Explosionen am Atatürk Airport Türkische Regierung vermutet IS-Kämpfer hinter Anschlag

Erst schossen sie, dann zündeten sie Bomben: Drei Selbstmordattentäter haben am Istanbuler Atatürk-Flughafen einen schweren Anschlag verübt. Ministerpräsident Yildirim spricht von 36 Toten und verdächtigt den IS als Drahtzieher.

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Die Türkei wird erneut von einem schweren Anschlag erschüttert. Am Istanbuler Flughafen Atatürk haben sich drei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Zu der genauen Anzahl der Opfer gab es zunächst keine einheitlichen Angaben. Der Gouverneur von Istanbul bezifferte die Zahl der Toten in einer Fernsehansprache auf 28. Ministerpräsident Binali Yildirim sprach in der Nacht von 36 Toten. Der Gouverneur von Istanbul korrigierte die Zahl Stunden später nach oben: Demnach wurden 41 Menschen getötet und 239 verwundet.

Unter den Toten sind nach übereinstimmenden Berichten 13 Ausländer. Augenzeugen berichteten CNN-Turk zufolge, dass heftige Explosionen das Ankunftsterminal für internationale Flüge erschüttert hätten. Dadurch sei Panik unter den Fluggästen ausgebrochen. Die Explosionen seien "sehr stark" gewesen, berichtete ein Augenzeuge.

Laut Yildirim hätten alle drei Attentäter zunächst um sich geschossen und sich danach in die Luft gesprengt. Polizisten sollen ihrerseits auf die Verdächtigen geschossen haben, als diese sich der Sicherheitskontrolle näherten. Die Attentäter seien zuvor mit dem Taxi zum Flughafen gekommen, so Yildirim.

Ankunfts- und Abflugbereich vollständig gesperrt

Die Nachrichtenagentur DHA meldet, der Ankunfts- und der Abflugbereich des größten Flughafens der Türkei seien vollständig gesperrt worden. Auf Bildern, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, waren immense Zerstörungen im Inneren des Terminals zu sehen. Menschen lagen auf dem Boden.

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Istanbul: Anschlag am Atatürk-Flughafen

Für die frühen Morgenstunden kündigte Yildirim eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs an. Zuvor war der Flugverkehr komplett eingestellt worden. Alle Flüge wurden zu anderen Flughäfen umgeleitet. Die US-Luftfahrtbehörde hatte zwischenzeitlich sämtliche Flüge von und nach Istanbul gestrichen. Inzwischen wurde das Verbot wieder aufgehoben. Der Atatürk-Flughafen fertigt pro Jahr mehr als 60 Millionen Passagiere ab. Er gilt als das Tor zur Türkei.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Yildirim sagte, erste Hinweise deuteten auf den "Islamischen Staat" (IS) als Urheber hin. Auch die TAK - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - wird verdächtigt, das Attentat womöglich verübt zu haben. Vor drei Wochen waren bei einem Anschlag der TAK in Istanbuls Stadtmitte elf Menschen getötet worden. Es war der dritte schwere Anschlag seit Jahresbeginn im Zentrum Istanbuls.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte den Anschlag scharf. In einer Mitteilung schrieb er, das Attentat sei reine Propaganda gegen sein Land gewesen. Er forderte die Weltgemeinschaft auf, sich klar gegen terroristische Vereinigungen zu positionieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Opfern ihre Anteilnahme aus. Sie sei erschüttert über "diese neuen und hinterhältigen Akte des Terrorismus", sagte sie am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich auf Twitter entsetzt über die jüngsten Anschläge:

Hinweise, dass Deutsche unter den Opfern des Attentats seien, gebe es bisher nicht, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts der dpa.

kry/ron/Reuters/dpa/AP/AFP



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