Türkei Polizei verhindert Gay-Pride-Marsch in Istanbul

Der jährliche Protestmarsch wurde ihnen untersagt, aber sie demonstrierten trotzdem. Dann ging die Polizei in Istanbul brutal gegen die Teilnehmer der jährlichen Schwulen- und Lesbenparade vor.

LGBTI-Aktivisten in Istanbul
REUTERS

LGBTI-Aktivisten in Istanbul


Die türkischen Behörden haben die Schwulen- und Lesbenparade in Istanbul mit einem hohen Polizeiaufgebot verhindert. Nach einem am Vortag erteilten Verbot der Demonstration hielten Sicherheitskräfte die Aktivisten davon ab, sich auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal zu versammeln.

In den Seitenstraßen setzte die Polizei laut der Nachrichtenagentur dpa vereinzelt Tränengas ein. Nach Angaben der Organisatoren des Marschs feuerten die Sicherheitskräfte auch mit Gummigeschossen auf Demonstranten.

Mehrere Menschen, die trotz Verbots Slogans skandierten, wurden in Polizeigewahrsam genommen. Die Organisatoren bezifferten die Gesamtzahl der Festnahmen am Sonntagabend via Twitter auf mehr als 20.

Der Istanbuler Gouverneur hatte die Demonstration für die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI) am Vortag verboten. Die Behörden erklärten, die Maßnahme gefährde die Sicherheit von Bürgern und Touristen sowie die öffentliche Ordnung. Die Aktivisten hatten dennoch angekündigt, sich gegen Abend im Zentrum Istanbuls zu versammeln.

Die Polizei sperrte die zentrale Einkaufsstraße Istiklal jedoch großräumig ab und blockierte die Seitenstraßen mit Barrikaden und Fahrzeugen. Aktivisten berichteten davon, dass sie aufgehalten worden seien, weil sie Regenbogen-T-Shirts trugen. Die Regenbogenfahne ist ein Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung.

Die Parade zum Abschluss der Istanbuler "Pride Week" wird von Aktivisten seit mehr als zehn Jahren organisiert. 2015 wurde sie erstmals verboten. Damals verwies der Gouverneur der Stadt auf den für Muslime heiligen Monat Ramadan. Dennoch gingen Tausende auf die Straße. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen friedliche Demonstranten ein.

Auch 2016 wurden die Teilnehmer mit Tränengas und Gummigeschossen auseinandergetrieben. In diesem Jahr fiel der Termin der Parade mit einem Feiertag zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan zusammen.

vet/asa/dpa

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