Mittelmeer Italien rettet 800 Flüchtlinge in einer Nacht

Immer mehr Menschen treibt es aus Krisenregionen in die EU: Am Wochenende rettete die italienische Marine rund 1800 Menschen aus dem Mittelmeer. Allein in der Nacht zum Montag griff sie 800 Flüchtlinge auf.

Anlegestelle in Salerno: Flüchtlinge verlassen ein Marineschiff
DPA

Anlegestelle in Salerno: Flüchtlinge verlassen ein Marineschiff


Rom - Italien verzeichnet derzeit eine drastische Zunahme an Bootsflüchtlingen: Die italienische Marine hat nach eigenen Angaben am Wochenende rund 1800 Menschen auf dem Mittelmeer von überfüllten Booten gerettet. Allein in der Nacht zum Montag mussten die Retter vor der italienischen Küste acht überfüllten Flüchtlingsbooten zu Hilfe eilen und 800 Menschen retten.

Für einige Flüchtlinge kam die Hilfe zu spät: Auf einem der Schiffe wurden fünf Tote gefunden. Mehr als zehn Menschen gingen nach Aussage der Geretteten zudem über Bord. Der italienischen Marine zufolge sind allein in der vergangenen Woche 3510 Flüchtlinge gerettet worden.

An den Rettungsaktionen am Wochenende waren neben einem Handelsschiff vier Marineboote beteiligt, die im Rahmen der Operation "Mare Nostrum" das Mittelmeer überwachen. Die Operation war gestartet worden, nachdem im vergangenen Jahr Hunderte Menschen beim Versuch starben, die EU über das Mittelmeer zu erreichen. Über die Operation und ihre Finanzierung tobt in der EU ein heftiger Streit.

Die meisten Geretteten sind Syrer, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat flüchteten und die Überfahrt nach Europa wagen. Auch aus Eritrea kommen viele Flüchtlinge, die dort dem Militärdienst entkommen wollen.

Bürgerkrieg und Armut treiben immer mehr Menschen nach Europa: In diesem Jahr haben italienische Marine und Küstenwache im Rahmen des Einsatzes "Mare Nostrum" schon über 70.000 Flüchtlinge von teilweise seeuntüchtigen Booten gerettet. Damit wurde schon deutlich die bisherige Jahres-Höchstmarke von 62.000 Flüchtlingen übertroffen, die 2011 als Folge des Arabischen Frühlings nach Italien kamen. Rund 500 Menschen haben die Flucht über das Mittelmeer im ersten Halbjahr nicht überlebt, verglichen mit 700 im gesamten vergangenen Jahr.

