Türkei Polizei stoppt Gay-Pride-Parade in Istanbul

Einsatzkräfte in Istanbul haben einen Protestmarsch von Schwulen und Lesben aufgehalten. Mit Tränengas ging die Polizei gegen Demonstranten vor - doch die gaben nicht auf.

AFP

Zum vierten Mal in Folge hat die türkische Polizei mit einem Großaufgebot eine Demonstration von Schwulen, Lesben und Transsexuellen auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal verhindert. Die Aktivisten versammelten sich dennoch im Stadtzentrum und protestierten lautstark.

Die Polizei setzte vereinzelt Tränengas und Plastikgeschosse ein, wie Augenzeugen berichten. Zudem blockierten die Einsatzkräfte Seitenstraßen mit Wasserwerfern und durchsuchten Passanten, um das Verbot der Behörden durchzusetzen. Die Organisatoren teilten mit, es habe Festnahmen gegeben, nannten jedoch zunächst keine Zahl.

"In Gettos zwingen"

In einer Erklärung der Organisatoren hieß es: "Der Gouverneur hat erneut ein Verbrechen begangen, indem er einen bestimmten Teil der Gesellschaft diskriminiert." Sicherheitsbedenken als Grund für ein Verbot anzugeben, bezeichneten die Aktivisten als "komisch".

Die Gay-Pride-Parade sei in der Vergangenheit friedlich gewesen und ein Raum, in dem sich Schwule, Lesben und Transsexuelle sicher fühlen konnten. Die Aktivisten wehrten sich dagegen, dass man sie "in Grenzen halten und in Gettos zwingen" wolle, hieß es weiter. "Wir erinnern die ganze Gesellschaft daran, dass ohne uns der Kampf gegen das Ein-Mann-Regime nicht erfolgreich sein wird."

Schon im vergangenen Jahr war die jährliche Demonstration vom städtischen Gouverneur untersagt und von der Polizei verhindert worden.

eaz/dpa



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