Rom - Ernüchterung nach der Parlamentswahl in Italien: Europa hatte sich eine stabile Regierung unter Pier Luigi Bersani mit seinem Mitte-links-Bündnis gewünscht. Doch die italienischen Wähler weigerten sich - sie belohnten Skandalpolitiker Silvio Berlusconi und den Komiker Beppe Grillo.
Bersani ist zwar der Gewinner der Zitter-Abstimmung, aber ihm fehlt die Mehrheit. Das liegt am Patt im Abgeordnetenhaus und Senat:
Es ist nun völlig unklar, wie eine Regierung aussehen könnte. Ein stabiles Kabinett muss in beiden Kammern eine Mehrheit haben, um Gesetze durchbringen zu können. Bersani räumte am Dienstag ein, die Wahl habe eine sehr schwierige Lage geschaffen. Es sei "jedem klar", dass sich das Land nun in einer "sehr heiklen Lage" befinde. "Wir werden die Verantwortung, die diese Wahlen uns gegeben haben, im Interesse Italiens meistern", fuhr Bersani fort.
Überraschungssieger Grillo
Shootingstars der Wahl sind Grillo und seine erst 2009 gegründete populistische Bewegung "Fünf Sterne". Rund 20 Prozent waren ihr in den Umfragen vorausgesagt worden, jetzt sind es deutlich mehr geworden. Mit 25,55 Prozent ist sie die stärkste Einzelpartei im Abgeordnetenhaus. Im Senat kommt sie auf rund ein Viertel der Stimmen. Damit ist "Fünf Sterne" aus dem Stand dritte Kraft Italiens geworden - ein beispielloser Erfolg.
Grillo bezeichnete das Ergebnis als "phantastisch". Auf seiner Internetseite sagte er den traditionellen Politikern voraus, dass sie nur noch "wenige Monate überstehen" werden.
"Bereits erbrachte Opfer" nicht aufs Spiel setzen
Italien steckt seit Jahren in einer Krise. Das Euro-Land leidet unter hohen Schulden, die im Vergleich zur Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone nur von Griechenland übertroffen werden. Die Arbeitslosigkeit ist vor allem bei jungen Leuten hoch.
Monti hatte in den vergangenen Monaten versucht, mit einer Regierungsmannschaft aus Experten die Lage zu verbessern. Sein eigener Wahlkampf kam aber nie richtig in Schwung. Am Montagabend forderte Monti klare Verhältnisse: "Eine Regierung für das Land muss sichergestellt werden", sagte er. Monti rief die künftige Regierung auf, die von den Italienern "bereits erbrachten Opfer" nicht aufs Spiel zu setzen.
Trotz des relativ schwachen Abschneidens seines bürgerlichen Bündnisses zeigte sich der Ex-Premier zufrieden. "Einige sind vielleicht von einem etwas besseren Ergebnis ausgegangen, aber ich bin sehr zufrieden", sagte Monti. Sein Bündnis der Mitte sei erst vor 50 Tagen und ohne unrealistische Versprechen gegründet worden.
Euro sank auf Tiefstand
Angesichts des unklaren Wahlergebnisses folgte die Reaktion an den Finanzmärkten prompt. So zogen zum Beispiel die Renditen auf italienische Staatsanleihen an, damit stieg der Risikoaufschlag auf Papiere des Staates. Der Euro fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang Januar: Er sank innerhalb weniger Stunden um fast drei Cent. Zuletzt kostete die europäische Gemeinschaftswährung nur noch 1,3050 Dollar.
Der Ausgang der zweitägigen Wahlen war auch in den anderen EU-Staaten mit Spannung erwartet worden. Brüssel sowie die Finanzmärkte befürchteten, dass bei einem Wahlsieg Berlusconis die Schuldenkrise wieder aufflammen könnte. Der ehemalige Regierungschef hatte im Wahlkampf massive Steuererleichterungen versprochen. Bersani kündigte dagegen an, den Reformkurs der bisherigen Regierung fortzusetzen. Monti hatte Italien einem harten Sparkurs unterworfen, der zuletzt viele Menschen zu Protesten trieb.
heb/dpa/Reuters/AFP
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