leo/AFP/Reuters

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Paul-Merlin 22.07.2014
1. Rettung o.k., aber dann
Zitat von sysopDPAImmer mehr Menschen treibt es aus Krisenregionen in die EU: am Wochenende rettete die italienische Marine rund 1800 Menschen aus dem Mittelmeer. Allein in der Nacht zum Montag griff sie 800 Flüchtlinge auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/italien-marine-rettet-hunderte-fluechtlinge-aus-mittelmeer-a-982146.html
muss der umgehende Rücktransport erfolgen. Europa kann nicht die Armutsflüchtlinge der ganzen Welt aufnehmen. Das kann nicht funktionieren. Schon der Versuch wird nur dazu führen, dass sich noch mehr Menschen auf den Weg ins offensichtliche wirtschaftliche Paradies aufmachen. Im Ergebnis würden sich nur die Schlepperbanden weiter dumm und dämlich verdienen, die Elendsquartiere dann nicht nur in Afrika und Asien sondern auch in den Randzonen unserer Städte liegen und wir Mord und Gewalt quasi vor die Haustür importieren. Der gemeinsame Untergang mag edel gemeint sein, ist aber keine wirklich gute Lösung. Die Lösung muss primär nämlich in den Ursprungsländern, zumindest in demjeweiligen regionalen und kulturellen Umfeld gefunden werden.
MarcJD 22.07.2014
2. Falsches Signal
Die sogenannte "Rettung" der mit dem politisch gefärbten Kampfbegriff "Flüchtlinge" verbrämten illegalen Einwanderern ist so, wie das aktuelle Procedere aussieht, die schlechtestmögliche Lösung. Auch wenn sich mein persönliches Mitleid für diese Menschen, die sich freiwillig (ja, liebe Gutmenschen, sie haben tatsächlich eine Wahl!) in solchen Massen auf derartig verrottete Schaluppen begeben, daß Tote geradezu vorprogrammiert sind und sich bisweilen bei Erreichen der italienischen Gewässer absichtlich mut voller Absicht selbst versenken, zwar irgendwie ach-so-arm und bedürftig, jedoch merkwürdigerweise in der Lage, für diese unkomfortable "Reise" auch noch einige Tausend Dollar bar auf den Tisch zu legen (ja, welcher Hartzler hier im Lande wäre überhaupt dazu in der Lage?), schließlich am Ziel ihrer Träume angekommen, sich teils durch dreiste Forderungen, Hausbesetzungen etc. hervortun, sich irgendwie in Grenzen hält, kann man sie natürlich nicht einfach absaufen lassen, keine Frage. Jedoch sollte man Sie auf gar keinen Fall auch nur einen Fuß auf europäischen Boden setzen lassen. Versorgung auf einer art Lazarettschiff und dann umgehender, AUSNAHMSLOSER Rücktransport an die afrikanische Küste. Erst wenn sich dort herumspricht, daß Europa sich nicht mehr erpressen lässt und wirklich alle Menschen garantiert und sämtlichst nach weniger als 24 Stunden genau dort wieder landen, von wo sie gestartet sind (bloß um 2000$ ärmer!), werden sie aufhören, diese waghalsigen Reisen zu unternehmen. Je mehr die Italiener herausfischen und an Land bringen, desto mehr werden kommen. Wir sind nicht zuständig für diese Menschen. Berechtigte Anträge auf Asyl sind in den deutschen Vertretungen in den jeweiligen Herkunftsstaaten zu stellen (ohne vorher seine Ausweispapiere wegzuwerfen um seine wahre Herkunft zu verschleiern). Auch im Interesse des afrikanischen Kontinents, müssen die Menschen, welche aus zwar armen, aber eben dennoch sicheren, eben nicht im Bürgerkrieg versinkenden Staaten stammen, dort bleiben. Mit ihrem Geld, was sie momentan den Schleppern in den Rachen werfen. Einige Tausend Dollar reichen dort schon für eine kleine Existenzgründung. Wie soll dieser Kontinent denn jemals selbst auf die Beine kommen, wenn sämtliche jungen und kräftigen Einwohner mit den wenigen im Lande befindlichen Geldmitteln einfach abhauen?
fuer_fluechtlinge 22.07.2014
3. @MarcJD
Zitat von MarcJDDie sogenannte "Rettung" der mit dem politisch gefärbten Kampfbegriff "Flüchtlinge" verbrämten illegalen Einwanderern ist so, wie das aktuelle Procedere aussieht, die schlechtestmögliche Lösung. Auch wenn sich mein persönliches Mitleid für diese Menschen, die sich freiwillig (ja, liebe Gutmenschen, sie haben tatsächlich eine Wahl!) in solchen Massen auf derartig verrottete Schaluppen begeben, daß Tote geradezu vorprogrammiert sind und sich bisweilen bei Erreichen der italienischen Gewässer absichtlich mut voller Absicht selbst versenken, zwar irgendwie ach-so-arm und bedürftig, jedoch merkwürdigerweise in der Lage, für diese unkomfortable "Reise" auch noch