Istanbuler Klub Reina Angriff auf ein Symbol der Lebensfreude

Heiter, ausgelassen, teuer - das ist der Istanbuler Nachtklub Reina. Seit der Silvesternacht steht er auch für ein Massaker mit mindestens 39 Toten. Der Anschlag trifft mitten ins weltoffene Herz der Metropole.

Bosporus-Ufer in der Nähe des Reina-Klubs
AFP

Bosporus-Ufer in der Nähe des Reina-Klubs


Glaubt man den Videos, die sich im Internet finden, dann war die Stimmung im Reina an diesem Silvesterabend wieder einmal ausgelassen: Frauen in Cocktailkleidern, Männer im Sakko, Konfettiregen und leuchtende Wunderkerzen. Dazu laute Musik, Wein und Champagner. So feierte die junge Istanbuler Elite ins Jahr 2017, das eigentlich ein friedliches werden sollte.

Doch um 1:15 Uhr Ortszeit, das Feuerwerk über dem Bosporus war schon vorüber, brach der Terror über den wohl angesagtesten Klub der Stadt hinein. Ein noch unbekannter Attentäter drang in das Areal ein und erschoss innerhalb von sieben Minuten 39 Menschen. Fast 70 wurden nach offiziellen Angaben verletzt.

600 Gäste sollen sich zu diesem Zeitpunkt im Reina aufgehalten haben. Viele von ihnen sprangen ins kalte Wasser des Bosporus, um ihr Leben zu retten.

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Istanbul: Angriff auf die Silvesterparty

Noch sind die Hintergründe des Anschlags unklar. Niemand hat sich dazu bekannt. Der Täter ist vermutlich auf der Flucht und die türkische Regierung hat eine Nachrichtensperre verhängt. Doch viele Experten gehen von einem islamistischen Anschlag aus. Die Terrormiliz IS hatte zuletzt mit Attacken in der Türkei gedroht - als Rache für das türkische Vorgehen in Syrien. Erst Ende Dezember hat das türkische Militär dort nach eigenen Angaben zwei Führer des IS getötet.

Auch die Wahl des Anschlagsziels könnte ein Indiz für einen islamistischen Hintergrund sein. Der Klub Reina, im Stadtteil Ortaköy unterhalb einer großen Bosporus-Brücke gelegen, ist bekannt für seine exzessiven Partys. Er gilt als Symbol für die Lebenslust der jungen, säkularen türkischen Oberschicht.

Hier tanzen Investmentbanker neben Fußballstars und Fernsehsternchen unter den funkelnden Lichtern der Bosporusbrücke durch die Nacht. Und drumherum gesellen sich ausländische Touristen, die auch mal etwas abbekommen wollen vom legendären Istanbuler Nachtleben. Zum Klubgelände gehören auch mehrere Restaurants, darunter eines der besten und teuersten der Stadt. Wer auf dem Weg dorthin nicht im Stau stehen will, reist mit dem eigenen Boot übers Wasser an.

Internationale Stars lassen sich im Reina immer wieder blicken, wenn sie nach Istanbul kommen. Daniel Craig, Kylie Minogue, Naomi Watts und Jon Bon Jovi sollen schon hier gewesen sein, schreibt die Londoner Vermögensverwaltung GC Prive, die den Klub ihren gutsituierten Kunden empfiehlt.

Blick auf den Klub Reina im Jahr 2015
DPA

Blick auf den Klub Reina im Jahr 2015

Auch in der Silvesternacht war das Publikum im Reina ein internationales. Unter den 39 Opfern sind nach Behördenangaben mindestens 15 Ausländer - Menschen aus Marokko, Libyen, Saudi-Arabien dem Libanon und Belgien. Auch eine junge Israelin soll getötet worden sein.

Augenzeugen berichteten von Panik unter den Hunderten Besuchern. "Alles war voller Staub und Rauch", berichtet der Fußballer Sefa Boydas vom Istanbuler Klub Beylerbeyi SK. Mehrere Menschen seien in Ohnmacht gefallen, auch eine seiner Begleiterinnen. "Ich habe sie auf den Rücken genommen und bin sofort gerannt. In solchen Momenten wartet man nicht. Links waren Schüsse zu hören, also rannten wir nach rechts."

