auf eine Friedensdemonstration in Ankara mehr als hundert Menschen getötet.

Video: Zehn Tote bei Anschlag in Istanbul

REUTERS

syd/dpa/AFP

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