Italienisches Schiff mit Flüchtlingen "Diciotti" darf in Sizilien anlegen

177 Flüchtlinge sitzen seit Tagen auf der "Diciotti" fest, weil das italienische Schiff in keinem europäischen Hafen anlegen durfte. Nun soll es nach Sizilien fahren. Doch ob die Migranten von Bord dürfen, ist unklar.

"Diciotti" (Archivbild)
AP

"Diciotti" (Archivbild)


Das seit Tagen festliegende Schiff der italienischen Küstenwache mit 177 geretteten Flüchtlingen darf auf Sizilien anlegen. Die "Diciotti" werde den Hafen von Catania anlaufen, sagte Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli auf Twitter. Nach der Rettung der Migranten durch Italien müsse nun aber die EU "ihre Pflicht erfüllen", forderte er.

Allerdings sagte er nicht, wann konkret das Boot der italienischen Küstenwache in dem Hafen auf der Mittelmeerinsel anlegen darf. Italienische Medien berichteten, Italiens Innenminister Matteo Salvini wolle den Flüchtlingen gar nicht erst erlauben, von Bord zu gehen. Er wolle erst Garantien, dass die Migranten von anderen Ländern aufgenommen würden. Zuvor hatte Salvini gedroht, die Migranten nach Libyen zurückzuschicken, wenn Europa Italien keine konkreten Hilfen anbiete.

Nichtregierungsorganisationen verweisen immer wieder auf Gewalt und andere Menschenrechtsverletzungen in den libyschen Flüchtlingsunterkünften. Sie lehnen daher eine Rückführung von Migranten in das nordafrikanische Land ab.

Das Schiff hatte seit Donnerstag vor der italienischen Insel Lampedusa festgesessen. Salvini argumentierte, die Bootsflüchtlinge seien in Gewässern gerettet worden, für die eigentlich Malta zuständig sei. Die maltesischen Behörden erklärten dazu, dies treffe zwar zu, doch die Bootsflüchtlinge hätten jede Hilfe verweigert und weiter Kurs auf Lampedusa genommen.

Zwischen Italien und Malta gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Streit um die Aufnahme von Bootsflüchtlingen - die seit Juni amtierende Regierung in Rom hat die italienischen Häfen für Bootsflüchtlinge gesperrt. Vergangene Woche hatte Malta das Flüchtlingsrettungsschiff "Aquarius" erst nach tagelanger Irrfahrt einlaufen lassen, nachdem mehrere EU-Staaten die Aufnahme der 141 Flüchtlinge an Bord zugesagt hatten.

Italien beklagt sich seit längerem, dass es in der Europäischen Union die Hauptlast der Migration trage. Seit 2014 erreichten mehr als 650.000 die italienische Küste.

kry/AFP/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.