Wahlkampf in Italien: Monti will nur als Chef in die Regierung einziehen

Chef oder gar nichts: Mit diesem Motto geht Italiens Regierungschef Mario Monti in den Wahlkampf. Er wolle erneut Ministerpräsident werden, kündigte er an. An einen Posten als Minister denke er nicht.

Mario Monti vor seinem Wahlkampf-Slogan: "Mit Monti für Italien" Zur Großansicht
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Mario Monti vor seinem Wahlkampf-Slogan: "Mit Monti für Italien"

Rom - Mit der Ankündigung seiner Kandidatur ließ sich Mario Monti Zeit. Doch nun geht der scheidende italienische Ministerpräsident aufs Ganze. Sein Ziel sei es, nach der Wahl im Februar weiter als Regierungschef die Geschicke des Landes zu leiten, sagte der 69-jährige Wirtschaftsprofessor bei der Präsentation seines Wahlkampfbündnisses. Die Übernahme eines Kabinettspostens lehnte Monti ab.

So antwortete er auf die Frage, ob er auch als Wirtschaftsminister in einer neuen Regierung arbeiten wolle: "Ich denke nicht." Monti fügte hinzu: "Ich glaube nicht, dass ich motiviert bin, in einer Regierung zu dienen, deren Politik ich nicht zu mindestens 98 Prozent teile."

Sein Bündnis wird mit dem Slogan "Mit Monti für Italien" in den Wahlkampf ziehen. Neben einer Bürgerplattform mit politischen Neulingen gehören auch die beiden Zentrumsparteien UDC unter Führung von Pier Ferdinando Casini und FLI von Parlamentspräsident Gianfranco Fini dazu. Die Namen der einzelnen Kandidaten sollen am Dienstag vorgestellt werden.

Monti kündigte an, in seinem Bündnis solle es weniger Karrierepolitiker und stattdessen viele Vertreter der Zivilgesellschaft geben. Er wolle bei der Auswahl der Kandidaten auch Aspekte wie Interessenskonflikte, Anti-Mafia-Normen, frühere Verurteilungen und laufende Ermittlungen berücksichtigen. Im italienischen Parlament sitzen mehrere strafrechtlich verurteilte Abgeordnete, darunter auch der wegen Betrugs verurteilte ehemalige Regierungschef Silvio Berlusconi.

In Umfragen liegt Monti zurück

Monti will im Kampf gegen die Schuldenkrise ein breites Bündnis aus pro-europäischen und reformwilligen Parteien schmieden. "Jemand, dem wie mir die Regierungsführung in einer Zeit großer Probleme angetragen wurde, bildet sich eine Meinung darüber, was zu tun ist und was gefährlich wäre", sagte Monti. Er wolle den Italienern "ein neues politisches Angebot unterbreiten" und "zu einer besseren Politik beitragen".

Die Parlamentswahl in Italien findet am 24. und 25. Februar statt. In Umfragen liegt Monti zurück. Derzeit entfielen nur rund zwölf Prozent der Stimmen auf seine Allianz, wie aus der jüngsten Umfrage des Instituts Tecne hervorgeht, die der Sender SkyTG24 veröffentlichte. Das Mitte-Links-Bündnis unter Führung der Demokratischen Partei unterstützen dagegen 40 Prozent der Befragten. Für die mögliche Mitte-Rechts-Koalition von Silvio Berlusconis Partei Volk der Freiheit würden 25 Prozent votieren. Allerdings deuten mehrere Umfragen auf eine hohe Unentschlossenheit der Wahlberechtigten hin.

