Rom - Silvio Berlusconi ist 76 Jahre alt, vorzeitig aus dem Amt geschieden und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden: Nicht die besten Voraussetzungen für ein Comeback in die Politik. Doch Berlusconi hat nun erklärt, er würde gerne erneut kandidieren, um italienischer Regierungschef zu werden.
Berlusconi wäre nicht Berlusconi, wenn er dafür nicht dramatische Worte gewählt hätte. "Ich kann nicht zulassen, dass mein Land in eine endlose Rezessionsspirale fällt", so der frühere Premier, "Italien steht heute vor dem Abgrund." Er werde von seinen Anhängern geradezu bestürmt, wieder anzutreten. Im Januar wird in Italien das Parlament aufgelöst, am 10. März 2013 wird gewählt.
Berlusconi war im November 2011 zurückgetreten. Italien stand am Abgrund. Der drittgrößten Wirtschaftsnation der EU drohte das Schicksal Griechenlands. Berlusconi dagegen stilisierte sich immer gern als einer, der "Wunder vollbringen kann", der "Italien retten" muss. Bereits im Juli 2012 gab es Gerüchte über seine Rückkehr. Der britische "Economist" nannte allein die Diskussion darüber "das Letzte, was Italien braucht".
Doch Berlusconi machte in den folgenden Monaten Wahlkampf - obwohl er eine Rückkehr noch nicht offiziell erklärt hatte - und mischte sich in die Politik ein. So beschimpfte er etwa Deutschland als "Hegemonialstaat", der Europa Sparregeln diktiere. Außerdem ließ er wissen, dass er 72 Liegestütze am Tag mache und sich fit wie mit 35 fühle. Dass er im Oktober in erster Instanz zu vier Jahren Haft wegen Steuerbetrugs und Schwarzgeldkassen verurteilt wurde, störte ihn offenbar nicht.
Allerdings bricht seine Partei PdL (Volk der Freiheit) gerade auseinander. Die einst starke Mitte-Rechts-Partei ist nach Umfragen auf nur noch 14 bis 16 Prozent abgestürzt. In einer langen Krisensitzung am Mittwoch erörterte die Parteispitze die Lage vor den im Frühjahr anstehenden Parlamentswahlen. Sollte Berlusconi definitiv erklären, als Mitte-Rechts-Spitzenkandidat ins Rennen zu gehen, wären Vorwahlen sinnlos, sagte PdL-Parteichef Angelino Alfano. Alfano selbst gilt als aussichtsreichster Kandidat bei PdL-Urwahlen.
Die PdL verließ am Donnerstag den Senat, um ihr Misstrauen gegenüber Premier Mario Monti zu signalisieren. Nach Berlusconis Rücktritt 2011 wurde Monti Premierminister mit seiner Expertenregierung. Er weiß Wirtschaft und Vatikan, Politiker verschiedener Parteien und die EU-Nachbarn hinter sich - und hat gute Chancen auf eine zweite Amtszeit.
kgp/dpa/Reuters
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