Italien: Berlusconi wirft dubiose Kandidaten aus der Partei
Silvio Berlusconi gibt sich rund einen Monat vor den Wahlen in Italien als harter Macher: Mehrere Kandidaten flogen wegen möglicher Kontakte zur Mafia von den Wahllisten seiner Partei. Prominentestes "Opfer" ist Nicola Cosentino. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Rom - Die Aktion soll den Eindruck "sauberer Listen" vermitteln und bei den Wahlen im Februar für Stimmen sorgen. Die Partei des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hat einige umstrittene Kandidaten von den Listen für die Parlamentswahl im Februar gestrichen.
Mehrere Politiker, denen Verbindungen zur Mafia nachgesagt werden, treten nicht mehr für die Partei Volk der Freiheit (PdL) an. Zuvor waren die endgültigen Wahllisten der Parteien für die Parlamentswahl am 24. und 25. Februar eingereicht worden.
Den Berichten zufolge findet sich unter anderem der frühere Wirtschaftsstaatssekretär Nicola Cosentino nicht länger auf den PdL-Listen. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor, der nur deshalb noch nicht vollstreckt wurde, weil Cosentino als Parlamentsabgeordneter Immunität genießt.
Den Angaben zufolge kämpfte Cosentino bis zur letzten Minute für seinen PdL-Listenplatz. Nun fügt er sich aber offenbar der Entscheidung: "Ich akzeptiere den Ausschluss von der Liste ohne jeden Streit", sagte der Ex-Staatssekretär aus Neapel am Dienstag.
Außer ihm ist auch Marcello Dell'Utri nicht länger dabei. Der langjährige Weggefährte Berlusconis wurde wegen Zusammenarbeit mit der Mafia zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, der Prozess ist allerdings noch nicht abgeschlossen.
Berlusconi attackiert die Richter
Andere PdL-Politiker, die ebenfalls mit der Justiz im Clinch liegen, sind dagegen weiter auf den Wahllisten vertreten - allen voran Berlusconi selbst. Der 76-Jährige war im Oktober wegen Steuerbetrugs zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Derzeit wird ihm in einem weiteren Prozess unter anderem Amtsmissbrauch vorgeworfen. Er soll außerdem im Jahr 2010 mit der damals noch minderjährigen marokkanischen Tänzerin Karima el-Mahrough alias Ruby Sex gehabt haben. Der Politiker bestreitet die Vorwürfe.
Berlusconi sagte im italienischen Fernsehen zu den Veränderungen auf den Wahllisten, es habe sich um eine "sehr schmerzhafte Entscheidung" gehandelt. Mehrere "Freunde und Kollegen" hätten sich von den Listen zurückziehen müssen, weil sie von "parteiischen" Richtern und Staatsanwälten "attackiert" würden.
Wie die Zeitung "La Stampa" berichtete, fehlen auf den endgültigen Listen auch mehrere Politikerinnen, die in erster Linie mit ihrem Aussehen aufgefallen waren. Es träten keine Ex-Verlobten Berlusconis "oder solche, die sich dafür halten", für die PdL mehr an, berichtete die Zeitung.
jok/AFP/dpa
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