Monti hatte die Regierung im November 2011 inmitten der italienischen Wirtschafts- und Schuldenkrise von Berlusconi übernommen. Monti war Ende Dezember vom Amt des Regierungschefs zurückgetreten. Später erklärte er sich bereit, an der Spitze eines Zentrumsbündnisses in den Wahlkampf zu ziehen.

mmq/AFP/Reuters

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1. Absurder FAKE!
doc 123 05.01.2013
Zitat von sysopAPChef oder gar nichts: Unter diesem Motto geht Italiens Regierungschef Mario Monti in den Wahlkampf. Er wolle erneut Ministerpräsident werden, kündigte er an. An einen Posten als Minister denke er nicht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/italien-monti-will-nach-wahl-nur-ministerpraesident-werden-a-875932.html
Geht die Volksverdummung eigentlich nuch absurder und grotesker. Ein Kandidat, der sich nicht ernsthaft der Wahl stellt und sich allenfalls nach der Wahl, ohne irgendeiner Partei nahezustehen, außer der gesammelten Goldman-Sachs-Finanzmafia, dann zum Ministerpräsidenten ernennen zu lassen. Unter diesen Umständen kann man nur einem Berlusconi alles gute Wünschen, einen Wahl-Fake mit dem Sieger eines Finanz-Mafia-hörigen kann man sich noch weniger wünschen.
2. Informieren bitte
andres_rydberg 05.01.2013
Zitat von doc 123Geht die Volksverdummung eigentlich nuch absurder und grotesker. Ein Kandidat, der sich nicht ernsthaft der Wahl stellt und sich allenfalls nach der Wahl, ohne irgendeiner Partei nahezustehen, außer der gesammelten Goldman-Sachs-Finanzmafia, dann zum Ministerpräsidenten ernennen zu lassen. Unter diesen Umständen kann man nur einem Berlusconi alles gute Wünschen, einen Wahl-Fake mit dem Sieger eines Finanz-Mafia-hörigen kann man sich noch weniger wünschen.
Sie sind wohl ein wenig zu uninformiert in der Sache, Monti kann sich gar nicht offen zur Wahl stellen, da er ein Senator auf Lebenszeit ist, zudem frage ich Sie, ob denn ein Kabinett aus wirklich in der Sache kompetenten Fachleuten schlechter ist als eine Gruppe von Bunga-Bunga-Frauen, Korrupten, Mafialeuten, und den Typen mit den Napoleon-Komplex ist. Es sei denn natürlich Sie möchten, dass wir alle den Bach untergehen.
3. Ist es nicht furchtbar - Italien bekommt seine Parteien-Landschaft nicht in den Griff
Roßtäuscher 05.01.2013
Zitat von sysopAPChef oder gar nichts: Unter diesem Motto geht Italiens Regierungschef Mario Monti in den Wahlkampf. Er wolle erneut Ministerpräsident werden, kündigte er an. An einen Posten als Minister denke er nicht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/italien-monti-will-nach-wahl-nur-ministerpraesident-werden-a-875932.html
Wie zu Zeiten des leicht buckeligen Giulio Andreotti, wechselt eine wackelige Koalition nach der anderen von ständiger Neuwahl zur nächsten. Zu allem Unglück gibt es auch noch den Cavalière, der eine Katastrophe für Italien ist, dem man ebenfalls die Nähe zur Mafia, Cosa Nostra, Ndrangheta nachsagt. Was ist überhaupt aus seiner mehrjährigen Haft-Verurteilung geworden? Sperrt den ehemaligen Komödianten der Kreuzfahrtschiffe endlich weg.
4. Es gilt immer noch:
derbergischelöwe 05.01.2013
Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Irgendwer hat doch den Politclown Berlusconi Wahl um Wahl gewählt nd in Kauf genommen, dass er Italien der Lächerlichkeit preisgibt und herunterwirtschaftet. Selbst ist der Uomo, anpacken, ausmisten, Reformieren, Forum Italia! Aber bitte nicht ständig auf Deutschland herumhacken und Forderungen stellen...
5. Ja sowas
hinterfozig 06.01.2013
klar will er nur als vereidigter Obermuffti zurueck kommen, Als Goldmann Sachs Baenker, will er dann offiziell Italien den Todesstoss geben, was fuer ein Hinterfoz.
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Steckbrief Italien
REUTERS
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission

Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 60,783 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Giorgio Napolitano

Regierungschef: Matteo Renzi

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