Mittelmeer Italienische Behörden beschlagnahmen Flüchtlings-Rettungsschiff

Eine Hilfsorganisation weigerte sich, gerettete Flüchtlinge mit dem Rettungsboot zurück nach Libyen zu bringen. Die italienische Staatsanwaltschaft wirft ihr "kriminelle Machenschaften" vor.

Flüchtlinge vor dem Hafen von Pozzallo
REUTERS

Flüchtlinge vor dem Hafen von Pozzallo


Die italienische Küstenwache soll mit Gewaltandrohungen gegen die Besatzung eines Rettungsschiffs für Flüchtlinge vorgegangen sein. Anschließend wurde das Schiff von den Behörden beschlagnahmt, berichtet die Hilfsorganisation Proactiva Open Arms. An Bord waren den Angaben zufolge mehr als 200 Passagiere, einige von ihnen in kritischem Zustand.

"Man wirft uns kriminelle Machenschaften sowie die Begünstigung illegaler Migration vor", schrieb der Gründer der Hilfsorganisation, Oscar Camps, bei Twitter. Der Beschlagnahmung war eine Konfrontation mit der libyschen Küstenwache vorausgegangen. Die Hilfsorganisation habe die geretteten Frauen und Kinder 73 Seemeilen vor der Küste nicht den Libyern übergeben wollen. Die Einfahrt in einen sicheren Hafen in Europa war ihnen verweigert worden. Schließlich durften sie doch noch Pozzallo auf Sizilien ansteuern.

Die Beschlagnahme sei von Catanias Staatsanwalt Carmelo Zuccaro angeordnet worden, berichteten italienische Medien. Im vergangenen Jahr hatte dieser die Diskussion über private Seenotretter mit umstrittenen Äußerungen angeheizt. Er hatte einigen Helfern unterstellt, direkte Kontakte zu libyschen Schleppern zu haben und sogar von diesen finanziert zu werden.

Seit Italien im Sommer 2017 eine Vereinbarung mit der libyschen Küstenwache abgeschlossen hat, kommen weit weniger Migranten an der Küste des Landes an. Viele Menschen, die auf seeuntüchtigen Booten die Flucht nach Europa wagen, werden bereits in libyschen Hoheitsgewässern gestoppt und in das zerrüttete Land zurückgebracht. Hilfsorganisationen kritisieren das.

Im Video: Flucht übers Mittelmeer - Unterwegs mit libyschen Sicherheitskräften

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vks/dpa



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