Italiens Ex-Regierungschef: Berlusconi verlobt sich mit 27-Jähriger

Erst überraschte Silvio Berlusconi mit seinen politischen Comeback-Plänen, nun will es der 76-Jährige auch privat noch einmal wissen: Italiens Ex-Premier hat seine Verlobung bekanntgegeben - mit einer 27 Jahre alten Frau. Er fühle sich "endlich weniger einsam", verriet der Cavaliere.

DPA

Rom - Silvio Berlusconi will wieder heiraten. Der ehemalige Regierungschef gab am Sonntag seine Verlobung mit der 27-jährigen Francesca Pascale bekannt. Pascale ist Medienberichten zufolge Mitglied einer Initiative mit den Namen "Silvio, wir vermissen dich". "Endlich fühle ich mich weniger einsam", sagte Berlusconi dem Fernsehsender Canale 5 über die Verlobung mit der fast 50 Jahre jüngeren Frau.

Zeitungskommentatoren interpretierten den Fernsehauftritt als Versuch Berlusconis, vor der im Frühjahr anstehenden Parlamentswahl seine schlechten Umfragewerte aufzupolieren. Der 76-jährige "Cavaliere" war bereits zweimal verheiratet. Seine zweite Ehefrau hatte ihn 2008 wegen Affären mit jüngeren Frauen verlassen. Derzeit läuft ein Gerichtsprozess gegen Berlusconi wegen eines Sexskandals in Verbindung mit einer Minderjährigen.

Berlusconi war zuletzt auch deshalb in die Schlagzeilen geraten, weil er wieder Ministerpräsident werden will. Seine Partei ist jedoch offenbar tief gespalten hinsichtlich einer erneuten Kandidatur des mehrmaligen italienischen Regierungschefs. Bei einem Kongress der Partei Volk der Freiheit (PDL) in Rom traten am Sonntag mehrere Parteiführer dafür ein, vielmehr eine Kandidatur des parteilosen amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti zu unterstützen. Auch PDL-Generalsekretär Angelino Alfano äußerte Unterstützung für Monti.

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Verliebt und verlobt: Berlusconis neue Liebe
Die Wahl Montis als gemeinsamen Mitte-rechts-Kandidaten könnte verhindern, dass die Macht an die Linke falle, sagte Alfano. Es handele sich um eine "Gelegenheit, die sich nicht wiederholt". Der frühere italienische Außenminister Franco Frattini sagte, Monti und seine Agenda stünden für die Idee des Allgemeinwohls. Das müsse fortgesetzt werden, "nicht weil andere europäische Länder das wollen, sondern weil Italien es braucht".

Berlusconi selbst bot in einer Botschaft an die Tagungsteilnehmer erneut an, die Kandidatur an Monti abzutreten. Der frühere EU-Kommissar "teilt meine, eure und unsere Ideale", schrieb Berlusconi.

Die Vorsitzende der PDL-Jugendorganisation, Giorgia Meloni, sprach sich bei einem parallel abgehaltenen Kongress in Rom jedoch entschieden gegen eine Kandidatur sowohl Berlusconis als auch Montis aus. "Wir wollen ein anderes Mitte-Rechts. Monti teilt nicht unsere Sicht und eine erneute Kandidatur Berlusconis wäre ein Fehler", sagte Meloni. Sie hatte eigentlich vorgehabt, sich bei den parteiinternen PDL-Urwahlen um die Spitzenkandidatur zu bewerben.

Die Urwahl wurde jedoch abgesagt, nachdem Berlusconi vor einer Woche überraschend seine erneute Kandidatur ankündigte. Seine Partei liegt in Umfragen derzeit bei 15 bis maximal 20 Prozent. Berlusconi deutete in der vergangenen Woche jedoch an, auf die angekündigte Kandidatur doch noch zu verzichten. Eine Unterstützung Montis bei den Wahlen wäre insofern überraschend, als die PDL ihm jüngst im Parlament die Unterstützung entzogen und damit erst die Neuwahlen nötig gemacht hatte.

Der Technokrat Monti, der im November 2011 Berlusconi als Regierungschef abgelöst hatte, hat sich noch nicht geäußert, ob er zu den für Februar erwarteten Wahlen antreten wird. Am Sonntag traf er sich mit Präsident Giorgio Napolitano zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen. Napolitano wollte am Montag eine Ansprache zur politischen Lage des Landes halten. Es wird außerdem damit gerechnet, dass Monti Ende kommender Woche eine Bilanzpressekonferenz abhält.

Monti wird im Ausland dafür gelobt, nach der Regierungszeit Berlusconis die Wirtschaft stabilisiert und das Vertrauen in die Regierung wiederhergestellt zu haben. In Italien ist er jedoch wegen seiner strengen Sparpolitik eher unbeliebt.

hen/dpa/AFP

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Steckbrief Italien
REUTERS
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission

Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 59,571 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Giorgio Napolitano

Regierungschef: Matteo Renzi

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