Mailand - Italiens früherer Regierungschef Silvio Berlusconi ist in einem Abhörskandal zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ins Gefängnis wird der konservative Politiker aber vorerst nicht gehen müssen - wenn er Berufung einlegt, womit zu rechnen ist.
Zudem wird die Strafe in der Regel als Hausarrest oder durch gemeinnützige Arbeit vollzogen, wenn es sich um Verurteilungen zu weniger als einem Jahr Haft handelt und wenn der Verurteilte - wie Berlusconi - älter als 75 Jahre ist.
Die Mailänder Richter sahen es als erwiesen an, dass Berlusconi die Aufzeichnung eines vertraulichen Telefongesprächs über eine Bankenübernahme aus dem Jahr 2005 widerrechtlich öffentlich gemacht hat - und damit seinem politischen Gegner schaden wollte. Das Gericht folgte mit dem Schuldspruch dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Berlusconi hatte die Anklagevorwürfe bestritten.
Der Hintergrund: In einem offensichtlich von Ermittlern abgehörten Gespräch soll der Linkspolitiker Piero Fassino den früheren Unipol-Chef Giovanni Consorte zu einer Bankenübernahme ermutigt haben. Die Versicherungsgesellschaft Unipol steht der Mitte-Links-Partei PD (Demokratische Partei) nahe, die stärkster Gegner Berlusconis war. Consorte wurde wegen Insiderhandels in dem Übernahmeverfahren verurteilt. Berlusconi ließ das abgehörte Gespräch dann in der Zeitung seines Bruders Paolo, "Il Giornale", veröffentlichen. Offenbar, um Fassino zu beschädigen.
Paolo Berlusconi stand ebenfalls vor Gericht: Er wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Für beide Brüder ist es ein Urteil in erster Instanz. Der Ex-Regierungschef kann dagegen Berufung einlegen, was aufschiebende Wirkung beim Vollzug der Strafe hätte. In Italien wird ein Urteil nach drei Instanzen rechtskräftig.
Die Justiz ermittelte in mehreren Fällen gegen Berlusconi - die Vorwürfe reichen von Amtsmissbrauch und Sex mit Minderjährigen über Meineid und Steuerbetrug bis zur Bestechung.
In anderen Prozessen konnte Berlusconi eine Verurteilung jedoch abwenden:
wal/kgp/fab/heb/AFP/dpa/Reuters
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