Rom - Der frühere libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hatte offenbar viel Geld in die Europäische Union geschafft: Am Mittwoch beschlagnahmten italienische Behörden Vermögen im Wert von 1,1 Milliarden Euro, das dem getötetem ehemaligen Diktator und seiner Familie gehört haben soll. Wie die Polizei mitteilte, stellte sie auf Ersuchen des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag bewegliches Eigentum und Immobilien, Aktien und Konten sicher.
Beschlagnahmt wurden demnach unter anderen Aktien italienischer Konzerne wie der HypoVereinsbank-Mutter Unicredit, dem Autobauer Fiat, dem Energiekonzern Eni, dem am Eurofighter beteiligten Rüstungskonzern Finmeccanica oder dem Turiner Fußballclub Juventus.
Außerdem machte die Polizei Bankkonten und Immobilien der Gaddafis ausfindig, darunter eine Wohnung in Roms Innenstadt, 150 Hektar Land auf der Insel Pantelleria sowie zwei Motorräder, die Gaddafis Sohn Saadi gehört haben sollen. Die Vermögenswerte waren im vergangenen Jahr bereits in Übereinstimmung mit einer Uno-Resolution eingefroren worden.
Die Ermittler konfiszierten zudem Vermögen von Gaddafis früherem Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi. Er war im März in Mauretanien gefasst worden, der zweitälteste Gaddafi-Sohn im vergangenen November in Libyen. Der IStGH wirft ihnen vor, den Sicherheitskräften ihres Landes den Auftrag zu Morden, Verfolgung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erteilt zu haben. Libyens einstiger Diktator, der das Land 42 Jahre lang regiert hatte, war am 20. Oktober 2011 nach monatelangem Bürgerkrieg von Rebellen getötet worden.
lgr/dpa/AFP/dapd
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