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Terror in der Türkei: Leben mit der Angst

Anschlag auf Einkaufsstraße: Angst in Istanbul Fotos
DPA

Schon wieder ein Anschlag, schon wieder in der Türkei. Ein Selbstmordattentäter hat in Istanbuls Innenstadt vier Menschen getötet und viele verletzt. Der Terror ist in dem Land allgegenwärtig.

Videos, die das Geschehen zufällig festgehalten haben, zeigen zunächst normale Geschäftigkeit am Samstagvormittag. Menschen bummeln die beliebteste Einkaufsstraße Istanbuls entlang, die Istiklal-Straße - bis mit Wucht Feuer aus einem Haus schießt.

Als der Rauch sich legt, liegen Menschen am Boden. Andere rappeln sich hoch und laufen weg. Fünf Menschen sind gestorben, darunter ein Selbstmordattentäter, der die Explosion ausgelöst haben soll, erklärt später der Gouverneur von Istanbul. Unter den Toten sind offenbar zwei Personen, die sowohl die amerikanische, als auch die israelische Staatsbürgerschaft besaßen. Außerdem soll ein iranischer Staatsbürger ums Leben gekommen sein.

36 Passanten wurden teils schwer verletzt. Auch unter den Verletzten sind zahlreiche Ausländer, unter ihnen mehrere Israelis und Iren.

Video: Tote und Verwundete bei Anschlag in Istanbul

Bewaffnete Polizisten riegelten nach der Explosion die Straße ab. Krankenwagen rasten zum Anschlagsort. Hubschrauber flogen über der Einkaufszone, die von Passanten fluchtartig verlassen wurde. Auf Fernsehbildern war der Abtransport von Verwundeten in der belebten Straße zu sehen.

Der Selbstmordattentäter soll nach Darstellung eines türkischen Regierungsmitarbeiters ursprünglich ein anderes Ziel gehabt haben. Demnach wollte er den Sprengsatz an einem belebteren Ort zur Explosion bringen, wurde aber von der Polizei abgeschreckt und zündete dann in Panik die Bombe.

Die Straße war weniger bevölkert als an Wochenenden üblich. Offenkundig waren viele Menschen angesichts der vergangenen Anschläge in der Türkei zu Hause geblieben.

Nur ein paar Straßenzüge entfernt liegen das deutsche Generalkonsulat und die deutsche Schule. Beide Einrichtungen waren wie die deutsche Botschaft in Ankara am Donnerstag wegen Terrorwarnungen aus islamistischen Kreisen vorsorglich geschlossen worden.

Das Auswärtige Amt hatte am Samstag noch nicht entschieden, ob die Vertretungen am Montag wieder geöffnet werden sollen. Nach dem Anschlag warnte das Bundesaußenministerium deutsche Touristen in der türkischen Metropole, zunächst in ihren Hotels zu bleiben.

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Fotostrecke: Terror in der Unabhängigkeitsstraße
In den Hotels sollten sie sich über Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts informiert halten, teilte das Ministerium am Samstag mit. Anweisungen der türkischen Sicherheitskräfte sei unbedingt Folge zu leisten.

Verantwortlich für den Anschlag könnte die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK oder eine ihr nahestehende Gruppierung sein, spekulierten Mitarbeiter der türkischen Regierung.

Der türkische Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu sagte: "Ich verurteilte die, die Menschen und damit die Menschheit töten." Es werde ermittelt.

Der Kampf gegen den Terrorismus werde mit voller Härte fortgeführt, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Türkische Sicherheitskräfte hätten bereits drei kurdische PKK-Kämpfer an der Grenze zu Syrien gefasst oder getötet, zitiert die Agentur Reuters einen Beamten. Die Getöteten hätten weitere Anschläge geplant.

"Schreckliche Szenen"

"Der Terror hat sein hässliches Gesicht gezeigt", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Die Frontfrau der britischen Pop-Band Skunk Anansie wurde nach eigenen Worten Zeugin des tödlichen Anschlags. "Massive Bombenexplosion vor unserem Hotel", schrieb Skin auf Twitter. "Ich bin okay, sehr erschüttert, tote Menschen, schreckliche Szenen."

Das Gebäude habe gezittert und viele Menschen seien verletzt. "Die Stadt ist gesperrt, überall bewaffnete Polizisten in Zivil, beängstigende Zeiten."

Die Sicherheitslage in der Türkei ist derzeit äußerst angespannt, immer wieder kommt es in dem Land zu Attentaten. Vor dem kurdischen Neujahrsfest Newroz am Montag wächst die Sorge vor weiteren Anschlägen.

Erst am vergangenen Sonntag waren in der türkischen Hauptstadt Ankara bei einem Anschlag 37 Menschen getötet worden. Die PKK-nahe Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans, kurz Tak, übernahm die Verantwortung für das Attentat.

Nahezu 200 Menschen sind dem Terror in der Türkei in den letzten Wochen zum Opfer gefallen. Die Bürger müssen mit der Angst vor weiteren Anschlägen leben.

boj/AP/AFP/Reuters/dpa

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Fläche: 783.562 km²

Bevölkerung: 77,696 Mio.

Hauptstadt: Ankara

Staatsoberhaupt:
Recep Tayyip Erdogan

Regierungschef: Binali Yildirim

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