Hätte das Massaker verhindert werden können? Das fragen sich nun viele Menschen.

An Sicherheitsvorkehrungen habe es nicht gemangelt, meint Klub-Chef Mehmet Kocarslan. Angesichts der jüngsten Terrorwarnungen habe die türkische Polizei schon seit etwa zwei Wochen ihre Präsenz im Viertel verstärkt. Auch die Küstenwache habe alle Vorkehrungen getroffen. Trotzdem habe das Attentat nicht verhindert werden können. "Unser Herz blutet", schrieb Kocarslan auf seiner Facebook-Seite.

stk



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123Valentino 01.01.2017
1. Es sind Verbrecher ......
aber Verbrechen wurden und werden im Namen religiöser Dogmen begangen und gerechtfertigt. Das war richtig für den christlichen Irrglauben und ist nun genauso wahr für unsere islamistischen Irrläufer. Es ist höchste Zeit, Religion kritisch zu betrachten, und in Frage zu stellen.
skeptikerjörg 01.01.2017
2. Wer Wind sät ...
Es gibt keine Entschuldigung für solche Terrorakte, keine Rechtfertigung für die feige und hinterhältige Ermordung Unschuldiger! Aber es darf auch nicht verschwiegen werden, dass der Auslöser der seit 2 Jahren die Türkei überziehende Welle der Gewalt Recep Tayyip Erdoğan heißt. Er hat aus innenpolitisch und persönlich motivierten Machtgelüsten den Friedensprozess mit den Kurden in einen Krieg umdirigiert und somit die Anschläge der PKK als Gegenreaktion provoziert, er hat Jahrelang gemeinsame Sache mit dem IS gemacht, dem IS den Aufbau eines Netzwerkes in der Türkei ermöglicht, um seinen wahnwitzigen Plan einer sunnitisch-türkischen Führungsmacht im Nahen und Mittleren Osten voranzutreiben und sich nun auf die andere Seite geschlagen. Beide, PKK und IS führen nun den Gegenschlag. Sie zeigen den Türken, dass das Erdogan-Regime zu schwach ist, um seine Bevölkerung zu schützen, sie zeigen, dass Erdogan nicht der starke Mann ist und sie rächen sich für den so empfundenen Verrat. Erdogan hat versucht, den IS für seine Ziele zu instrumentieren und der IS rächt sich dafür. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Und Opfer sind nicht Erdogan und seine AKP, sondern unschuldige Unbeteiligte und einfache Soldaten und Polizisten, die überwiegend außerhalb ihrer Dienstzeit angegriffen werden.
vassiliki2000 01.01.2017
3. Der Deckmantel der Religion
Zitat von 123Valentinoaber Verbrechen wurden und werden im Namen religiöser Dogmen begangen und gerechtfertigt. Das war richtig für den christlichen Irrglauben und ist nun genauso wahr für unsere islamistischen Irrläufer. Es ist höchste Zeit, Religion kritisch zu betrachten, und in Frage zu stellen.
heisst NICHT IMMER dass es auch wirklich die Religion ist! Es sind Vorwände von bestimmten Gruppen die sich als religiös ausgeben!
hokuspok 01.01.2017
4. Da stimme ich Ihnen zu, 123Valentino,
Zitat von 123Valentinoaber Verbrechen wurden und werden im Namen religiöser Dogmen begangen und gerechtfertigt. Das war richtig für den christlichen Irrglauben und ist nun genauso wahr für unsere islamistischen Irrläufer. Es ist höchste Zeit, Religion kritisch zu betrachten, und in Frage zu stellen.
die Hoffnung auf ein Ende aller Religionen ist vergebens, so lange die Damen und Herren auf den Thronen ihre göttliche Einsetzung als Wahrheit verteidigen und ihre demokratisch gewählten Pendants ihren "Dienst am Volk" auf bronzezeitlichen Anekdotenbüchern beeiden ... immer in der stillen Gewißheit von der Dummheit dieser Völker.
ababaku 01.01.2017
5.
Es nicht ist die Religion, die Mörder. Der Islam ist nicht so aggressiv, diese entstellte Vorstellung über die Religion, diesen schuftigen Mord.
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