einige Tausend Dollar bar auf den Tisch zu legen (ja, welcher Hartzler hier im Lande wäre überhaupt dazu in der Lage?), schließlich am Ziel ihrer Träume angekommen, sich teils durch dreiste Forderungen, Hausbesetzungen etc. hervortun, sich irgendwie in Grenzen hält, kann man sie natürlich nicht einfach absaufen lassen, keine Frage. Jedoch sollte man Sie auf gar keinen Fall auch nur einen Fuß auf europäischen Boden setzen lassen. Versorgung auf einer art Lazarettschiff und dann umgehender, AUSNAHMSLOSER Rücktransport an die afrikanische Küste. Erst wenn sich dort herumspricht, daß Europa sich nicht mehr erpressen lässt und wirklich alle Menschen garantiert und sämtlichst nach weniger als 24 Stunden genau dort wieder landen, von wo sie gestartet sind (bloß um 2000$ ärmer!), werden sie aufhören, diese waghalsigen Reisen zu unternehmen. Je mehr die Italiener herausfischen und an Land bringen, desto mehr werden kommen. Wir sind nicht zuständig für diese Menschen. Berechtigte Anträge auf Asyl sind in den deutschen Vertretungen in den jeweiligen Herkunftsstaaten zu stellen (ohne vorher seine Ausweispapiere wegzuwerfen um seine wahre Herkunft zu verschleiern). Auch im Interesse des afrikanischen Kontinents, müssen die Menschen, welche aus zwar armen, aber eben dennoch sicheren, eben nicht im Bürgerkrieg versinkenden Staaten stammen, dort bleiben. Mit ihrem Geld, was sie momentan den Schleppern in den Rachen werfen. Einige Tausend Dollar reichen dort schon für eine kleine Existenzgründung. Wie soll dieser Kontinent denn jemals selbst auf die Beine kommen, wenn sämtliche jungen und kräftigen Einwohner mit den wenigen im Lande befindlichen Geldmitteln einfach abhauen?
Wiso? Was würde Ihrer Meinung dann passieren? Diese Menschen hören schon jetzt nicht auf, Europa erreichen zu wollen. Diese "Waghalsigen Reisen" sind gebtrieben von Not und vor allem von Hoffnung- die lässt sich nicht so einfach zerstören. Wer dann? Wie kommen Sie dazu, den Menschen hier in diesem vorzuschreiben wie sie ihr Leben zu leben haben? Dass sie gefälligst in Afrika bleiben sollen, um ihrem Kontinent zu helfen? Würde Sie denn selbst so handeln wie Sie es fordern? Außerdem denke ich, dass nicht wenige Geldmittel in dem Land vorhanden ist- das ist schlicht eine Frage der Verteilung.
MarcJD 22.07.2014
4. @fuer_fluechtlinge
Antwort Teil 1/2: Zunächst auf die interessanteste Frage, ob ich selbst so handeln würde, wie ich es im Falle der Afrikaner für richtig erachte, meine ganz ehrliche Antwort: Nein. Wäre ich einer von ihnen, könnte das Geld für die Passage irgendwie auftreiben und stünde vor der Wahl, zwischen einem Leben mit harter, beschwerlicher Arbeit in bescheidenen Verhältnissen und einem Leben im vom dortigen Standpunkt her "Schlaraffenland" Europa, würde ich vermutlich auch in jugendlichem Leichtsinn und aus langfristiger Bequemlichkeit (eine im Grunde allen Menschen gemeinsame Eigenschaft) das Risiko eingehen und versuchen nach Europa zu gelangen. Deswegen muß man mir/denen diesen Weg verbauen. Ja, Geldmittel bzw. insbesondere auch geldwerte resourcen sind dort zweifelsohne genug vorhanden. Ja, es ist definitiv ein Verteilungsproblem. Und nun? Diese Länder sind seit Jahrzehnten unabhängig von ihren ehemaligen Kolonial-/Mandats-/Wasauchimmermächten. Sie sind selbst für ihr Wohlergehen verantwortlich. Was sollen man also tun? Je mehr wir jetzt auf diesen Aspekt eingingen, kämen wir unweigerlich auf eine Fragestellung, die Ihnen wohl kaum schmecken dürfte... (ich stell sie trotzdem mal, klein und in klammern: warum schaffen es denn praktisch keine staaten dort, andere zustände als totale diktaturen oder totales chaos, in jedem falle korrupt, mit vetternwirtschaft und schamloser veruntreuung und unterschlagung der gesamten naturgegebenen werte unter völliger vernachlässigung des wohlergehens der eigenen bevölkerung, hervorzubringen? warum? steht die"weiße" welt der "schwarzen" welt nicht praktisch immer und überall mit know how und auch geld- und sachmitteln hilfsbereit zur seite? das fruchtet freilich nur dort richtig, wo die örtliche "classe politique"* überhaupt daran interessiert ist, den allgemeinen und nicht nur den eigenen lebensstandard zu verbessern. und kommen sie mir nicht mit ausbeutung und föderung dieser systeme durch die "weißen", stichworte coltan, "blutdiamanten" etc. die