Anschlag in Istanbul Merkel hält deutsche Todesopfer für wahrscheinlich

Der Selbstmordattentäter von Istanbul ist angeblich identifiziert: Der Mann, der zehn Menschen in den Tod riss, soll nach Angaben der türkischen Regierung aus Syrien stammen. Unter den Verletzten sind Deutsche, Kanzlerin Merkel hält auch deutsche Todesopfer für wahrscheinlich.

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Der Anschlag im Zentrum Istanbuls ist offenbar von einem Selbstmordattententäter verübt worden. Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan soll der Täter aus Syrien stammen. Der stellvertretende Regierungschef Numan Kurtulmus sagte, der 1988 geborene Mann sei durch gefundene Leichenteile identifiziert worden.

Bei dem Attentat wurden 10 Menschen getötet und 15 weitere verletzt, 2 von ihnen schwer. "Ein großer Teil ist ausländischer Herkunft", sagte Kurtulmus. Die Türkei sei Ziel Nummer eins aller Terrorgruppen in der Region, sagte der Staatschef bei einem Termin mit Botschaftern.

Die Detonation ereignete sich um 10.20 Uhr Ortszeit in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee. Die beiden weltberühmten Gebäude gehören zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Türkei. Die Explosion war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören.

"Wir sind in großer Sorge, dass auch deutsche Staatsbürger unter den Opfern und Verletzten sein könnten und wahrscheinlich sein werden", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Gespräch mit Algeriens Premierminister Abdelmalek Sellal in Berlin.

Die Betroffenen seien Mitglieder einer deutschen Reisegruppe, sagte Merkel. Aus dem Umfeld des türkischen Premierministers Ahmet Davutoglu heißt es, die meisten Opfer seien Deutsche.

"Der Attentäter ist direkt an mir vorbei", zitiert der Sender Habertürk die Aussage eines deutschen Touristen, "dann hat er sich in die Luft gesprengt."

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Istanbul: Explosion in Sultanahmet

Das Generalkonsulat in Istanbul bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung und stehe in engem Kontakt mit den türkischen Behörden. "Wir müssen inzwischen leider davon ausgehen, dass auch Deutsche bei diesem Anschlag verletzt wurden", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. "Wir können auch nicht ausschließen, dass Deutsche unter den Todesopfern sind."

Laut CNN Türk wurden sechs Deutsche, ein Norweger und ein Peruaner in Krankenhäuser eingeliefert. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu spricht von drei Leichtverletzten aus Deutschland, die Zeitung Hürriyet meldet wiederum, dass neun Deutsche in verschiedenen Hospitälern behandelt würden.

Touristen der Tui-Gruppe aus Deutschland sind nicht vom Anschlag betroffen, sagt ein Konzernsprecher. Gäste, die bis zum 18. Januar eine Reise nach Istanbul gebucht hätten, könnten gebührenfrei auf andere Ziele umbuchen.

Das Auswärtige Amt in Berlin rief alle Reisenden in Istanbul auf, Menschenansammlungen vorläufig zu meiden.

Türkische Sicherheitsbehörden halten es nach Worten von zwei Insidern für "sehr wahrscheinlich", dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hinter der Explosion steckt. Von der Türkei aus fliegt eine von den USA angeführte Koalition Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien und im Irak. Auch die Bundeswehr unterstützt mit "Tornado"-Aufklärungsflugzeugen von Incirlik aus diesen Einsatz.

Im vergangenen Jahr hatte der IS mehrere Selbstmordanschläge in der Türkei verübt. Im Juli riss ein Attentäter im Grenzort Suruc 30 Menschen in den Tod, im Oktober wurden bei einem Anschlag auf eine Friedensdemonstration in Ankara mehr als hundert Menschen getötet.

Video: "Angriff auf das Herz der Türkei"

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syd/Reuters/dpa



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