Spitzenkandidat: Bersani führt Italiens Linke in die Parlamentswahl

Die linksgerichtete Demokratische Partei Italiens hat einen neuen Spitzenkandidaten: Pierluigi Bersani tritt bei der Parlamentswahl im Frühjahr gegen Mario Monti an - und könnte neuer Premier werden.

Pierluigi Bersani: Montis Rivale Fotos
REUTERS

Rom/Hamburg - Er gilt als ein pragmatischer Linker und Wirtschaftsexperte: Der Norditaliener Pierluigi Bersani, Chef der Mitte-Links-Partei (Partito Democratico, PD), hat sich bei den Urwahlen als Kandidat für das Amt des italienischen Premierministers durchgesetzt. Das tief in der Rezession steckende Land wählt im März oder April sein Parlament neu.

Teilergebnissen vom Sonntag zufolge erzielte der 61-jährige Bersani in der Stichwahl 61,5 Prozent der Stimmen. Sein 37-jähriger Herausforderer Matteo Renzi kam demnach auf 38,5 Prozent. Ausgezählt waren die Stimmen aus rund einem Fünftel der Wahllokale landesweit.

Prognosen hatten zuvor bereits auf einen Sieg Bersanis hingedeutet. Da die Mitte-Links-Partei PD derzeit in Umfragen auf rund 30 Prozent der Stimmen kommt, hat ihr neuer Spitzenkandidat gute Chancen, Italiens nächster Ministerpräsident zu werden. Allerdings müsste die PD, die selbst ein Zusammenschluss mehrerer kleiner linker, grüner und zentristischer Gruppierungen ist, dazu eine Koalition mit anderen Parteien eingehen.

Pierluigi Bersani gehört zum linken Establishment. Er gilt als bodenständiger, etwas paternalistischer Politiker und stammt aus Bettola bei Piacenza in der Region Emilia-Romagna. Erst Regionalpräsident im Norden, entwickelte er sich zu einem der linken Hoffnungsträger in einem stark von Silvio Berlusconi geprägten nationalen Umfeld. Zwischen 1996 und 2008 arbeitete Bersani unter drei Mitte-Links-Regierungen als Minister für Industrie, Transport und Wirtschaft. Er hat sich in dieser Zeit vor allem als Reformer und Liberalisierer einen Namen gemacht. Bei der vor fünf Jahren gegründeten PD kamen als Chefs zunächst Walter Veltroni und danach Dario Franceschini ans Ruder. Im Oktober 2009 übernahm dann Bersani den Posten.

Bersani stützt zwar den früheren EU-Kommissar und gegenwärtigen Regierungschef Monti, will ihn aber offensichtlich nicht in dieses Amt zurückkehren sehen. Außerdem ist Mario Monti für eine andere Aufgabe im Gespräch: Italien sucht 2013 auch einen neuen Staatschef.

bos/dpa/AFP

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Viel Glück
hasselmann14 03.12.2012
Für den Kandidaten, hoffentlich wachen bis 2013 auch die deutschen Wähler auf, und wiedersetzten sich den Bilderbergern ( Monti, Steinbrück )
2. Wieder einmal unpräzise
Herrmann der Verräter 03.12.2012
Mit ihren politischen Berichterstattungen über Italien sind deutsche Medien immer sehr unpräzise. Mit anderen Worten wird den deutschen Lesern dummes Zeug verbreitet, und von diesen gern dankbar "assimiliert". Gegen Berlusconi betreiben sie Politrassismus und nun erzählen sie Märchen über die sogenannten linken Politiker Italiens. Nun Bersani ist zunächst kein Norditaliener, sonderns höchsten ein Mittelitaliener. Er stammt aus der Emilia-Romagna und das ist kein Norditalien. Dann sprechen sie immer von einem linken Politiker. Er ist nicht nur links, sondern stamm aus dem Partico Comunista italiano wie der Staatspräsident Italiens Napolitano und mindestens 50% aller ital. Richter und 75% aller ital. Beamten. Deshalb funktioniert die italienische Verwaltung nicht. Es wundert mich daß Ihr Herr Mascolo dies völlig ignoriert.
3. Gute Wahl
Notion 03.12.2012
Bersani gehört zu den Politikern, die gerne unterschätzt werden, aber am Ende hat er noch jede Wahl gewonnen bisher. Halt kein "Lautsprecher" und "Phrasendrescher" sondern einer der mit Charme und Argumenten überzeugt. Dazu eine gehörige Portion Humor, den man allerdings als "etwas skuril" bezeichnen kann. Seine Gegner bei den kommenden Wahlen werden so wie es aussieht der technokratische und lebensferne Monti, der sich immer mehr wie Mussolini aufführende Grillo und wahrscheinlich nochmal Berlusconi mit neuer Partei sein. Damit haben die Italiener dann wirklich die Wahl und das ist gut. Man darf wirklich gespannt sein, wie das ausgeht. Die Mittelinks-Allianz hat sich zumindest jetzt gut aufgestellt.
4. @Hermann der Verräter
farinet 03.12.2012
Keine Ahnung, aber davon ziemlich viel: Natürlich ist ein Piacentino ein Norditaliener. So viel Blödsinn die Lega auch über die und aus der Geschichte erzählt, richtig bleibt, dass Piacenza Teil der Lega Lombarda war, die gegen Barbarossa zu Felde zog. Von einem Hessen würde man auch schwerlich sagen, er sei ein Mitteldeutscher (obwohl das Land ziemlich in der Mitte liegt).
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