natürlichen ressourcen afrikas sind gefragt, es herrscht "bedarf". über die lebensnotwendigkeit von diamanten beispielsweise lässt sich sicher streiten, jedoch sind diverse andere rohstoffe unentbehrlich für industrie- und high-tech-nationen. folglich werden sie gekauft. die umstände jedoch, unter denen diese produkte gewonnen werden und auf wessen konto das geld dafür letztlich landet, können auch die bösesten "kapitalisten- und ausbeuterkonzerne" nicht beeinflussen. logisch. denn sie haben keinen einfluss auf die lokalen machtverhältnisse. konklusion? sollen wir deshalb jetzt alle beispielsweise auf moderne elektronik verzichten, weil das coltan im kongo unter undurchsichtigen umständen von zwangsarbeitern unter unmenschlichen bedingungen gewonnen wird, das geld zum teil auf den privatkonten von regierungsmitgliedern, zum teil in den kriegskassen irgendwelcher blutrünstiger rebellengruppen landet? was machen Sie dann hier? in dem gerät, mit welchem Sie ihren kommentar verfassten, werkeln unter garantie diverse chips mit kongolesischem coltan.
MarcJD 22.07.2014
5. @fuer_fluechtlinge
Antwort Teil 2/2: desweiteren wäre es vermutlich selbst dem boss des allerbösesten* ausbeuterhandelskonzerns vom menschlichen standpunkt lieber, wenn das geld in die entwichlung des landes statt in die taschen krimineller flösse, aber er hat leider keine wahl. oder sollen die konzerne das selbst regeln? söldnerfirmen engagieren um die verbrecherbanden dort zu beseitigen? den medialen aufschrei möcht ich erleben...) Aber das steht nicht zur Debatte. Oder sollte man Ihrer Ansicht nach dort mut regulären Truppen einmarschieren, die unfähigen und korrupten Regierungen absetzen und den Laden wieder selbst übernehmen um ihn auf Vordermann zu bringen? Nein. Ich gehe fest davon aus, daß sie dies nicht im Sinne haben. Also bleibt diese Rahmenbedingung wie sie ist. Besch*ssen, das steht außer Frage. Was dann? Soll man Passagierschiffe chartern und einen kostenlosenlosen Pendelverkehr einrichten, um "ausreisewillige" Afrikaner sicher und komfortabel über das Meer zu befördern? Verdammt, sie tun mir ja wirklich leid, diese Menschen dort, die leider das Pech hatten, auf dem falschen Kontinent, im falschen Staat geboren worden zu sein. Und ja, ich mag sie. Menschlich. In meiner Stadt (Hamburg) gibt es viele. Sie sind für sich genommen üblicherweise sehr freundliche, friedliche und sympathische Menschen, ganz im gegensatz zu einem großteil sog. "Migranten" anderer, nicht-afrikanischer Herkunftsländer (bekanntlicherweise tun sich die afrikanischen Einwanderer nicht durch grundlose Messermorde und Kopf-tottreten hervor), so daß ich sogar liebend gern einen Großteil dieser "Migranten" gegen Afrikaner eintauschen würde. Das aber geht leider nicht. So stehen wir, wo wir stehen und können schon jetzt zum Teil, mit regulärer, ehrlicher Arbeit, unter der schier gewaltigen Steuerlast kaum noch selbst unser Leben in dem uns mit der Zeit zur Gewohnheit gewordenen Komfort (und damit meine ich jetzt nichts abgehobenes, sondern ein Dach, ausreichend zu Essen, Gesundheit und (u.a. soziale) Sicherheit, auch und insbesondere im Alter, die MÖGLICHKEIT, Kinder zu bekommen und diesen eine gute, sichere und nicht von Knappheit geprägte Kindheit zu bieten, ZEIT für diese zu haben usw., ganz bodenständige Erwartungen) bestreiten. Und ab da beginne ich dann leider ein wenig egoistisch zu denken, wenn Sie so wollen, zumindest bin ich nicht gewillt, zugunsten anderer Menschen dabei zuzusehen, wie sich unser deutscher Lebensstandard zusehends schneller in Richtung eines Niveaus irgendwo zwischen Rumänien und Nordkorea zubewegt. Nicht gewillt, aber leider habe ich auch keine Wahl... Ich kann den Lauf der Dinge nicht aufhalten. Ich kann nur sagen und schreiben, wie ich darüber denke. Die Afrikaner werden also weiterhin kommen, so wie die Zuwanderer aus so vielen anderen Staaten, in denen der Lebensstandard niedriger ist als hier. Die Kosten werden weiterhin explodieren, der deutsche Mittelstand wird verschwinden, schließlich werden wir auf dem Niveau der bisherigen Herkunftsländer angekommen sein, denn die bisherige Erfahrung und die nüchternen Zahlen sprechen nun mal eine deutliche Sprache. Und wohin flüchte dann ich, wenn es soweit ist?
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