Fünf-Sterne-Bewegung Komiker Grillo übernimmt Italiens größte Oppositionspartei

Beppe Grillo könnte schon bald eine große Rolle im krisengeschüttelten Italien spielen: Der Komiker hat nach zwei Jahren Auszeit angekündigt, die populäre Fünf-Sterne-Bewegung als Parteichef zu führen.

Politiker und Komiker Beppe Grillo
REUTERS

Politiker und Komiker Beppe Grillo


Der italienische Komiker Beppe Grillo ist an die Spitze der von ihm mitbegründeten Protestpartei Movimento Cinque Stelle (5-Sterne-Bewegung) zurückgekehrt. "Ich bin wieder da", rief er laut dem "Corriere della Sera" Zehntausenden Anhängern im sizilianischen Palermo zu. "Ich werde der Politik-Chef sein und Entscheidungen treffen, weil irgendjemand das ja machen muss", so Grillo, und: "Ich werde bei der Bewegung bis zu den Wahlen bleiben und gewinnen."

Der 68-Jährige hatte sich vor rund zwei Jahren aus der Politik zurückgezogen und erklärt, er sei müde. Seitdem führte ein Direktorium aus fünf Mitgliedern die Partei. Allerdings starb im April der Mitgründer und Chefstratege Gianroberto Casaleggio. Zudem steht seine Parteikollegin Virginia Raggi als Bürgermeisterin von Rom massiv in der Kritik- die Machtübernahme in der Hauptstadt war mit großem Interesse verfolgt worden und galt vielen als möglicher Testlauf für einen größeren Einfluss der Partei auf die Geschicke des Landes.

Die Fünf-Sterne-Bewegung hatte bei der Wahl 2013 mehr als ein Viertel der Stimmen erhalten und landete damit nur knapp hinter dem sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) des heutigen Regierungschefs Matteo Renzi. Einigen Umfragen zufolge ist Grillos Protestbewegung inzwischen die beliebteste Partei des Landes.

Grillos Ankündigung kommt zu einem pikanten Zeitpunkt: Noch in diesem Herbst steht ein umstrittenes Verfassungsreferendum an, mit deren Ausgang Premier Renzi sein politisches Schicksal verknüpft hat. Die Fünf-Sterne-Bewegung lehnt die Änderungen ab, Umfragen zufolge ist der Ausgang ungewiss. Sollte Renzi das Referendum verlieren, könnten vorgezogene Parlamentswahlen die Folge sein, in deren Folge Grillos Partei vermutlich großen Einfluss auf die Regierungsbildung hätte. Turnusmäßig steht die nächste Parlamentswahl im Frühjahr 2018 an.

Die Fünf-Sterne-Bewegung verlangt unter anderem mehr Unterstützung für Arme, härtere Strafen für Steuerhinterzieher, niedrigere Steuern für kleine Firmen sowie das Schließen oder Privatisieren von Staatsunternehmen in ganz Italien. Bislang gehörte zu den Prinzipien der Partei allerdings auch, dass es keine Chefs gibt. Grillo selbst hatte sich daher immer als "Sprecher" bezeichnet.

mxw/Reuters



insgesamt 14 Beiträge
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El pato clavado 25.09.2016
1. ob das hilft?
ein Komiker als Politiker ? Ist die Politik nicht schon oft in der Hand von Komikern
schraubenzieher 25.09.2016
2. Komiker ?
Komiker sind meistens intelligenter und offener als Berufspolitiker mit ihrem Gewäsch.
multimusicman 25.09.2016
3. Könnte frischen Wind in die Politik
bringen. Komiker stehen für mich dafür nicht alles und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Gute Voraussetzungen, um Kompromisse zu finden. Viel Glück den Italienern !
Tobi86 25.09.2016
4. So nebenbei...
...sollte man vielleicht noch erwähnen, dass auf dem Event bei der Ankunft der Römer Bürgermeisterin Journalisten von Anhängern Grillos verprügelt wurden. Frau Bürgermeisterin fand's gut und führte dabei ein kleines Tänzchen auf. Von der Bühne gab es dann Sätze wie "Wir haben Rom erobert, jetzt folgen Sizilien und dann ganz Italien" zu hören. Klingt irgenwie etwas nach 1922, fehlen nur noch die schwarzen Hemden...
Tobi86 25.09.2016
5.
Zitat von multimusicmanbringen. Komiker stehen für mich dafür nicht alles und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Gute Voraussetzungen, um Kompromisse zu finden. Viel Glück den Italienern !
An Kompromissen ist er aber nicht interessiert. Wäre er das, hätte er sich nach den letzten Wahlen nicht jeglichem Versuch einer Regierungsbildung verweigert. Stattdessen beschränkt man sich auf Fundamentalopposition, medienwirksames Spektakel und Beleidigungen. Vielleicht auch besser so, man sieht ja in Rom was dabei rauskommt, wenn sie es mit dem Regieren versuchen.
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