Italien Minister fordert Kastration von Vergewaltigern

Eine Serie von Sexualverbrechen hat in Italien eine Debatte über Innere Sicherheit ausgelöst. Die Regierung Berlusconi kündigte drakonische Maßnahmen an: Diskutiert werden Bürgerwehren und die Kastration von Vergewaltigern.


Rom - Martialische Töne aus Italien: Ministerpräsident Silvio Berlusconi will Bürgerwehren aufstellen - sein Minister für Bürokratieabbau schlägt gar vor, Sexualstraftäter künftig kastrieren zu lassen. "Die Gesellschaft muss sich verteidigen", tönte Minister Roberto Calderoli, der der rechten Lega Nord angehört.

Ministerpräsident Berlusconi: Die Bevölkerung soll Bürgerwehren aufstellen
AP

Ministerpräsident Berlusconi: Die Bevölkerung soll Bürgerwehren aufstellen

Der Zeitung "La Stampa" sagte Calderoli, in einigen Fällen gebe es keine andere Möglichkeit, als eine operative Kastration vorzunehmen. Eine Unterdrückung des Sexualtriebs durch Medikamente funktioniere nicht immer.

Am vergangenen Wochenende hatten drei Vergewaltigungen in Italien für Aufruhr gesorgt. In Rom wurde am Samstag ein 14-jähriges Mädchen bei einem Spaziergang mit ihrem Freund von zwei Männern vergewaltigt.

Das Mädchen und ihr Begleiter sagten aus, die Täter seien osteuropäischer Herkunft gewesen. In Bologna wurde ein Tunesier verhaftet, der eine 15-Jährige vergewaltigt haben soll. Die Polizei Mailand fahndet im Zusammenhang mit der Vergewaltigung einer 21-Jährigen nach einem nordafrikanischen Einwanderer.

Berlusconis Regierung kündigte als Reaktion eine schärfere Überwachung von Sexualstraftätern an. Laut Presseberichten sollen Gemeinden unbewaffnete Bürgerwehren zum Schutz der Bevölkerung aufstellen dürfen.

Berlusconis Kurswechsel kommt überraschend. Noch Ende Januar hatte der Premier betont, solche Verbrechen seien nicht zu verhindern - und mit einer bizarren Begründung für Aufsehen gesorgt: "Man bräuchte derart viele Soldaten, weil es so viele schöne italienische Mädchen gibt, dass es niemals möglich wäre."

Die Opposition kritisierte die Pläne und warf der Regierung vor, fremdenfeindliche Ressentiments zu schüren. "Das Sicherheitsmonopol muss beim Staat bleiben", unterstricht Marco Minniti von der linksbürgerlichen Demokratischen Partei (PD) der Zeitung "La Repubblica".

In der Nacht zum Montag kam es zu einem fremdenfeindlichen Übergriff in Rom. Eine Gruppe von 20 vermummten Angreifern stürmte ein Kebabrestaurant und prügelte auf vier Rumänen ein. Zwei der Attackierten mussten in einem Krankenhaus behandelt werden. Auch in Bologna und Mailand kam es am Wochenende zu ähnlichen Vorfällen. Bereits Anfang Februar hatten Jugendliche in Nettuno bei Rom einen Inder bei lebendigem Leibe angezündet.

beb/AFP/dpa



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