Italien Er galt als Vorbild für Integration - Polizei nimmt Bürgermeister fest

Er brachte Hunderte Migranten in seiner italienischen Gemeinde unter, erhielt sogar einen Friedenspreis. Nun steht Domenico Lucano unter Hausarrest. Italiens Innenminister Salvini verhöhnt ihn auf Facebook.

Domenico Lucano (Bildmitte)
imago/ Pacific Press Agency

Domenico Lucano (Bildmitte)


Domenico "Mimmo" Lucano, Dorf-Bürgermeister in Süditalien, ist festgenommen worden. Lucano wurde international bekannt, weil er Hunderte Migranten in der Gemeinde mit weniger als 2000 Einwohnern untergebracht hatte.

Die Polizei allerdings wirft ihm vor, illegale Einwanderung begünstigt zu haben. Der Bürgermeister soll laut Behörden zusammen mit seiner Partnerin Ehen zwischen Migranten und Einwohnern organisiert haben. Er wurde unter Hausarrest gestellt.

Die Kritik von Menschenrechtsaktivisten an diesem Schritt ist groß. "Die Regierung geht mit dieser juristischen Ermittlung (...) den ersten Schritt der Verwandlung von einer Demokratie in einen autokratischen Staat", erklärte der Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano, der sich für Rechte von Migranten einsetzt.

Vergangenes Jahr bekam Lucano für sein Flüchtlingsengagement den Dresdner Friedenspreis, der mit 10.000 Euro dotiert ist (lesen Sie hier mehr über den Bürgermeister).

In Italien regiert seit Juni eine Koalition aus rechtspopulistischer Lega und Fünf-Sterne-Protestbewegung, die einen harten Antimigrationskurs fährt.

Lega-Chef Matteo Salvini höhnte nach der Festnahme auf Facebook: "Wer weiß, was jetzt Saviano und alle anderen Gutmenschen sagen, die Italien wieder mit Migranten füllen wollen."

mho/dpa



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